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AfD überholt CDU : Wie die schwarze Hochburg Anklam fiel

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„Ich bin ratlos“: Das Büro des CDU-Kandidaten in Anklam, der sein Direktmandat an die AfD verlor. Bild: Mona Jaeger

Die Partei der Kanzlerin steht auch Tage nach dem Debakel in Mecklenburg-Vorpommern unter Schock. Wie konnte es zum Durchmarsch der Rechtspopulisten in einer schwarzen Bastion kommen? Eine Spurensuche in Anklam.

          Das ist übrig geblieben von der Politik: Fünf Kartons, ein Haufen Plastiktüten und zwei Aufsteller mit Plakaten, die an einen Schrank gelehnt stehen. „Bernd Schubert. Klar und deutlich“ steht auf den Plakaten, und so auf die Seite gekippt sieht Schuberts Lächeln ein wenig gequält aus. Durch die staubigen Scheiben des Wahlkreisbüros in Anklam fällt das Sonnenlicht und wirft den Schriftzug „CDU“ auf den Boden. Schubert trägt ein kariertes Hemd und hat die Stimme eines Landarztes. Er greift zu dem Stapel mit seinen Wahlflyern. Schubert neben einem Bauern: „Unsere Landwirte produzieren nicht nur hochwertige Lebensmittel, sondern schützen auch die Kulturlandschaft im ländlichen Raum.“ Schubert neben einem Feuerwehrauto: „Ich bin stolz auf das Engagement unserer Feuerwehrkameraden. Wir haben ihrem Ehrenamt viel zu verdanken.“

          Mona Jaeger

          Redakteurin in der Politik.

          Einige Flyer sind trotz wochenlangem Wahlkampf noch übrig geblieben. Schubert braucht sie jetzt nicht mehr. Der CDU-Mann hat in den vergangenen Jahren viel erreicht für Anklam und die Umgebung. Er hat es den Wählern am Stand immer wieder gesagt: Die Pflanzenextraktfabrik hat expandiert, die Schwimmhalle wird umgebaut, ein großer Reifenhersteller hat sich im Ort angesiedelt. „Daran könnt ihr mich messen“, hat Schubert den Wählern gesagt. Die fragten aber nur: „Warum kommen so viele Flüchtlinge nach Deutschland?“ Da konnte Schubert, der Mann aus Vorpommern, nicht viel zu sagen. Schubert ist vor 61 Jahren in Anklam geboren, er war mehr als zehn Jahre der Abgeordnete dieser Stadt. Das ist er jetzt nicht mehr, er hat nur 23 Prozent der Erststimmen bekommen, und das tut weh, das merkt man Schubert an. Die AfD ist an ihm vorbeigezogen wie an so vielen Orten in Mecklenburg-Vorpommern.

          Politiker werden gewählt und dann nicht mehr gewählt, klar, so ist es in der Demokratie. Aber Schubert wundert sich doch etwas über seine Stadt. Dort, nur ein paar hundert Meter entfernt auf dem Marktplatz, steht an diesem Mittag ein älteres Ehepaar beisammen, der Mann hat die Enkelin auf dem Arm. Alle drei sind in Anklam geboren. Wie sie denn die veränderten politischen Verhältnisse wahrnähmen? „Ich sage gleich, wir haben AfD gewählt“, sagt der Mann, und seine Frau nickt. Warum? Auch wegen der Flüchtlingspolitik der CDU unter Angela Merkel. „Aber“, sagt der Mann und hebt den linken Zeigefinger, „es ging auch um ganz viel anderes.“ Zwei Stichworte fallen dann oft, auch wenn man mit anderen Anklamern in den Tagen nach der Landtagswahl spricht: Erstes Stichwort ist die Kreisgebietsreform.

          Der NPD-Mann als „Kümmerer“

          Anklam war lange Zeit Kreisstadt, das bedeutete einige Arbeitsplätze und ein bisschen Prestige. Dann wurde 2011 der Zuschnitt der Kreise in Mecklenburg-Vorpommern reformiert, es entstand der Kreis Vorpommern-Greifswald, in dem Anklam nun liegt. Die Stadt verlor ihren Status. Man kann gar nicht überschätzen, wie wichtig das für die Leute hier war. Zweites Stichwort: Gerichtsstrukturreform. Anklam hatte mal ein Amtsgericht. Es wurde geschlossen, auch Schubert hat für die Reform gestimmt. Aber er konnte durchsetzen, dass Anklam eine Zweigstelle bekommt. Besser als nichts. Nur war das den Bürgern nicht zu vermitteln. Denn das, was sie schon immer geglaubt haben zu wissen, scheint sich jetzt bewahrheitet zu haben: Mecklenburg-Vorpommern ist abgehängt, Vorpommern vergessen, Anklam ruiniert.

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