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Wahl in Mecklenburg-Vorpommern : Im Zweifel immer dagegen

Für die AfD ist die Wahl im Nordosten richtungsweisend. Sie könnte einen historischen Wahlsieg erringen. Wer sind die Wähler der Partei?

          Er ist extra aus Wismar nach Gägelow herübergekommen, sechs Kilometer. Ein Rentner, zurückgekämmtes Silberhaar, sommerlich schick gekleidet, neugieriger Blick im zufriedenen Gesicht. Bislang habe er in seinem Leben mal die CDU, mal die FDP gewählt, erzählt er. Bei beiden Parteien war er schon zu Veranstaltungen in Wismar, sozusagen zur Vorbereitung seiner Entscheidung bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern am Sonntag. Nun kommt für ihn als neues Angebot die Alternative für Deutschland (AfD) hinzu. In Gägelow hat der Kreisverband Nordwestmecklenburg der AfD zu einem ihrer sogenannten Informationsabende eingeladen, von denen es viele im Wahlkampf gab. An diesem Mittwochabend ist Alexander Gauland aus Brandenburg gekommen.

          Frank Pergande

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          „Mich interessiert, wie weit rechts die AfD steht“, sagt der Senior. Was er meint: Je weiter rechts, desto weniger für ihn wählbar. Es ist seine erste direkte Begegnung mit der AfD überhaupt. Die Partei bekommt immer wieder Probleme, Versammlungsräume zu finden. In Anklam etwa hatte sich die AfD gerichtlich erstreiten müssen, im städtischen „Volkshaus“ ihre Parteivorsitzende Frauke Petry auftreten zu lassen. Der Bürgermeister hatte das mit Sicherheitsbedenken zu verhindern gesucht, die AfD den Bürgermeister als undemokratisch öffentlich kritisiert. In Gägelow ist es ein Hotel am Rande eines Gewerbegebietes. Einer der Tagungsräume steht der Partei zur Verfügung. Der Weg dorthin führt am Abendbrotbüffet für die Busreisenden entlang, die staunen über die vielen Kameras, die an ihnen vorübergetragen werden.

          Gegen den „grenzenlosen Wahnsinn der Politik“

          Eine Stunde vor Beginn wurden alle Laternen der Zufahrtstraße noch schnell mit frischen AfD-Plakaten versehen: „Grenzen sichern, Terror stoppen“ und „Beide Stimmen für die AfD“. Gerade wurde eine Umfrage veröffentlicht, welche die AfD bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern erstmals vor der CDU sieht – mit 23 Prozent. „Im Kanzleramt wackeln die Wände“, frohlockt AfD-Spitzenkandidat Leif-Erik Holm. „Und die SPD schaffen wir auch noch.“ Die liegt nach den letzten Umfragen bei 28 Prozent. Es dauert eine Viertelstunde, bis die Veranstaltung überhaupt beginnen kann. Drei Fernsehteams nehmen den Spitzenkandidaten in Beschlag, sogar eines aus Finnland. Da erreicht Holm mehr als mit seiner Rede. Also übt sich der frühere Radiomoderator in Geduld. Niemanden scheint das zu stören. Nur unser Mann aus Wismar wird unruhig: „Also bei der FDP war nicht so viel los.“

          Das Bild in Gägelow entspricht dem, was man bei der AfD im Wahlkampf immer wieder sehen konnte. Nur etwa 40 Leute sitzen da, ein Versicherungsmakler, der früher Offizier war, ein Galerist, Angestellte, Handwerker, Unternehmer, Arbeiter, vor allem aber Rentner. Einer gehört zur Kirchgemeinde Rehna, einer zum Lions-Club Lübeck. Die beiden Wahlkreiskandidaten aus Wismar und Umgebung stellen sich vor, ein Rechtsanwalt, ein Lehrer. Wenn man überhaupt so etwas wie ein Milieu der Partei ausfindig machen kann, dann ist es der Mittelstand. Und: Die meisten AfD-Anhänger sind Ältere, deutlich mehr Männer als Frauen. Auf der Landesliste der Partei stehen nur zwei Frauen, auf hinteren Plätzen. Unter den 36 Wahlkreiskandidaten sind drei Frauen. Unter den Kandidaten finden sich auch Richter, Polizisten, Ärzte, Hochschulprofessoren.

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