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Wahl in Mecklenburg-Vorpommern : Im Zweifel immer dagegen

Unser Senior aus Wismar scheint der einzige in der Runde zu sein, der die AfD erst einmal kennenlernen will. Alle anderen sind offenbar schon Anhänger. Sie jubeln, wenn es vom Rednerpult herab gegen den „grenzenlosen Wahnsinn der Politik“ geht, gegen „opportunistische Politiker“, gegen SPD-Bundesjustizminister Heiko Maas, gegen Eliten, „die jetzt zum Teufel gejagt werden“, die „Kanzlerdiktatur“ oder wenn Holm SPD übersetzt mit „Selbstbedienungspartei Deutschland“. Sie nicken heftig, wenn die Flüchtlingspolitik gegeißelt wird: „Wir brauchen hier keine jungen muslimischen Männer, aber ihre Heimat braucht sie.“ Und sie empören sich über das, was Holm mit dem ironischen Satz quittiert: „Vielen Dank für die Wahlwerbung.“

Mit der NPD stimmen

Einen Tag zuvor nämlich war in Wismar ein offener Brief von „Bürgerinnen und Bürgern aus der Hansestadt Wismar“ veröffentlicht worden mit der Aufforderung, bei der Landtagswahl „zukunftsorientiert zu wählen und sich klar gegen rechtspopulistische und rechtsradikale Parolen zu positionieren“. Der Brief wurde inzwischen auch auf Großplakaten veröffentlicht, welche wiederum jene Parteien zur Verfügung stellten, die bei der AfD als „Altparteien“ firmieren. Holm dazu: „Sie nennen uns nicht, aber sie meinen uns. Aber sie werden damit nicht durchdringen.“ Die Grünen haben AfD-Plakate teilweise überklebt. Eine SPD-Kandidatin ließ Plakate mit AfD-Logo gestalten mit dem Aufruf, die Stimmzettel zu unterschreiben, um sie so ungültig zu machen.

Holm: „Die AfD hat diesen Wahlkampf fair geführt und wird auch weiter so handeln. Erneut hat sich gezeigt, wer hier die Demokraten und Verfechter des Rechtsstaats sind.“ Und dann, so Holm, hätten die Medien nach einem Zeitungsinterview des Parteivorsitzenden Jörg Meuthen ein Zusammengehen der AfD mit der NPD „herbeiphantasiert“. Aber das sie „eine abgenutzte Keule“. Tatsächlich hatte Meuthen dem „Mannheimer Morgen“ nur wiederholt, was Holm schon vor Monaten immer wieder gesagt hatte: Die AfD würde mit der NPD stimmen, wenn diese einen guten Antrag vorlegte.

Selbstgebautes AfD-Schild mitgebracht

Dann betritt Gauland das Podium und sagt in Anspielung auf die Umfragewerte, eigentlich könne er sich seine Rede sparen, „denn Ihr seid ja viel besser, als ich je war“. Das hindert ihn aber nicht, eine Stunde lang weit auszuholen und auf den preußisch-österreichischen Krieg 1866 und auf 1683 zu kommen, als vor Wien die Türken geschlagen wurden. Gauland nennt die AfD den „Sargnagel für diese verdammte Kanzlerin“. Er nennt sie auch „elende Kanzlerin“. Dem Rentner aus Wismar behagt das nicht. Als Gauland zweifelt, dass Flüchtlinge in Deutschland als Arbeitskräfte gebraucht würden: „Es geht nicht um Arbeitskräfte, sondern um Ausbildung“, da klatscht auch der Wismarer. Dass die deutschen Grenzen dicht gemacht werden sollen – auch das findet seinen Beifall. Als es gegen Europa geht und Gauland meint, Europa tauge nur als gemeinsamer Markt und sei „kein Europa der Flüchtlingsverteilung“, sind unserem Mann Zweifel anzusehen. Aber dass der Islam nicht zu Deutschland gehört, das wiederum ist auch seine Meinung. Als Gauland am Schluss verkündet, „Deutschland gehört den Deutschen und nicht den anderen Völkern der Welt“, ist der Beifall groß. Und auch unser Rentner vermag sich dem Sog des Augenblicks nicht zu entziehen.

Dann wird zur Diskussion aufgerufen. Ein älterer Herr ruft: „Die Altparteien laufen jetzt schon wie aufgescheuchte Hühner herum, ist das nicht zum Lachen?“ Er hat ein selbstgebautes AfD-Schild mitgebracht, obwohl er selbst gar nicht Mitglied der Partei ist. Jemand will wissen, wie der Nachzug syrischer Familien gestoppt werden könne. Aber das weiß auch Gauland nicht. Unser Mann aus Wismar erhebt sich. Er lässt den Tisch mit Wahlwerbung und den Kugelschreibern links liegen. „Doch, war interessant“, sagt er beim Hinausgehen. Ob er nun weiß, wen er wählen wird? Das freilich verrät er nicht.

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