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Wahl in Mecklenburg-Vorpommern : Überrollt von der Walze AfD

Freude bei der AfD: Alexander Gauland, Spitzenkandidat Leif-Erik Holm und Beatrix von Storch am Sonntagabend in Schwerin Bild: AP

Der Erfolg der AfD in der politischen Heimat der CDU-Vorsitzenden und Bundeskanzlerin lässt nicht nur die Union ratlos zurück. Dass die SPD mit Erwin Sellering weiterregieren kann, wird zur Randnotiz.

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          Die Alternative für Deutschland (AfD) hat für den Abend der Landtagswahl das Schweriner Restaurant „Schlossbucht 19“ gebucht. Eine Ortswahl mit Symbolwert. Von dort aus geht der Blick über den Schweriner See hinüber zum Schweriner Schloss, dem Landtagssitz. In aller Pracht liegt das Schloss da, noch dazu im Abendlicht, was wiederum auch als Symbol gelten kann: Was bisher, über mehr als zwei Jahrzehnte hinweg, im Landtag galt, gilt nach dem Sieg der AfD nicht mehr, auch wenn sie nicht stärkste Kraft geworden ist. Der Schweriner Landtag ist für die AfD das neunte eroberte Landesparlament, das Schloss wie eine Trophäe.

          Mona Jaeger

          Redakteurin in der Politik.

          Frank Pergande

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Die Stimmung in der „Schlossbucht 19“ ist entsprechend laut und großartig. Und der Spitzenkandidat der Partei, Leif-Erik Holm, ist der Held. „Für unsere Demokratie ist das ein phantastisches Signal!“, ruft er. Von frischem Wind, mehr Demokratie und einer neuen Kraft für die Bürger ist die Rede. Der Saal tobt. Das Schloss indes liegt gelassen wie seit Jahrhunderten da. Dabei wird durch den Sieg der AfD, die wie eine Walze über die politische Landschaft in Mecklenburg-Vorpommern hinwegrollte, alles anders im Landtag.

          Plötzlich ist es sogar von Symbolkraft, dass der neue Landtag zunächst nicht im Schloss selbst zusammenkommen wird, sondern im Theater. Es handelt sich dabei um eine Übergangslösung, weil der Landtag gerade einen neuen Plenarsaal erhält – eine außerordentlich komplizierte Baustelle, sozusagen ähnlich kompliziert wie jetzt auch die politischen Verhältnisse in Schwerin. In dem neuen Saal wird dann in jeder Hinsicht alles anders sein als im alten, der mehr einem Klassenraum glich als einem Plenarsaal und in dem es auch immer ein bisschen wie in der Schule zuging – wenig Streit, viel Belehrung. Die AfD, erstmals angetreten, wird im neuen Saal die größte Oppositionspartei sein und das die anderen auch spüren lassen. Holm ist der neue Oppositionsführer.

          Eine ungefähre Ahnung von dem, was das bedeutet, lässt sich an seiner Wortwahl erkennen. Die bisherigen politischen Kräfte gelten ihm als Altparteien, ihre Vertreter findet er opportunistisch und verlogen. Die bisherige Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider (SPD) ist ihm ein besonderer Dorn im Auge, seit sie via Facebook davon berichtet hatte, auf einen Gastwirt eingewirkt zu haben, er möge seine Räume nicht der AfD zur Verfügung stellen. „Ich freue mich diebisch auf die langen Gesichter der Altparteien“, hatte Holm im Wahlkampf immer wieder gesagt. Diese Freude kann er nun auskosten. Und er kann sich darauf verlassen, dass auch bei allen anderen Parteien an diesem historischen Wahlabend von nichts anderem mehr die Rede ist als von ihm und seiner Partei. Die AfD ist eben nicht nur aus dem Nichts zweitstärkste Partei im neuen Landtag geworden. Sie lässt auch noch die CDU hinter sich, die Partei der Kanzlerin, die noch dazu im Landesverband Mecklenburg-Vorpommern ihre politische Heimat und in Vorpommern ihren Bundestagswahlkreis hat.

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