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Wahl in Mecklenburg-Vorpommern : Überrollt von der Walze AfD

Der unbemerkte Verlierer ist die FDP

Was wird mit dem Parteivorsitz, den Caffier seit 2009 innehat und der ihm kein Glück gebracht hat? Und was sagt die Kanzlerin dazu? Gedemütigt hat die AfD schließlich auch die Linkspartei. Zwar zog die Linkspartei sogar mit einem „Show“-Truck durch den Wahlkampf. Aber dennoch blieb der Wahlkampf matt, ängstlich geradezu, wie das Kaninchen vor der Schlange. Die Linkspartei hat Protestwähler an die AfD verloren. Auch bei den vergangenen Landtagswahlen ist ihr das schon passiert. Die Partei grübelt seit geraumer Zeit, wie sie das verhindern kann. In Mecklenburg-Vorpommern ist es jetzt wieder geschehen. Von einem Machtanspruch ist die Linkspartei weiter entfernt denn je. In Mecklenburg-Vorpommern immerhin hat sie auch mal mitregiert, von 1998 bis 2006. Langsam verblasst die Erinnerung. Helmut Holter, der Spitzenkandidat, der nun wie schon 2011 gescheitert ist, war damals Minister. Er wurde sogar mal als erster linker Ministerpräsident gehandelt, nun muss er zusehen, wie die AfD mit großen Schritten an der Linkspartei vorbeizieht. Holter muss froh sein, wenn ihm noch der Vorsitz einer dezimierten Fraktion bleibt.

Geschlagen: CDU-Spitzenkandidat Lorenz Caffier

Die Einzigen, die sich am Wahlabend direkt im Schloss treffen, in der Orangerie, sind die unbemerkten Verlierer: die FDP. Die Orangerie ist ein lauschiger, aber auch versteckter Ort, das passt. Abermals verfehlt die Partei den Wiedereinzug in den Landtag – trotz eines engagierten und witzigen Wahlkampfes, der übrigens auch die AfD frontal anging. Aber die liberale Basis ist klein in Mecklenburg-Vorpommern, was direkt mit der Wirtschaftskraft des Landes zu tun hat. So funktioniert nicht, was in Hamburg und Bremen erfolgreich war – mit einer jungen Frau an der Spitze zu gewinnen. Auch der Charme und die Jugend von Cécile Bonnet-Weidhofer, ihr französischer Akzent – sie ist Französin und hat die doppelte Staatsbürgerschaft – ändern nichts an der Lage der FDP. Auch über die kleine FDP im Nordosten ist letztlich der Plattmacher AfD-Populismus hinweggegangen.

Auch die Grünen sind raus

Am weitesten entfernt vom Schloss sind an diesem Abend die Grünen – in einem alten Speicher, der heute soziokulturelles Zentrum genannt wird und als solches gerade seit 20 Jahren besteht. Die Grünen sitzen seit 2011 im Landtag, unter dem Eindruck der Fukushima-Katastrophe. Im Wahlkampf fiel die Partei eigentlich nur dadurch auf, dass sie sich mit ihren Anti-AfD-Aktionen lächerlich machte. Die Verwendung der Internetadresse „alternative-fuer.de“ wurde gerichtlich verboten. Ihre Aktion, AfD-Plakate mit einem Aufkleber zu versehen, man solle doch grün wählen, kam nicht gut an. Sie gab vielmehr der AfD Gelegenheit, ihre Fairness im Wahlkampf zu betonen und den Wahlkampf der „Altparteien“ zu kritisieren. Die Basis der Grünen in Mecklenburg-Vorpommern ist ähnlich klein wie die der FDP. Von den Grünen wurde im Wahlkampf eigentlich nur gesprochen, wenn über Dreierkoalitionen spekuliert wurde – nach den Erfahrungen von Sachsen-Anhalt. Bei den Grünen hieß es, pausenlos werde auch in der Partei darüber nachgedacht. Die Wähler aber ließen sie das nicht spüren. Die Grünen in Mecklenburg-Vorpommern sind zwar natürliche Verbündete, wenn es gegen Massentierhaltung geht, aber schon im Umgang mit der umstrittenen Windkraft fehlt der Partei die klare Position. Und schon gar nicht repräsentiert sie ein Lebensgefühl wie etwa in Berlin und Hamburg. Nun werden die Grünen nicht gebraucht, und man wird wie in den vergangenen fünf Jahren auch künftig nicht viel von ihnen hören.

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