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Auf Wahlkampftour : Wie die AfD zur stärksten Kraft in Schwerin werden will

  • -Aktualisiert am

Dem Spitzenkandidat Leif-Erik Holm stehe in der AfD eine große Karriere bevor. Bild: F.A.Z,

Die AfD wird in Mecklenburg-Vorpommern in den Landtag einziehen. Aber ihr Spitzenkandidat hat schon ein neues Ziel: Seine Partei soll aus dem Stand stärkste Kraft werden – und die Chancen stehen nicht schlecht.

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          Der Spitzenkandidat der AfD in Mecklenburg-Vorpommern hat schon gewonnen, bevor die Landtagswahl überhaupt war. Denn ihm gelingt etwas, das anderen in seiner Partei misslingt. Zum Beispiel am vergangenen Mittwoch wieder. Der Kandidat Leif-Erik Holm gastiert in Rostock, im großen Saal der „Ostsee-Zeitung“.

          Die hat die Spitzenkandidaten von sieben Parteien eingeladen, Ministerpräsident Sellering inklusive, und die Bürger von Rostock. Eintritt frei. Bevor es losgeht, stellen sich die Kandidaten auf der Bühne für ein Gruppenfoto auf, in der Mitte der Chefredakteur der Zeitung, er wird moderieren. Schulter an Schulter mit ihm, lächelnd wie er: AfD-Kandidat Holm. Weiter außen, Richtung Bildrand: der Ministerpräsident.

          Das habe gar nichts zu bedeuten, sagt der Chefredakteur, darauf angesprochen, nach der Diskussionsrunde. Es habe sich halt so ergeben. So ergeben habe sich außerdem, dass in dem Videofilm, der zu Beginn des Abends alle Kandidaten vorstellt, die abschließende Fotocollage wiederum den AfD-Mann in der Mitte der Kandidaten zeigt.

          Das etwas andere AfD-Mitglied: leiser ist als Höcke, vorsichtiger als Gauland, verträglicher als Petry, entspannter als Meuthen.

          Der verträgliche und entspannte Spitzenkandidat der AfD

          Und das ist es eben, was Holm so gut gelingt: Er stört nicht. Holm hat früher Morgensendungen im Privatradio moderiert, und in seiner Art entspricht er immer noch einer dieser freundlichen Stimmen, die darauf trainiert sind, nicht zu stören – nicht übermäßig aufgedreht, eher konsequent zu allem die richtige Menge Senf dazugebend. Noch acht Stunden bis Wochenende, habt ihr auch so wenig geschlafen, oh man, lasst euch vom Stau nicht ärgern.

          Leif-Erik Holm wird nach der Wahl am 4. September im Schweriner Landtag sitzen. Die jüngste Umfrage sagt der AfD neunzehn Prozent voraus, CDU und SPD vier, fünf Punkte mehr. Bei den letzten Wahlen übertraf das Ergebnis der AfD allerdings regelmäßig die Prognosen.

          In Mecklenburg-Vorpommern könnte sie aus dem Stand stärkste Kraft werden. Sie hat dort null Ortsverbände, 490 Mitglieder und Leif-Erik Holm, den Netten, der leiser ist als Höcke, vorsichtiger als Gauland, verträglicher als Petry, entspannter als Meuthen. Was will er? Holm hat darüber diese Woche Auskunft gegeben.

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          „Wir von der AfD sind ja Familienpartei“

          Am Mittwoch in Rostock spricht er routiniert handelsübliche AfD-Sätze ins Mikrofon. „Leute aus sicheren Drittländern haben kein Asylrecht.“ – „Wir von der AfD sind ja Familienpartei.“ – „In der AfD gibt es keine Rassisten und Fremdenfeinde.“ Wenn die anderen reden, lässt Holm sie ausreden, manchmal schaut er dann in die Ferne.

          Gelegentlich schiebt er das Kinn so nach oben, dass die Mundwinkel nach unten ausweichen: bedauernder Ausdruck eines Fußballtrainers, dessen Spieler mal wieder übers Tor geschossen hat statt hinein. Holm, Typ Hansi Flick, tritt im Vorstellungsvideo mit Dreitagebart und Kapuzenpulli auf, nachdenklich auf einem Bootssteg, im Garten mit dem dreijährigen Sohn. Im sachlichen Bühnenlicht trägt er Jeans, Jackett, Hemd, keine Krawatte, Dresscode Casual.

          Der Abend verläuft weitgehend ohne Zwischenfälle. Bloß als Holm, der im landespolitischen Thema Theaterreform nicht so drin ist, dazu sicherheitshalber sagt: „Ja zum Sparen – aber möglichst nicht auf Kosten dessen, was herauskommt“, da ruft eine Frau, die aussieht wie eine Theatergängerin: „Selten so dummes Zeug gehört wie eben von Ihnen.“ Gejohle und Applaus im Saal.

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