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Auf Wahlkampftour : Wie die AfD zur stärksten Kraft in Schwerin werden will

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Im Auto präzisiert Holm: „Man muss mal über diesen IS-Terror reden. Der ist ja doch, also dieses Gedankengut ist ja schon verbreiteter unter den Muslimen, als man das wahrhaben will.“ Das Gedankengut des Islamischen Staates? „Dieses fundamentalistische Gedankengut und auch dieses kriegerische Gedankengut: Wir müssen jetzt mit Gewalt sozusagen den Islam verbreiten. Das ist ja IS. Das ist eben doch verbreiteter, als man denkt.“

Holm stehe große Karriere in der AfD bevor

Holm sagt, er habe eine Studie gelesen, die „wirklich erstaunlich und auch beängstigend“ gewesen sei: Sie komme zu dem Ergebnis, „dass über die Hälfte der Muslime in Europa einer fundamentalistischen Glaubensrichtung anhängt, die Scharia höher hängt als das staatliche Recht bei uns“. Aber die allermeisten Muslime halten sich doch an unsere Gesetze? „Es ist ja immer noch ein Schritt vom gedanklichen Leben zum Handeln.“ So geht die Fahrt dahin.

„Man muss über den IS-Terror reden.“

Nahe Heinrichsruh kündigt ein Großplakat Holms Auftritt im Gemeindesaal an. Überraschende Besuche scheint man in der Gegend nicht zu schätzen, wie ein Schild an einem Gartenzaun nahelegt: „Ich bin ein Hund! Hier ist mein Haus, meine Familie, mein Garten! Wenn jemand kommt der nicht eingeladen ist – werde ich richtig sauer!“ Zu Holms Auftritt kommen neun Männer.

Einige sind AfD-Mitglieder, so auch Direktkandidat Strohschein, der Holm zur Begrüßung seinen neuen Handzettel präsentiert. Holm staunt und lobt und lächelt anerkennend; die Basis lächelt stolz zurück. Kaum steht Holm drei Meter entfernt, verleiht der Layouter des Handzettels, einfaches Mitglied, seinem Wunsch Ausdruck, Holm möge in der AfD noch groß Karriere machen.

„Wir sind heute innerlich kaputter als nach dem Zweiten Weltkrieg“

Nicht bloß im Bundesland, sondern ganz oben. Im Auto hatte Holm gesagt, das schließe er nicht aus, da die großen Themen ihn nun mal sehr beschäftigten. Jetzt erstmal Opposition in Schwerin, irgendwann – wer weiß.

Im Gemeindesaal sitzen auch zwei junge Männer, die in der Diskussion – große Themen: was in der DDR besser war und inwieweit der Westen gegen Russland intrigiert – gar nichts sagen. Als später die Alten noch zusammen stehen, gehen sie schon. AfD-Direktkandidat Strohschein kennt die beiden nicht: „Aber den einen, mit den Tätowierungen, würde ich als NPD einschätzen.“

Die NPD steht in der jüngsten Umfrage bei drei Prozent. Strohschein wägt ab: Einerseits wolle er als Patriot mit den Nationalisten nichts zu tun haben. Andererseits könne der Bundeskanzlerin gar nicht deutlich genug gemacht werden, wie falsch ihr Kurs sei, und zwei rechte Parteien im Parlament zeigten das deutlicher als nur eine.

Fazit Strohschein: „Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust.“ Holm übernachtet an diesem Abend bei einem Parteifreund; am nächsten Tag tritt er gar nicht weit von hier, in Neubrandenburg, zusammen mit Björn Höcke auf.

Am Freitag ist Holm frühzeitig auf dem Marktplatz, die Schweizer „Weltwoche“ will Porträtfotos machen; am Mittwoch hatte sich ihm schon eine Reporterin von der „New York Times“ vorgestellt. Holm hatte sich höflich ebenfalls vorgestellt, aber die Frau wusste längst, wer er ist.

Nun ballert Höckes Stimme über den Platz: „Wir sind heute innerlich kaputter als nach dem Zweiten Weltkrieg“, „asylpolitischer Amoklauf der Kanzler-Diktatorin“ und so weiter. Danach ist Holm dran. Man sieht ihn noch gar nicht, da kommt schon seine Stimme vom Band; die Tonspur des Wahlwerbespots.

Ein Parteifreund moderiert Holm an: „Sie werden ihn an seiner sympathischen Stimme erkannt haben.“ Unter freundlichem Applaus zeigt sich sodann der Spitzenkandidat leibhaftig.

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