https://www.faz.net/-gpf-8kkf2

Merkel in Mecklenburg : Blumen und Wurstkorb voran

  • -Aktualisiert am

Viele Entscheidungen stehen an; schon in den nächsten Tagen die zur umstrittenen Reform der Erbschaftsteuer. Aber eben auch die, ob die Kanzlerin abermals zur Bundestagswahl im nächsten Jahr antritt. Eine Antwort darauf gibt es in Neustrelitz natürlich nicht. Aber wie Merkel über künftige Pläne einer künftigen Koalition spricht – etwa die aus ihrer Sicht notwendige Erhöhung der Leistungen für Forschung und Entwicklung oder die Neuregelungen im Finanzausgleich zwischen Bund und Ländern mit der Idee für eine eigene Gesellschaft zur Infrastrukturentwicklung –, dann klingt das so, als wolle sie sich selbst darum kümmern.

In Zinzow diskutiert die Kanzlerin auch landwirtschaftliche Themen

Noch am nächsten Tag ist der Kanzlerinnenbesuch Thema in Neustrelitz. Nicht ein Wort der Kritik gibt es. Außer vielleicht, dass sie derart schnell wieder fort gewesen sei. Und dass sie das von einem Neustrelitzer Gastronomen mit Wildwürstchen angerichtete Buffet nicht einmal gekostet habe. Merkel, Caffier, Kokert – am nächsten Abend sitzt das Trio wieder da, bereichert diesmal durch Marco Gemballa, einen Landwirt, der Gastgeber einer Gesprächsrunde mit Bauern ist. Seine Agrargenossenschaft liegt in Zinzow im Grenzgebiet zwischen Mecklenburg und Vorpommern: ein großer Hof, zwanzig Beschäftigte, viel hochmoderne, riesige Technik. Letztere steht aufgereiht wie eine Ehrenkompanie und genauso herausgeputzt da, um die Kanzlerin zu empfangen.

Und Merkel zeigt sich tatsächlich beeindruckt, fast auf mädchenhafte Weise. Die Mähdrescher seien doch inzwischen viel breiter, als sie das in ihrer Kindheit gesehen habe, sagt sie. Und die Landwirte sind stolz. Merkel hat in Zinzow nur eine Stunde Zeit. Aber die Themen sind ohnehin klar: der ruinöse Milchpreis, die wegen des Baus von Windkraftanlagen explodierenden Bodenpreise, der Koalitionsstreit über Glyphosat, die Fusion von Tengelmann und Edeka, die nach Meinung der Landwirte die Preise weiter drücken werde, und der viele Käse, den die Käsereien in Altentreptow und Dargun derzeit wegen der Sanktionen nicht nach Russland exportieren dürfen.

Um mit – das Wort muss Merkel, selbst davon erheitert, buchstabieren – neonikotinoiden Insektiziden gebeizten Raps geht es und um die fast apokalyptische Vorstellung, dass Raps wegen eines möglichen Verbots der Beize schon im Herbst nicht mehr angebaut werden könnte. Dann würden die weiten gelben Felder im Frühjahr verschwinden, die so typisch sind für den Nordosten, immerhin auf einem Viertel der Flächen.

Dann meldet sich auch Torsten Ellmann zu Wort, der Vorsitzende des Landesverbandes der Imker, und warnt vor noch mehr Pflanzenschutzmitteln, weil sie den Bienen schadeten, immerhin dem drittwichtigsten Nutztier, für dessen eigentliche Arbeit die Imker keinen Cent sähen: das Bestäuben. An dieser Stelle überrascht die an sich durch nichts zu erschütternde Kanzlerin mit dem Eingeständnis, doch einmal „geschockt“ gewesen zu sein. Das war am Imkerstand beim Tierparkfest in Stralsund, in ihrem Bundestagswahlkreis. Da habe sie gelernt, dass es in Deutschland 550 Bienenarten gebe und dass „die Biene der Indikator dafür sei, was in der Landwirtschaft gehe und was nicht“.

Weitere Themen

Massenproteste in Brasilien Video-Seite öffnen

Bolsonaros Corona-Politik : Massenproteste in Brasilien

Zehntausende haben in Brasilien erneut für die Amtsenthebung und gegen die Corona-Politik des rechtsextremen Präsidenten Jair Bolsonaro demonstriert. Kundgebungen waren in mehr als 400 Städten angekündigt.

Topmeldungen

Afghanistan : Eine Stadt in Angst

Die Taliban stehen vor Kabul. Viele Einwohner der afghanischen Hauptstadt sind verzweifelt und fragen sich, ob sie fliehen sollen. Ein paar junge Frauen wollen kämpfen.

Basketball-Star Luka Dončić : Schaut diesem Jungen zu!

Luka! Die besten Basketballspieler werden beim Vornamen genannt. Der Slowene Dončić will in Tokio den Entertainern der USA die Show stehlen. Denn vielleicht ist seine erste Chance schon die letzte.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.