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Mecklenburg-Vorpommern : Schaut auf dieses Land!

Weites Land: Blick auf die Stralsunder Marienkirche. Bild: Picture-Alliance

Vier Gründe, wieso es am Sonntagabend spannend wird – und warum die Wahl in Mecklenburg-Vorpommern richtungsweisend bis weit über Schwerin hinaus ist.

          5 Min.

          Mecklenburg-Vorpommern ist politisch das vielleicht langweiligste Bundesland. Es gab und gibt keine großen Skandale seit der Wende. Nur das Leid, das schrecklich ist, sich über viele Jahre in der öffentlichen Wahrnehmung aber abgenutzt hat: Armut, Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit abseits der strahlenden Küstenorte – und natürlich die vielen Nazis.

          Timo Steppat

          Redakteur in der Politik.

          Nur zwei Prozent der Wahlberechtigten in Deutschland wählen am Sonntag einen neuen Landtag. Es geht diesmal aber um weit mehr als nur um Landespolitik. Ein paar hunderttausend Menschen haben mit ihrer Entscheidung auch großen Einfluss auf die Bundespolitik. Vier Gründe, warum die Mecklenburg-Vorpommern-Wahl zum ersten Mal wirklich spannend wird.

          1. Blackbox Ostdeutschland: Das Ergebnis ist offen

          Umfrageinstitute haben es nicht leicht. Sie befragen einen Querschnitt der Bevölkerung dazu, was sie wählen will, um herauszufinden, wie die Wahl am Sonntag ausgeht. Sie geben eine Prognose ab. Aktuell lautet die so: Die SPD wird in Mecklenburg-Vorpommern stärkste Kraft, gefolgt von CDU und AfD. Infratest Dimap sieht CDU und AfD gleichauf, bei Insa liegt die AfD vorn. Nur ein Prozent soll beide Parteien trennen. Das ist weniger als die Fehlertoleranz von drei Prozent. Wer von beiden also vorne landet, das ist offen.

          Zuletzt haben sich Institute oft geirrt. Ein bekanntes Beispiel ist die Bundestagswahl 2013. Laut Forsa-Umfrage, veröffentlicht zwei Tage vor der Wahl, war die FDP eindeutig im Parlament, sieben Prozent sollte sie erreichen. Am Ende scheiterten die Liberalen an der Fünf-Prozent-Hürde. Denn Umfragen können das Wahlergebnis, das sie selbst voraussagen, eben auch verfälschen. Die Annahme mancher Wahlforscher lautet: Die FDP-Sympathisanten dachten, sie müssten nicht wählen gehen, weil ihre Partei ja sowieso schon gerettet schien. Ein knapper Rückstand kann für die Mobilisierung einer Partei also durchaus hilfreich sein. Fast ein Fünftel der Deutschen wählt nach Angaben der Wahlforscher heute strategisch.

          In Mecklenburg-Vorpommern sind laut Deutschlandtrend aktuell noch 39 Prozent der Wähler unentschlossen, was sie wählen wollen.

          Die CDU könnte davon profitieren, dass manche sie nicht hinter der AfD sehen wollen und deshalb zur Wahl gehen. Und die Sozialdemokraten könnten wegen ihrer aktuellen Führungsrolle Schaden nehmen. Denn die Aufholjagd, die der SPD in den vergangenen Wochen gelungen ist, dürfte direkt mit den hohen Beliebtheitswerten von SPD-Ministerpräsident Erwin Sellering zusammenhängen. Wenn jetzt viele SPD-Anhänger das Gefühl haben, die Sache sei für Sellering schon gelaufen und deshalb nicht mehr zur Urne gehen, könnte es die SPD am Wahlabend womöglich noch unangenehm werden.

          Es gibt also eindeutig Effekte, die den Wahlausgang beeinflussen könnten – aber in welche Richtung sie gehen, das lässt sich nur vermuten. In Ostdeutschland sind Umfragen generell etwas weniger aussagekräftig als im Rest des Landes. Die Demoskopen haben weniger Erfahrung als im Westen, das ist das eine. Die Menschen in den neuen Bundesländern verfügen allerdings auch über eine noch geringere Parteienbindung. Ein deutlich geringerer Anteil als etwa in Hessen oder Bayern gehört zur Stammwählerschaft.

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