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Landtagswahlen : Halb Wahlkampf, halb Urlaub

Helmut Holter, Spitzenkandidat der Linken, beim Landesparteitag am 21. Mai in Schwerin. Bild: dpa

Linkspartei, Grüne und FDP in Mecklenburg-Vorpommern würden nach der Landtagswahl gerne Koalitionspartner werden. Helmut Holter, Spitzenkandidat der Linken, geht in Schwerin auf Stimmenfang.

          Helmut Holter macht Wahlkampf vor dem Supermarkt. Oder wie die Leute in Schwerin sagen: vor der Kaufhalle. Die Kaufhalle steht im Stadtteil Krebsförden, gleich dahinter erstreckt sich eines der Plattenbaugebiete aus der DDR-Zeit. Holter wird von den Leuten erkannt. Mit einem Mann, der eben seinen Einkaufswagen zurück bringt, kommt er ins Gespräch. Es wirkt wie bestellt. Wegen der Arbeit seien er und seine Frau nach Hamburg gegangen, erzählt der Mann. Erst gependelt, dann hingezogen. Nach vierzehn Jahren kehrten sie, nun im Ruhestand, zurück. Und wie froh sie darüber seien. Der Mann könnte sich wohl vorstellen, Holter und dessen Partei, die Linkspartei, zu wählen. „Aber leider bin ich erst ab Oktober hier wieder gemeldet.“ Die Landtagswahl ist aber am 4. September. Der Mann wünscht Holter Glück.

          Frank Pergande

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Überhaupt sind die Leute vor der Kaufhalle freundlich zu Holter. Sie kennen ihn. Sie nehmen gern seine roten Wahltütchen mit Programm und Kugelschreiber und für die Kinder kleine Plüschtiere. Holter wirbt für sich gleich doppelt. Er ist hier der Direktkandidat und er ist Spitzenkandidat seiner Partei für die Landtagswahl. Ihm ist anzusehen, dass der zugige Parkplatz nicht der Ort ist, wo er zu Hochform aufläuft. 63 Jahre alt ist er inzwischen, es wird wohl sein letzter Landtagswahlkampf sein.

          Seit 1994 sitzt er im Schweriner Schloss. Er gehörte noch zu denen, die sich in der DDR anschickten, die große SED-Funktionärskarriere zu machen. Er hielt der Partei auch nach dem Untergang die Treue, war Landesvorsitzender in Mecklenburg-Vorpommern, Minister für Bau und Arbeit in der ersten rot-roten Koalition in einem Bundesland, Fraktionsvorsitzender im Landtag und 2011 schon einmal Spitzenkandidat. Damals gab es sogar einen Moment, da galt Holter als der künftige Ministerpräsident, er wäre der erste der Linkspartei gewesen. Aber der Ruhm ging dann an Bodo Ramelow in Thüringen. Die Linkspartei steht in den Umfragen relativ stabil bei 17 Prozent. Sie mag ein paar Protestwähler an die AfD verlieren.

          Linksbündnis aus SPD, Linkspartei und Grünen?

          Dennoch kann Holter für seine Partei gelassen dem Wahltag entgegenblicken. Seine innerparteilichen Gegner haben lange schon aufgegeben. Bei der SPD und ein wenig auch in der CDU wird er als pragmatischer Politiker geschätzt. Dass die Linkspartei auch in die Regierung eintreten könnte, wer sollte es noch bezweifeln – außer vielleicht ein paar Genossen aus den eigenen Reihen. Wird die Linkspartei tatsächlich nach der Wahl gefragt, dürften allerdings turbulente Wochen beginnen. Denn dann könnte es sich nur um ein Linksbündnis aus SPD, Linkspartei und Grünen handeln als Antwort darauf, dass einerseits die AfD mit einer großen Fraktion in den Landtag einzieht, andererseits die CDU stärkste Kraft wird und die SPD nicht Juniorpartner sein will. An Holter würde es nicht scheitern. Seine Partei ist einer der Joker für künftige Schweriner Koalitionen.

          Der zweite sind die Grünen. Sie sitzen erst seit 2011 im Landtag, fielen dort nicht weiter auf und machen derzeit einen Wahlkampf, bei dem nichts darauf hindeutet, dass da eine mögliche künftige Regierungspartei ihre Seriosität zu beweisen sucht. Derzeit tourt Spitzenkandidatin Silke Gajek mit einem Hausboot durch die Mecklenburgische Seenplatte, halb Wahlkampf, halb Urlaub. 54 Jahre ist sie alt. Auf den Plakaten sieht sie – vermutlich unbeabsichtigt – dank Photoshop aus wie einer der „Engel für Charlie“.

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