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Die Grünen in Hessen : Auf dem Humus der Gesellschaft

  • -Aktualisiert am

Im Eltern-Café in der Kreisgeschäftsstelle: Spitzenkandidat der Grünen Tarek Al-Wazir. Bild: Frank Röth

Warum die hessischen Grünen immer beliebter werden – obwohl sie in der Landesregierung für Aufregerthemen wie Fluglärm und hohe Mieten zuständig sind.

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          Kürzlich kam Hessens Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir nach Egelsbach, das ist eine kleine Gemeinde südlich von Frankfurt, um den Spatenstich für eine Radschnellverbindung zu feiern. Auf der Strecke sollen Fahrradfahrer von Frankfurt nach Darmstadt radeln können. Der Grünen-Politiker nannte das Projekt einen Meilenstein der Verkehrswende. Derlei Verbindungen, von denen es in Hessen bald mehrere geben solle, schonten das Klima und verbesserten die Luftqualität. Die Strecke ist allerdings erst 2022 fertig. Und mit der Luftqualität hat Frankfurt heute schon ein massives Problem, die Stickoxidwerte sind zu hoch. Das Wiesbadener Verwaltungsgericht verdonnerte das Land kürzlich zu einem großflächigen Diesel-Fahrverbot ab Februar nächsten Jahres. Die Landesregierung versucht nun, das zu verhindern – mit ungewissen Aussichten auf Erfolg. Was davon in Erinnerung blieb: Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) konnte sich in Berlin nicht durchsetzen. Dass die Grünen den Verkehrsminister stellen und juristisch gegen ein Urteil vorgehen, das Fahrverbote „alternativlos“ aufgrund der „erheblichen Gesundheitsgefahren“ durch die Luftverschmutzung nennt – geschenkt.

          Julian Staib

          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          Seitdem die Grünen mit der CDU in Hessen koalieren, kennen ihre Beliebtheitswerte nur eine Richtung: nach oben. Al-Wazir ist mit einigem Abstand der beliebteste Landespolitiker, auch von CDU-Wählern erfährt er enormen Zuspruch. In Hessen sind die Menschen zu 55 Prozent mit der Regierungsarbeit der Grünen zufrieden, bei der CDU sind es 42. In die Koalition gingen CDU und Grüne mit einem Wahlergebnis von 38,3 beziehungsweise 11,1 Prozent – fünf Jahre später liegen sie bei 26 beziehungsweise 22 Prozent. Rund eine Woche vor der Landtagswahl wäre Schwarz-Grün damit abgewählt, auch eine große Koalition erhielte keine Mehrheit – dafür allerlei grünmitregiert, oder sogar von den Grünen angeführte Bündnisse. Bleibt die Tendenz so, wären die Grünen auf jeden Fall wieder in der Regierung. Eventuell sogar mit einem Ministerpräsidenten Al-Wazir. In Baden-Württemberg wurde Winfried Kretschmann ja auch mit nur 24 Prozent Ministerpräsident. Erst bei seiner Wiederwahl holte er dann 30.

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