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Grüne als zweitstärkste Kraft : Al-Wazir als Bouffiers Nachfolger?

Machtwechsel in Hessen? Das Amt des Ministerpräsidenten könnte für Al-Wazir in greifbarer Nähe sein. Bild: dpa

Die Umfragewerte kurz vor der Wahl in Hessen kündigen eine politische Sensation an. Denn wo die CDU in den Prognosen an Stimmen verliert, könnten die Grünen am Ende triumphieren.

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          Für die hessischen Grünen ist nun sogar das Amt des Ministerpräsidenten in Reichweite. Das legt das Ergebnis einer Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des ZDF nahe. Demnach kämen die Grünen bei der Wahl am 28. Oktober auf 22 Prozent. Sie wären damit hinter der CDU (26 Prozent) zweitstärkste Kraft. Gemeinsam mit der SPD (20 Prozent) und der Linkspartei (acht Prozent) würde das für eine grün-rot-rote Mehrheit reichen. Ebenfalls möglich wäre eine Ampelkoalition von Grünen, SPD und FDP.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Die Liberalen kommen laut Umfrage derzeit auf acht Prozent der Stimmen. Ministerpräsident würde in beiden Fällen wohl der Grünen-Spitzenkandidat Tarek Al-Wazir, der nach Umfragen der beliebteste hessische Landespolitiker ist. Al-Wazir wollte auf Anfrage das Wort Ministerpräsident für seine Person nicht in den Mund nehmen. „Genau solche Debatten wollen die Leute nicht.“ Es komme auf die Inhalte an.

          In Wiesbaden wird damit gerechnet, dass die Linkspartei für eine grün-rot-rote Koalition zur Verfügung stünde. Spitzenkandidatin Janine Wissler sagte, es werde auf die Inhalte ankommen. Der FDP-Spitzenkandidat René Rock wiederum hat in der Vergangenheit mehrfach signalisiert, einer Ampelkoalition offen gegenüber zu stehen. Allerdings hat Rock, dessen Verhältnis zur CDU und zu Ministerpräsident Volker Bouffier als angespannt galt, zuletzt wieder eine Präferenz für eine Zusammenarbeit die CDU zu erkennen gegeben. Das bekräftigte er noch einmal, zugleich gab er den Anspruch der FDP auf das Wirtschaftsministerium als Bedingung für den Eintritt in eine Koalition auf. Er und die hessische FDP-Generalsekretärin Bettina Stark-Watzinger warnten vor Grün-Rot-Rot.

          Knappe Mehrheit nach Mandaten

          Derzeit regiert in Hessen ein schwarz-grünes Bündnis. Das Umfrageergebnis lässt auch eine Fortsetzung dieses Bündnisses wieder wahrscheinlicher erscheinen. Zwar hat die CDU gegenüber der vorangegangenen Umfrage zwei Prozentpunkte verloren, was aber von dem Zuwachs der Grünen um fünf Prozentpunkte mehr als wettgemacht würde. Zusammen kämen beide Parteien auf 48 Prozent der Stimmen Es ist mithin nicht ausgeschlossen, dass es für eine knappe Mehrheit nach Mandaten reicht.

          Aufgrund der vorangegangenen Umfragen hatte viel darauf hingedeutet, dass Schwarz-Grün um die FDP zu einer Jamaika-Koalition erweitert würde. Auch diese Option steht den betreffenden Parteien nach den aktuellen Umfrageergebnissen weiter offen. Für eine sogenannte große Koalition würde es hingegen zum ersten Mal nicht mehr reichen.

          Keine Reaktion von SPD und CDU

          Die Befragungen fanden vom 15. bis 17. Oktober statt und damit nach der Wahl in Bayern am vergangenen Sonntag. In Wiesbaden wird das Umfrageergebnis so interpretiert, dass die Landtagswahl in Bayern die Trends der vergangenen Monate verstärkt hat. Die Werte für CDU und SPD waren den Sommer über rückläufig, während sich die Werte der Grünen immer weiter verbessert haben. Die AfD käme auf zwölf Prozent und liegt damit unter den zuletzt erreichten Werten.

          Von CDU und SPD waren zunächst keine Reaktionen auf das Umfrageergebnis zu bekommen. In Wiesbaden wird nun mit großer Spannung darauf gewartet, ob der Deutschlandtrend der ARD die Zahlen des Politbarometers bestätigt. Die neuen Zahlen sind für Donnerstag nachmittag angekündigt.

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