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Wahl in Hessen : Es kann nur EINEN geben

Drei- statt Zweikampf: Neben Volker Bouffier (CDU) und Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD) hat auch der Grünen-Spitzenkandidat Tarek Al-Wazir Chancen. Bild: dpa

Wer regiert Hessen nach dem 28. Oktober? Volker Bouffier (CDU) oder Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD), lautete lange die Alternative. Dank sensationeller Umfragewerte für seine Partei hat nun auch Grünen-Spitzenmann Tarek Al-Wazir Chancen.

          Volker Bouffier, CDU: Harter Arbeiter

          Als Volker Bouffier sich in diesem Sommer gemeinsam mit Journalisten auf eine Busreise durch das schöne Hessenland begab, setzte er sich auf den mittleren Platz der letzten Reihe. Von hier aus überblickt man die Lage, und es lässt sich am besten kommunizieren.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Dass der Ministerpräsident sich darauf versteht, zeigte sich beispielsweise im Robotiklabor der Universität Kassel. Es war brütend heiß, als die Reisegruppe dem Fachbereich Maschinenbau einen Besuch abstattete. Die Wissenschaftler erklärten sehr ausführlich, wie die Interaktion von Menschen und Robotern in der Arbeitswelt unter den Vorzeichen zunehmender Digitalisierung aussehen könnte. Doch die komplizierte Materie überforderte manchen Besucher, und die Gruppe musste dringend aufbrechen, um in ihrem Zeitplan nicht noch weiter zurückzufallen. Schließlich regelte Bouffier die Sache. Zunächst fasste er die akademischen Vorträge so zusammen, dass jeder Zuhörer sie tatsächlich verstand. Dann bedankte er sich bei den Gastgebern für die exzellente Präsentation und entschuldigte sich dafür, dass man ihnen den Freitagnachmittag gestohlen habe. Das war das unüberhörbare Signal zum Aufbruch.

          Vom Amt geprägt: Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU)

          Bouffiers Begleiter atmeten auf. Ihnen war demonstriert worden, wie diplomatisch Bouffier seine schwarz-grüne Regierung im Alltagsbetrieb steuert. Das Bündnis funktioniert denn auch besser als erwartet. Der Sechsundsechzigjährige an der Spitze arbeitet härter als alle anderen Beteiligten. Das war früher schon so. Bouffier mischte kräftig mit, als die hessische CDU vor Jahrzehnten daranging, den Sozialdemokraten die Macht in Hessen zu entreißen. Aber daneben baute er sich als Rechtsanwalt und Notar eine eigene berufliche Existenz auf.

          1982 zog er zum ersten Mal in den Landtag ein. Über mehr als ein Jahrzehnt hinweg war er Innenminister im Kabinett seines Vorgängers Roland Koch (CDU). Kein anderer deutscher Ministerpräsident musste so lange auf den Einzug in die Staatskanzlei warten wie Bouffier. Im Unterschied zu der großen Mehrheit der Politiker gehört er inzwischen seit zwei Jahrzehnten einer Regierung an. Dabei wird das rein parteipolitische Denken nach und nach verdrängt durch die von Ideologien freie Suche nach Lösungen und die Bereitschaft zu einem Kompromiss – selbst wenn er darin besteht, mit einer Partei zu koalieren, mit der man sich jahrelang scharfe Gefechte geliefert hat.

          Das Amt prägt den Mann. Was in Washington nicht gilt, ist in Wiesbaden Realität. Bouffier hat sich in seine Aufgaben in der Staatskanzlei tief hineingekniet, vielleicht sogar etwas zu tief. In der vergangenen Woche hätte er in einer Fernsehdiskussion des Hessischen Rundfunks beinahe ausführlich erklärt, wie das Verbandsklagerecht immer wieder wichtige Planungsprozesse verzögert. Neben seinen Regierungsgeschäften musste Bouffier als stellvertretender Bundesvorsitzender der CDU nach den Wahlen in Berlin monatelang über zwei Koalitionsvarianten mitverhandeln. Zeitraubend war auch der von der CSU angezettelte verheerende Asylstreit, der die Union im Sommer fast zerlegt hätte und den demoskopischen Sturzflug von CSU und CDU einleitete. So ergab sich ausgerechnet im Wahljahr eine Konstellation, die Bouffier für seine Aufgabe als Chef der Landespartei nur noch wenig Zeit ließ. Darunter hat die programmatische Aufstellung der CDU offenkundig gelitten. Inhaltliche Unschärfen sind unübersehbar.

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