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Schwarz-Grün in Hessen : Im Baumhaus

Einig über den Frankfurter Flughafen am Freitag, den 13ten: Die hessischen Parteivorsitzenden Volker Bouffier (CDU) und Tarek Al-Wazir (Bündnis 90/Die Grünen) im hessischen Schlangenbad Bild: dpa

Schwarz-Grün in Hessen hat sich über die Zukunft des Frankfurter Flughafens geeinigt. Nun wird es den Grünen vor allem darum gehen, sich von der großen Koalition in Berlin zu distanzieren. Denn dort haben sie eine große Chance vertan.

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          Die Einigung über die Zukunft des Frankfurter Flughafens wird noch für viele platte oder auch nicht so platte Metaphern für einen neuartigen, schwarz-grünen Vogel im Käfig der deutschen Politik herhalten müssen. Die Bilder aus dem Kelsterbacher Wald („Startbahn West“) gehören ebenso zum Gründungsmythos der Grünen wie die aus Brokdorf oder Gorleben; zu den Frankfurter Revoluzzern gar gehörte in den achtziger Jahren nur wirklich, wer dort die Dachpappe auf ein Baumhaus nagelte und mit dem Hammer anschließend auf Polizisten losging.

          Wenn sich nun Grüne und CDU in Hessen darüber einig sind, wie der Fluglärm und der Bau eines dritten Terminals einzudämmen sind, dann geht die Veteranenromantik auch jener Zeit an der Seite der Energiewende in die grüne Walhalla ein.

          Der Einschnitt ist aber schon nicht mehr so groß, wenn man berücksichtigt, dass weder der Kelsterbacher Wald noch irgendein ein anderes ökologisches Gestrüpp den Grünen wirklich am Herzen lag.

          Hier ließ sich nur die Staatsmacht am besten herausfordern, deren Überrumpelung und Eroberung das Ziel war. Manchem, wie Joseph Fischer, gelang das sozusagen in demokratischen Turnschuhen; Führungsleute aus der nachfolgenden Generation wie Tarek Al-Wazir brauchten dafür schon ochsentourige Wanderschuhe.

          Deren Vorteil ist, dass sie nicht in dem Maß mit dem ideologischen Ballast beladen sind wie die Veteranen, die zwar grün taten, aber rot hinter den Ohren waren. Für diese Generation, die kein Brokdorf hat und keine Startbahn mehr und die Dachpappe allenfalls auf ihr Gartenhäuschen nagelt, stellt sich nach dem missratenen Wahlkampf Jürgen Trittins die Frage: Und was erobern wir?

          Hessen wird darauf eine Antwort geben. Es geht vor allem um Finanzen und Bildung. Es geht aber auch um die Distanzierung von der großen Koalition in Berlin. Da kommt aus den Ländern schon die bemerkenswerte grüne Anmerkung, dass die „Rente mit 63“ ein Irrweg sei.

          Darin steckt auch ein Stück Selbstkritik, dass die Grünen im Bund eine Gelegenheit vertan haben, die sich so schnell nicht wieder bieten wird - das Mitgliedervotum der SPD wird daran nichts mehr ändern, erst recht nicht die eintönige Opposition an der Seite der Linkspartei im Bundestag. Es sei denn, die Grünen nähmen doch noch einen Anlauf, um die FDP vergessen zu machen. Aber dazu fehlt ihnen vorerst die Strickleiter ins Baumhaus.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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