https://www.faz.net/-gpf-9fyl0

Hessen-Wahl : Al-Wazir erringt erstes grünes Direktmandat in Offenbach

  • -Aktualisiert am

Tarek Al-Wazir, Hessens Wirtschafts- und Verkehrsminister sowie Spitzenkandidat von Bündnis 90/Die Grünen, verlässt nach der Stimmabgabe sein Wahllokal. Bild: dpa

Grünen-Spitzenkandidat Tarek Al-Wazir hat eines der landesweit ersten Direktmandate seiner Partei gewonnen. Sein Weg in die Politik begann mit Protesten gegen die dritte Startbahn am Frankfurter Flughafen. Ein Porträt.

          2 Min.

          Bei einem Wahlkampfbesuch im Frankfurter Kindermuseum blickte Hessens Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) jüngst auch in die eigene Vergangenheit zurück: „Keine Startbahn West“ stand da auf Plakaten. Auch das Hüttendorf, in dem sich einst die Gegner der dritten Startbahn am Frankfurter Flughafen versammelten, war zu sehen.

          Julian Staib

          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          Die Proteste von 1980/1981 wurden zum Gründungsmythos der hessischen Grünen – und Al-Wazir war schon dabei, obwohl erst zehn Jahre alt. Seine Mutter nahm ihn mit, sein Stiefvater wohnte sogar im Hüttendorf.

          Durch die Ausstellung lief Al-Wazir zusammen mit Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Der Ausstellungstitel „Dagegen! Dafür? Revolution Macht Geschichte!“ konnte nur als Zeichen dafür gelesen werden, welche Geschichte ihre Partei nach der Lesart der beiden schon geschrieben hat. Sie ist im Museum angekommen – und an der Macht.

          Weit über die bisherige Wählerschaft hinausdenken

          Schon vor der Wahl standen die hessischen Grünen als große Sieger da: Ihr bisher bestes Ergebnis waren 13,5 Prozent, nun liegen sie jedoch mit einem Stimmenanteil von fast 20 Prozent deutlich darüber. Und Al-Wazir errang in seiner Heimatstadt eines der fünf landesweit ersten grünen Direktmandate überhaupt. Im Wahlkreis Offenbach-Stadt erhielt er laut vorläufigem amtlichem Endergebnis 27,5 Prozent der Stimmen.

          Ob sein Parteifreund auch Ministerpräsident könne, wurde Kretschmann in Frankfurt vor der Wahl gefragt: „Ja aber hallo“, antwortete der. Al-Wazir sagte dazu lieber nichts.

          Die Frage, ob die Grünen nun eine Volkspartei würden, verneinte er selbstbewusst: Die Volksparteien alten Typs existierten nicht mehr, also könnten die Grünen keine neue Volkspartei werden. Doch böte die Zeit momentan die Chance, „weit über die bisherige Wählerschaft hinauszudenken“.

          Die hessischen Grünen profitierten einerseits vom Bundestrend, von den Wirren der großen Koalition und von ihrem eigenen Abstand zur AfD. Andererseits zahlte sich ihre Regierungsarbeit in Hessen aus. Zur Überraschung vieler koalierten sie mit der CDU sehr einträchtig. Dem Land geht es wirtschaftlich hervorragend, und die Grünen konnten Akzente in der Umwelt- und Verkehrspolitik setzen. Vor allem auf die Flatrate-Tickets im Nahverkehr ist Al-Wazir stolz. Ihm gefielen das Bündnis, dessen Verlässlichkeit und dessen Ruhe.

          Al-Wazir, der mit seinen 47 Jahren schon seit 23 Jahren hauptberuflich in der Politik tätig ist, hat zwar seine Wurzeln in der Umweltbewegung, er steht aber für eine Öffnung der Grünen hin zur Mitte. Er wurde in Offenbach als Sohn eines Jemeniten geboren und verbrachte einen Teil seiner Kindheit im Jemen. Kretschmann wuchs in Kleinstädten südlich der Schwäbischen Alb auf.

          Heute sind sich die beiden ähnlich. Sie sind Realos, die Brücken ins bürgerliche Lager bauen, gerne über das ganz Grundsätzliche sprechen. Das tat Al-Wazir auch bei der Party, die die Grünen in ihrem neuen Selbstbewusstsein bereits vor dem Wahltag abgehalten haben und bei der man Sorge haben musste, dass einige bald abheben würden. Daher mahnte Al-Wazir, dass das viele Vertrauen, das ihnen nun entgegengebracht werde, mit einer großen Verantwortung verbunden sei.

          Weitere Themen

          Mexiko-Mauerbau auf Prüfstand Video-Seite öffnen

          Streit vorprogrammiert : Mexiko-Mauerbau auf Prüfstand

          Die „Washington Post“ hatte am Montag über Beratungen in der amerikanischen Regierung über einen Antrag in Höhe von 7,2 Milliarden Dollar berichtet. Das wäre weit mehr als der Kongress für den Bau der Abgrenzung zugesichert hat und könnte zu einer Auseinandersetzung mit den Demokraten führen.

          Topmeldungen

          Traktoren stehen an diesem Freitag nach einer Sternfahrt auf den Exerzierplatz in Kiel

          Start der Grünen Woche : Aus für die Bullerbü-Landwirtschaft

          Alle müssen satt werden – also Schluss mit romantischen Vorstellungen, warnt Ministerin Julia Klöckner zum Auftakt der Grünen Woche. Angesichts der Bauernproteste ist die Messe so politisch wie selten zuvor.
          Neu errichtete Mehrfamilienhäuser im Europaviertel in Frankfurt: In den meisten Teilen Deutschlands ist das Wohnen zur Miete erschwinglicher geworden.

          Wohnungsmarkt : Mieten wird erschwinglicher

          Die steigenden Mieten belasten viele Deutsche. Dabei sind sie in den meisten Teilen der Bundesrepublik erschwinglicher geworden. Wer profitiert – und wer das Nachsehen hat.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.