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Linkspartei : Es geht auch ohne Lafontaine

In Hessen den Anspruch als bundesweite Konkurrenz zur SPD untermauert: die hessische Spitzenkandidatin der Partei Die Linke, Janine Wissler, die Parteivorsitzenden Katja Kipping und Bernd Riexinger, die hessische Landesvorsitzende Heidemarie Scheuch-Paschkewitz und die stellvertretende Parteivorsitzende Sahra Wagenknecht (von links nach rechts) am Montag im Karl-Liebknecht-Haus in Berlin Bild: dpa

Die Linkspartei ist noch immer tief zwischen Ost-„Pragmatikern“ und West-Fundamentalisten gespalten. Darunter leiden vor allem die ostdeutschen Landesverbände. Dennoch haben sie den Sektierern im Westen eine Lektion erteilt.

          Wichtiger als das mittelprächtige Ergebnis auf Bundesebene ist für die Linkspartei der Wiedereinzug in den Landtag in Hessen. Damit konnte die Partei ihren Anspruch vorerst retten, über die Rolle als Regionalpartei hinausgewachsen und gesamtdeutsche Konkurrenz zur SPD zu sein. Doch auch diese Bundestagswahl zeigte, dass die Linkspartei weiterhin in zwei Realitäten agieren muss, die so schnell nicht verschmelzen können. Die eine ist die ostdeutsche Wirklichkeit, in der die Linkspartei neben der CDU stärkste Partei bleibt und die SPD vielerorts deklassieren kann. Die andere ist die westdeutsche Wirklichkeit, in der die Partei eine marginale und sektiererische Rolle spielt und die ihr deshalb nach wie vor wie ein Klotz am Bein hängt.

          Die personellen und ideologischen Kämpfe, die sich die Partei in den vergangenen Jahren leistete, sind auf diesen Bruch zwischen Ost und West zurückzuführen und werden seit dem Führungswechsel vor mehr als einem Jahr nur notdürftig verdeckt. Bitter muss den ostdeutschen „Pragmatikern“ und Reformkräften bei dieser Wahl aufstoßen, dass besonders der ostdeutsche Teil der Partei darunter leidet – auf hohem Niveau zwar, aber durchweg mit deutlichen Abschlägen auf das Ergebnis von 2009.

          Das ist kein gutes Zeichen für die zahlreichen ostdeutschen Landtagswahlen im nächsten Jahr, in denen es wieder darum geht, ob die Linkspartei an die Welle der rot-roten Regierungen der neunziger Jahre anknüpfen kann. Vorerst muss sich der zukunftsträchtige Ostteil der Partei mit der klammheimlichen Freude – im Falle Gregor Gysis ist sie gar nicht einmal so klammheimlich – darüber begnügen, dem Westteil eine Lektion erteilt zu haben: Es geht auch ohne Oskar Lafontaine!

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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