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Landtagswahl in Hessen : Das grüne Glück

Strahlen wie Honigkuchenpferde: Spitzenkandidaten Priska Hinz und Tarek Al-Wazir sowie Bundesvorsitzende Annalena Baerbock (von links nach rechts) Bild: dpa

Den Grünen spielt nicht nur die Schwäche der klassischen Volksparteien in die Hände. Sie sind zu einem erfolgreichen Gegenentwurf zu einer Politik der Angst und des Ressentiments geworden.

          Noch vor zwei Wochen wurden die Teilnehmer einer repräsentativen Meinungsumfrage vor die Wahl gestellt, ob sie Amtsinhaber Volker Bouffier oder lieber den sozialdemokratischen Oppositionsführer Thorsten Schäfer-Gümbel an der Spitze der künftigen hessischen Landesregierung sähen. Das Votum fiel eindeutig zugunsten des CDU-Politikers aus. Anders wäre das Stimmungsbild ausgefallen, wäre auch nach Tarek Al-Wazir gefragt worden, seit fünf Jahren Bouffiers grüner Stellvertreter. Der entpuppte sich in einer anderen Frage als der mit Abstand beliebteste Spitzenpolitiker in Hessen.

          Der gebürtige Offenbacher, der seines Familiennamens wegen vor rassistischen Anspielungen nicht gefeit war, brachte seit 2013 nicht nur das Kunststück fertig, seine Partei weitgehend geräuschlos an der Seite der CDU in der Regierung zu halten. Neben der persönlichen Bilanz Al-Wazirs kann sich auch die politische sehen lassen. Wenn es in Hessen überhaupt eine Wechselstimmung gab, dann richtete sie sich – im Unterschied etwa zu der Wahl im Mai 2017 in Nordrhein-Westfalen – nicht gegen die Grünen. Denn auch das war lange vor dem Wahltag klar: Anders als vor Jahren in Hamburg würden selbst die Funktionäre einer Neuauflage der Koalition mit der CDU nicht im Wege stehen. Auch das grüne Kernmilieu ist mental wie habituell dort angekommen, wo die Mehrzahl ihrer Wähler die Partei längst verortet: in der linken Mitte der Gesellschaft.

          Dass die Grünen auch in Hessen nicht mit dem Anspruch einer „catch-all“-Partei angetreten sind, war von langer Hand geplant. Einstweilen reicht es ihnen, so stark zu werden, dass kaum gegen sie regiert werden kann. Dabei spielt ihnen nicht nur die Schwäche der klassischen Volksparteien in die Hände. Immer mehr Bürger verlieren auch deswegen ihre Distanz zu den Grünen, weil die Weltläufte dem grünen Drängen auf multiple „Wenden“ recht zu geben scheinen, und man an Geld im Moment mutmaßlich keine Gedanken verschwenden muss. Doch die Grünen sind auch selbst mit der Zeit gegangen: „Des Glückes Unterpfand“ (so das Motto der Sommerreise der Bundesvorsitzenden Baerbock und Habeck) fühlt sich anders an als Dinkel und Dünkel. Mit ihrem „Yes, we can“ sind die Grünen zu einem erfolgreichen Gegenentwurf zu einer Politik der Angst und des Ressentiments geworden.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

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