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Kommentar zur Wahl : Hessen ohne Krampf

Die großen Gewinner der Wahl in Hessen: Die Grünen wollen nun ernten. Bild: Frank Röth

Die Grünen sind die großen Gewinner in Hessen. Es ist der Partei nicht zu verdenken, wenn sie jetzt ihre politische Dividende sehen will.

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          Es war nicht alles Wut in Hessen. Natürlich gab es den flammenden Wunsch „Merkel muss weg“ oder „Jetzt reicht’s mit der Groko“, bei den 13 Prozent AfD-Wählern allemal, aber eben nicht bei allen. Da gibt es die Erzieherin, die das Versprechen der hessischen SPD, Gratis-Kitaplätze für alle einzurichten, zwar für unrealistisch hält, der aber das sozialpolitische Programm der hessischen SPD so zusagte, dass sie SPD wählte. Oder den Lokführer, der findet, dass Hessen wirtschaftlich gut dasteht und der sein Kreuz deshalb bei der CDU machte, obwohl „in Berlin ständig eine neue Sau durchs Dorf getrieben wird“. Schließlich der Rentner, der die Grünen wählte, weil die im Landtag „Umweltthemen eine Plattform geben“.

          Zumindest diese nicht erfundenen Wähler richteten ihre Entscheidungen an der Landespolitik aus, wie laut einer Umfrage überhaupt nur acht Prozent der CDU-Abwanderer „Berlin“ als Grund für ihren Wechsel (mehrheitlich zu den Grünen) angeben. Auch wenn das reichlich tief gegriffen sein mag, sollten sich die großen Verlierer der Hessenwahl, CDU und SPD, nicht einen allzu schlanken Fuß machen, indem sie alles, aber auch wirklich alles auf den vielzitierten „Gegenwind aus Berlin“ schieben. Da gäbe es schon auch hessische Ursachen. Die Bilanz der Landesregierung beim Wohnungsbau ist nicht makellos, und selbst die Hessen, denen das Straßenbau-Prinzip „Sanieren geht vor Neubau“ einleuchtet, wären froh, es würde wenigstens zügig saniert. Bei aller wohltuenden Unaufgeregtheit, mit der Schwarz-Grün regiert, war zudem vor allem bei der CDU nicht zu übersehen, dass Gediegenheit eine Kehrseite haben kann: Langeweile. Und für die hessische SPD traf deren Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel den Nagel auf den Kopf, als er am Wahlabend sagte, der Vertrauensverlust der Sozialdemokratie habe nicht erst gestern begonnen.

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