https://www.faz.net/-gpf-7jyit

Hessen als Modell für den Bund? : Bouffier: Grüne sind „im besten Sinne bürgerlich“

  • Aktualisiert am

Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier glaubt an eine schwarz-grüne Perspektive nicht nur in seinem eigenen Bundesland Bild: Röth, Frank

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier skizziert in der F.A.S. die strategische Dimension eines schwarz-grünen Bündnisses - und ist des Lobes voll: Die Grünen seien eine „sehr effiziente, sehr fleißige Truppe“. Dass sie im Bund nicht zu weiteren Gesprächen mit der Union bereit waren, bedauert Bouffier.

          2 Min.

          Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hat den Grünen in seinem Bundesland „gewaltige Veränderungen“ attestiert. „Die Grünen hatten ja lange Zeit den Eindruck vermittelt, dass ihre Konzepte nicht nur in der Sache besser, sondern auch sonst überlegen seien. Das hat uns mächtig aufgeregt“, sagte Bouffier der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (F.A.S.)

          Spätestens nach der letzten Bundestagswahl wüssten aber auch die Grünen, dass die Menschen es nicht gut fänden, wenn man ihnen zu viel vorschreiben wolle. „Die hessischen Grünen sind eine sehr effiziente, sehr fleißige Truppe, die auch nicht in Flügelkämpfen zerstritten ist, wie man das in anderen Verbänden ja noch immer sehen kann. Das macht sie handlungsfähig und damit auch vertrauenswürdig“, sagte Bouffier anerkennend. CDU und Grüne verhandeln seit einer Woche über eine gemeinsame Koalition im hessischen Landtag. Es wäre das erste Bündnis dieser Art in einem Flächenland.

          „Kein zentralistischer Masterplan“

          Bouffier skizzierte in dem Gespräch zum ersten Mal die grundsätzliche strategische Dimension einer schwarz-grünen Zusammenarbeit. „Sozialdemokraten haben traditionell eine große Gläubigkeit an Planung und Großorganisation, Grüne nicht“, sagte er und erläuterte: „Wir glauben, dass wir die Probleme mit bürgerschaftlichem Engagement und dezentralen Lösungen besser in den Griff bekommen als mit einem zentralistischen Masterplan, der noch so gut ausgedacht sein kann, aber die Verhältnisse am Ort nicht richtig trifft.“

          Als Beispiel einer solchen Lösung nannte Bouffier die Wahlfreiheit der Schulen in Hessen, ob sie in acht oder neun Jahren zum Abitur führen. Diese Entscheidung hatte die bisherige Landesregierung im Einvernehmen mit den Grünen getroffen, als die noch in der Opposition waren.

          Schwarz-Grün steht im Blickpunkt: Volker Bouffier und der grüne Landesvorsitzende  Tarek Al-Wazir
          Schwarz-Grün steht im Blickpunkt: Volker Bouffier und der grüne Landesvorsitzende Tarek Al-Wazir : Bild: Frank Röth

          Bouffier sagte weiter, die Grünen seien „im besten Sinne bürgerlich“, weil sie sich der Nachhaltigkeit und der Schöpfung verpflichtet fühlten. Es müsse die Grundphilosophie der sich anbahnenden Koalition sein, „dass man sich wechselweise etwas gönnt“.

          Er führte aus: „Es muss immer für beide Seiten etwas sein, wo sie sagen können: Weil wir die Verantwortung übernommen haben, haben wir an dieser Stelle einen Erfolg erzielt.“

          Bouffier bedauerte, dass die Grünen im Bund keine Koalitionsverhandlungen mit der CDU aufnehmen wollten. „Ich glaube, sie werden eines Tages dieser Chance noch nachtrauern. Es gibt manchmal ein Fenster, da kann man Entwicklungen anstoßen. Oder man steht unschlüssig davor und traut sich nicht zu sagen: Ja oder Nein“, sagte der hessische CDU-Vorsitzende, der in der Bundespartei einer der Stellvertreter Angela Merkels ist.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Kevin Kühnert spricht beim SPD-Bundesparteitag

          Debatte um Thierse-Gastbeitrag : Worauf will die SPD verzichten?

          Wolfgang Thierses Beitrag in dieser Zeitung ist für Saskia Esken ein Grund, sich zu schämen. Das ist also das vorwärtsgewandte Bild der SPD, das die beiden offenbaren wollten?
          Zwei Über-80-Jährige erhalten ihre erste Corona-Schutzimpfung in Nordwestmecklenburg

          Schutz besser verteilen : Unsere ungerechte Impftriage

          Zwei Menschen ertrinken, zwei Rettungsringe liegen am Ufer. Soll man beide einer einzigen Person zuwerfen? So sieht die deutsche Impfstrategie aus. Ein Gastbeitrag von vier Ethikern.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.