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Hamburg hat gewählt : Tschentschers Plan ist aufgegangen

Wer hätte es ihnen zugetraut? Peter Tschentscher lässt sich von SPD-Landeschefin Melanie Leonhard (links) und seiner Frau beklatschen. Bild: Daniel Pilar

Hamburg beschert der SPD fast vergessene Glücksgefühle. Der Erste Bürgermeister bleibt im Amt. Er könnte sich sogar den Partner aussuchen. Würde er lieber mit dem Verlierer CDU regieren als mit kraftstrotzenden Grünen?

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          Im Augenblick des großen Triumphes bleibt Peter Tschentscher sich treu. Heißt: Er lässt die Schulter fast ein bisschen hängen, lächelt zwar, aber erst nach ein paar Minuten des Jubels und der „Peter, Peter“-Rufe winkt er ein paar Unterstützern in der ersten Reihe zu. Der Plan ist aufgegangen. Peter Tschentscher mag kein Charismatiker sein, kein glänzender Redner, aber er und seine SPD hatten eine gute Strategie, die sie nun zum Wahlerfolg getragen hat.

          Helene Bubrowski
          Politische Korrespondentin in Berlin.
          Mona Jaeger
          Stellvertretende verantwortliche Redakteurin für Nachrichten und Politik Online.

          Um kurz vor 18 Uhr ist die Markthalle in der Hamburger Innenstadt, wo die SPD ihre Wahlparty feiert, übervoll, die Luft ist stickig, die Laune aber hervorragend, es riecht nach Bier. Die letzten zehn Sekunden bis zur Veröffentlichung der Prognosen werden runtergezählt. Wann hat sich die SPD denn zum letzten Mal auf ein Wahlergebnis gefreut? Es ist sehr, sehr lange her.

          Die SPD liegt laut ersten Zahlen bei knapp 40 Prozent; später am Abend wird sich der Wert in den Hochrechnungen knapp unter 39 Prozent einpendeln. „Wer hätte uns das vor kurzem zugetraut“, fragt Melanie Leonhard, die Landesvorsitzende. Immer wieder schallt „Oh, wie ist das schön“ durch den Saal. Auch wenn sie einige Prozentpunkte verloren hat im Vergleich zur Wahl von vor fünf Jahren – die Partei hat eine erstaunliche Aufholjagd hinter sich.

          Die SPD fühlt sich gerade sehr mächtig. „Im Laufe des Abends wird die Vier noch vorne stehen“, sagt ein Genosse. Seit einer Ewigkeit hat die SPD mal wieder das Gefühl, nicht nur zu reagieren, schlechte und grottenschlechte Ergebnisse kommentieren zu müssen. Nein, in Hamburg hat sie agiert. Sie ist selbst stark.

          Als der Balken bei der AfD zunächst auf nur 4,8 Prozent kommt, ist der Jubel noch einmal deutlich lauter. Am Wochenende war ein Satz in den sozialen Netzwerken kursiert: Ein AfD-Wähler in Hamburg ist ein AfD-Wähler nach Hanau. Der Massenmord in der hessischen Stadt, bei dem ein offensichtlich rassistischer Attentäter am Mittwochabend zehn Menschen und sich selbst tötete, erreichte den Wahlkampf in seiner Hochphase und ließ ihn sogleich leiser werden. Die Abschlusskundgebungen für Samstag wurden abgesagt, stattdessen gab es Gedenkveranstaltungen.

          Hat das Attentat von Hanau die Wähler beeinflusst?

          Gut möglich, dass das Ereignis aus Hessen in Hamburg dazu beigetragen hat, dass die Wahlbeteiligung deutlich gestiegen ist. Die Mobilisierung – die Wahlbeteiligung lag bei mehr als 60 Prozent – hat die AfD wohl geschwächt, auch wenn sie später am Abend mit jeder neuen Hochrechnung mehr Hoffnung schöpfen kann, in der Bürgerschaft vertreten zu bleiben.

          Eine Erscheinung: Olaf Scholz gratuliert Melanie Leonhard.
          Eine Erscheinung: Olaf Scholz gratuliert Melanie Leonhard. : Bild: Daniel Pilar

          Hamburg gibt sich gerne weltoffen, ist es aber auch. Das ist einer der Gründe, warum es der AfD ohnehin nicht ganz leicht fällt, hier Fuß zu fassen. Zum „Tor zur Welt“ passt die fremdenfeindliche Abschottungslogik der AfD nicht – auch wenn die Hamburger AfD zu den gemäßigten Landesverbänden gehört. Trotzdem waren Rechtspopulisten in Hamburg in der Vergangenheit durchaus erfolgreich gewesen.

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