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Wirtschaftspolitiker Ovens : Rein in die Politik und wieder raus

  • -Aktualisiert am

Carsten Ovens, geboren 1981 in Hannover, Schulzeit in Braunschweig, Studium in Hamburg und Sydney, ist Digitalfachmann der Hamburger CDU. Bild: Daniel Pilar

Der Hamburger Wirtschaftspolitiker Carsten Ovens steht vor dem Ende seiner Zeit in der Bürgerschaft der Stadt. Wie läuft ein Leben in der Politik? Und was kommt danach?

          5 Min.

          Ganz nah ist Carsten Ovens hier an der Macht dran. In einem Berliner Bundestagsbüro unterhält er sich mit dem Abgeordneten aus seinem Wahlkreis, der ihn für seinen Fleiß im Jugendverband lobt. Im Jahr 2012 ist Carsten Ovens mit 31 Jahren noch nicht lange Landesvorsitzender der Jungen Union in Hamburg und doch schon voll in seiner Partei verwurzelt. Später geht er weiter in eine Kantine des Berliner Parlamentsbetriebs, isst zu Mittag und unterhält sich über das Leben als junger Politiker in der Partei. Wohin ihn der Weg führt, war vor acht Jahren noch längst nicht ausgemacht. Im politischen Leben ist vieles ungewiss und alles zeitlich begrenzt. Das spüren die 709 Bundestagsabgeordneten genauso wie die vielen Politiker in den Landes- oder Kommunalparlamenten. Carsten Ovens ist einer von Ihnen. Wie verläuft ein Leben in der Politik auch fernab der Regierungsbank?

          I. Hamburger Spitze im Jugendverband

          Jan Hauser

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In der Kantine im Jahr 2012 sagt Ovens: „Die Herangehensweise in der Politik ist immer gleich: Man macht gute Arbeit. Und wenn die Partei davon überzeugt ist, kriegt man vielleicht auch ein Mandat.“ 2008 wurde er in die Bezirksversammlung Eimsbüttel und 2011 zum Landesvorsitzenden der Jungen Union gewählt. Hier ist die Politik für Ovens noch ein Ehrenamt, allerdings mit etwas mehr Aufwand und einem straffen Terminplan. Am Wochenende hat er in Rumänien die Parlamentswahlen angesehen, unter der Woche bespricht er sich an einem Abend mit der Jungen Union, tauscht sich morgens bei einem Frühstück mit dem Wirtschaftsrat aus, fährt zwischendurch nach Berlin und wird Freitagabends wieder im Ortsverband in Hamburg sein.

          Deutschlandtag der Jungen Union: Ovens 2015 mit dem damaligen JU-Vorsitzenden Ziemiak (links), Roboter und Kanzlerin Merkel in Hamburg

          Die Taktung wird in den nächsten Jahren bleiben. Anders ist ein solcher Einsatz in der Politik gar nicht vorstellbar. Besser ist es dann, wenn sich das Berufsleben drumherum arrangieren lässt. Ovens ist von 2012 an Generalsekretär der Stiftung Junge Wirtschaft, kann sich seine Arbeitszeit einteilen, manches macht er abends oder am Wochenende. Er hat Betriebswirtschaftslehre in Hamburg und Sydney studiert und erst für SAP gearbeitet.

          Fast wäre er damals schon ins Hamburger Landesparlament eingezogen. Bei der Wahl 2011 verliert die CDU aber so viele Stimmen, dass es für ihn nicht reicht. So kümmert er sich noch mehr um die Junge Union. Im März 2013 lässt er über die „Soziale Marktwirtschaft 2.0“ diskutieren, moderiert die Runde im Hamburger Ludwig-Erhard-Haus und lädt dazu sowohl Gewerkschaftsvertreter als auch Unternehmer ein. Dass deren Ansichten meist ganz verschieden sind, stört ihn nicht. Im Gegenteil: Für ihn gehört die Bandbreite zur Volkspartei CDU dazu, wie er nach der Debatte sagt. Die soziale Marktwirtschaft kennzeichnet für ihn der Dreiklang aus Freiheit, Leistung und Verantwortung, den Ovens als Wesenskern der CDU sieht.

          Carsten Ovens organisierte im Februar in Hamburg eine Gesprächsrunde zur Krise in Venezuela.

          II. Endlich im Parlament

          Im Jahr 2015 wird Ovens dann doch noch in die Hamburger Bürgerschaft gewählt. In der CDU-Fraktion kümmert er sich als Sprecher um die Wissenschaft und die digitale Wirtschaft. Ovens wirbt für mehr Geld für die Hochschulen und Hilfen für Start-ups in der Hansestadt. Die Parlamentsmehrheit haben jedoch SPD und Grüne als Wahlsieger. Über die mühselige Arbeit in der Opposition, die mancher mal als Mist beschimpfte, mag Ovens nicht meckern. Er versucht, die Regierung auf Trab zu halten, Themen in die Öffentlichkeit zu bringen und dadurch für Bewegung zu sorgen. Er sieht, dass seine Vorschläge zwar erst abgelehnt, aber mitunter nach Jahren von der Regierung wieder aufgegriffen werden. Aber er bemerkt auch, dass Bürger sich dann kaum an die Vorarbeit der Opposition erinnern.

          So erwähnt er, dass die Vorzeichen für den größten Röntgenlaser der Welt, der in Hamburg steht, schon zu Zeiten der CDU-Regierung im Jahr 2006 gestellt wurden. Überhaupt dauert Wissenschaftspolitik lange – für manchen zu lange. „Wenn Sie als Politiker entscheiden können, dass bis Ende des Jahres ein Sportplatz saniert wird oder ob ein wissenschaftliches Institut gegründet wird, das mit Ausschreibungen und Bau in fünf oder zehn Jahren Ergebnisse zeigt, dann denkt Politik in kürzeren Zyklen.“ Hamburg, sagt Ovens, ist als Deutschlands Tor zur Welt, als Hafenstadt zu Wohlstand gekommen. Jetzt will er Hamburg umbauen – zu einem Heimathafen für digitale Innovationen, die kommen nicht nur, aber zu großen Teilen auch aus der Forschung und Wissenschaft.

          Carsten Ovens war von 2008 bis 2015 Mitglied der Bezirksversammlung Eimsbüttel, von 2011 bis 2017 Landesvorsitzender der Jungen Union und von 2015 bis 2020 Abgeordneter in der Hamburger Bürgerschaft.

          Politik macht Ovens theoretisch immer noch nicht in Vollzeit. So war Ovens neben der Politik von 2015 bis 2018 als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Hamburg tätig. Allerdings kommt er mit Fraktionssitzungen, Ausschusssitzungen und Bürgerschaftssitzungen auf 15 bis 20 Stunden in der Woche, daneben Gespräche und Termine im Wahlkreis, was leicht mehr als 30 Stunden umfasst.

          Wie für jeden Parlamentarier lässt sich die Arbeit ohnehin nicht mit der Stechuhr messen. Ovens steckt viel Zeit in das politische Leben, er ist freundlich, verbindlich, oft mit Einstecktuch in der Jacke, und gut vernetzt über Hamburg hinaus. Er ist im CDU-nahen Digitalkreis cnetz aktiv, kennt viele Kollegen aus der Jungen Union und reist oft umher. Er schaute das Fernsehduell im vergangenen Bundestagswahlkampf mit dem CDU-Kollegen Jens Spahn und anderen. Zum Tag der offenen Tür im Kanzleramt lässt er sich mit CSU-Digitalministerin Dorothee Bär fotografieren.

          III. Die Partei stellt ihn nicht mehr auf

          Sein Einsatz hat für Carsten Ovens nach einer Legislaturperiode nicht gereicht. Im Mai vor einem Jahr schreibt die „Bild-Zeitung“: „Hamburgs CDU schrumpft nach der Bezirkswahl weiter, muss dringend moderner werden – doch ausgerechnet jetzt sägt sie ihren wichtigsten Digitalpolitiker ab!“ Das „Hamburger Abendblatt“ titelt: „CDU wirft bekannten Digitalpolitiker von der Bürgerschaftsliste“. Das klingt nach einem Verlust für die Partei. Die Gewinnerin des internen Wettstreits ist die Ortsverbandsvorsitzende, die an seine Stelle rückt und nun im Wahlkreis plakatiert wird. Über die Abläufe will Ovens nicht viel sagen.

          Das Leben in der Politik ist aufreibend, aufwendig und aufregend, aber auch endlich. An einem Mittwoch im Februar 2020 hält Ovens seine letzte Rede in der Bürgerschaft. Das Ende eines politischen Mandats muss hart sein. Es ist eine Niederlage, wie sie zum politischen Geschäft dazugehört. Das erlebt nicht nur Ovens, der das abgehakt haben will. „Politische Mandate werden auf Zeit vergeben. Ich habe noch nie etwas davon gehalten, wenn man an einem Mandat klebt.“

          CDU-Politiker Carsten Ovens verlässt die Hamburger Bürgerschaft.

          Dafür kümmert sich Ovens mehr als bisher um die deutsch-israelischen Verbindungen. Seit einem Jahr ist er Geschäftsführer im Berliner Büro der europäischen Organisation Elnet, dem European Leadership Network, die Verbindungen nach Israel mit Reisen und Konferenzen bauen will. Hiervon ist im übrigens die AfD ausgeschlossen. „Wir ziehen eine klare Linie und kooperieren grundsätzlich nicht mit der AfD“, sagt Ovens. Ab März arbeitet er für Elnet statt in Teilzeit dann in Vollzeit und baut deren Aktivitäten hierzulande aus. Neben der Außen- und Sicherheitspolitik geht es ihm auch um darum, den deutschen Mittelstand mit Start-ups in Israel zu vernetzen. Verstärkt werden soll der Einsatz gegen Antisemitismus. „Wir haben einen wieder zunehmenden Antisemitismus in Europa, Amerika und auch in Deutschland, der aus dem rechtsextremen Milieu kommt.“ In dieser Woche war Ovens mit Bürgermeistern in Israel und hat Vertreter aus Wissenschaft, Verwaltung und Unternehmen getroffen.

          An diesem Sonnabend ist er wie am Wochenende zuvor wieder in Hamburg im Wahlkampf unterwegs, er unterstützt befreundete Politiker. Er bleibt in der CDU und ihr verbunden. Am Sonntag will er zur Wahlparty seiner Partei gehen, auf dem sich andere über den Einzug ins Parlament freuen dürfen und gleichzeitig über den erwarteten Erfolg von SPD und Grünen nach den Umfragen wohl grübeln könnten. Am nächsten Tag stehen für ihn wieder berufliche Termine in Berlin an. Er hat jetzt ein Leben außerhalb der Hamburger Bürgerschaft.

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