https://www.faz.net/-gpf-7zv6s

Reaktionen der Parteien : Jubel hier, Entsetzen da

  • Aktualisiert am

Erleichterung in Berlin: Der FDP-Bundesvorsitzende Christian Lindner am Sonntagabend in der Parteizentrale Bild: dpa

Die Sozialdemokraten in der Hansestadt haben guten Grund zu feiern. „Wir werden niemanden enttäuschen“, verspricht SPD-Spitzenkandidat Scholz. Die FDP ist stolz und erleichtert, die Grünen kündigen harte Verhandlungen an. Die CDU ist angesichts ihrer historischen Niederlage am Boden.

          3 Min.

          Die SPD hatte am Sonntagabend guten Grund zu feiern. Der Wahlsieger Olaf Scholz trat schon um 18.15 Uhr vor seine Anhänger und sagte: „Wir haben gehalten, was wir versprochen haben. Hamburg wird auch in den nächsten fünf Jahren eine gut regierte Stadt sein, eine sozialdemokratisch regierte Stadt. Das ist ein großer Vertrauensbeweis. „Wir werden niemanden enttäuschen und den Auftrag, den wir bekommen haben, umsetzen.“ Weiter kündigte er an, zuerst Gespräche mit den Grünen über ein mögliches Regierungsbündnis zu führen.

          In Feierstimmung: Hamburgs Erster Bürgermeister und Spitzenkandidat der SPD für die Hamburger Bürgerschaftswahl, Olaf Scholz, und seine Frau Britta Ernst
          In Feierstimmung: Hamburgs Erster Bürgermeister und Spitzenkandidat der SPD für die Hamburger Bürgerschaftswahl, Olaf Scholz, und seine Frau Britta Ernst : Bild: dpa

          Der SPD-Bundesvorsitzende Sigmar Gabriel gratulierte dem Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz zum Wahlerfolg und attestierte ihm eine hervorragende Arbeit. „Das ist ein wirklich überragendes Ergebnis. Olaf Scholz hat einen einmaligen Vertrauensbeweis für seine Politik und die SPD bekommen“, sagte Gabriel am Sonntagabend in Berlin. „Manchmal wünschte man sich in der Politik, dass sich Leistung lohnt, und in Hamburg ist das so.“

          FDP stolz und erleichtert

          Der FDP-Bundesvorsitzende Christian Lindner dankte den „Hamburgern, die der Partei der Freiheit wieder eine Chance gegeben haben.“. „Sein „Respekt“ gelte Olaf Scholz, „aber für mich ist Katja Suding die Gewinnerin des Abends“. Die FDP-Spitzenkandidatin Katja Suding dankte ihrer Partei für einen „fulminanten“ Wahlkampf: „Ich bin wirklich stolz auf meine Partei“.

          Historische Niederlage: Der Spitzenkandidat der CDU zur Hamburger Bürgerschaftswahl, Dietrich Wersich, erhält aus Berlin dennoch viel Anerkennung.
          Historische Niederlage: Der Spitzenkandidat der CDU zur Hamburger Bürgerschaftswahl, Dietrich Wersich, erhält aus Berlin dennoch viel Anerkennung. : Bild: dpa

          Der stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Wolfgang Kubicki sprach von „einem Vertrauensbeweis auch für die neue FDP-Bundesführung.“ Zugleich zollte er der SPD Anerkennung für das gute Ergebnis. SPD-Bürgermeister Olaf Scholz müsse jetzt sehen, wie er mit den Grünen zurechtkomme. Die FDP werde sich jedenfalls Koalitionsgesprächen mit der SPD nicht verweigern.

          „CDU vor einem langen Weg“

          CDU-Mitglieder reagierten sprachlos und betroffen auf die historische Wahlniederlage ihrer Partei. Der CDU-Spitzenkandidat Dietrich Wersich, sagte: „Es ist sehr traurig, dass unser Einsatz nicht belohnt worden ist.“ Wersich sieht die Hamburger CDU hat nach ihrer Wahlschlappe vor einem langen und schwierigen Weg vor sich. Er sei „sehr, sehr enttäuscht“ vom Abschneiden seiner Partei, sagte Wersich. Auf die Frage nach persönlichen Konsequenzen erklärte Wersich, über die Zukunft werde in den kommenden Tagen in den Gremien der Partei zu reden sein. „Es ist uns nicht gelungen, eine Machtoption aufzubauen“, sagte Wersich.

          Ziel wohl erreicht: Der Spitzenkandidat der Alternative für Deutschland (AfD) zur Bürgerschaftswahl, Jörn Kruse, kommentiert die ersten Prognosen.
          Ziel wohl erreicht: Der Spitzenkandidat der Alternative für Deutschland (AfD) zur Bürgerschaftswahl, Jörn Kruse, kommentiert die ersten Prognosen. : Bild: dpa

          Der parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Michael Grosse-Brömer, sagte: „Das ist kein schönes Ergebnis. Nun war es aber das Ergebnis einer einzelnen Großstadt – nicht mehr und nicht weniger.“ Der Vorsitzende der Jungen Union, Paul Ziemiak, forderte eine Kurskorrektur der Union. „Das Ergebnis der Hamburg-Wahl ist zwar nicht repräsentativ für ganz Deutschland, sollte aber ein ernstes Warnsignal für die CDU sein“, sagte Ziemiak der Nachrichtenagentur Reuters am Sonntag. „Die Union muss wieder Themen vorgeben und spürbar die führende Kraft in der großen Koalition sein.“

          Grüne kündigen harte Verhandlungen an

          Der Grünen-Bundesvorsitzende Cem Özdemir sagte: „Es scheint eine starke Persönlichkeitswahl gewesen zu sein. Aus seiner Sicht sei es ein bitteres Ergebnis, wenn die AfD tatsächlich in die Bürgerschaft einziehen sollte. Doch solle man Personen und Parteien nicht danach beurteilen, wo sie herkommen, sondern danach, wo sie hin wollten.

          Die Hamburger Grünen haben harte Verhandlungen angekündigt, falls sie in eine Koalitionsregierung mit der SPD eintreten sollten. „Wir sind eine Programmpartei; wir werden hart verhandeln und sind dann zuverlässige Partner“, sagte Jens Kerstan, einer der beiden Grünen-Spitzenkandidaten am Sonntagabend. Die Grünen könnten ihr Wahlziel erreichen, die Alleinregierung der SPD zu beenden. Das Wahlergebnis der SPD sei beeindruckend.

          AfD vorsichtig zufrieden

          Der Hamburger AfD-Spitzenkandidat Jörn Kruse äußerte sich in einer ersten Reaktion mit großer Zufriedenheit über die Wahlergebnisse. „Ich bin froh, dass wir in die Bürgerschaft eingezogen sind“, sagte der AfD-Landesvorsitzende am Sonntagabend auf der Wahlparty im Hamburger Restaurant „Parlament“.

          Erste Prognosen sahen seine Partei bei 5,2 bis 5,5 Prozent, womit der erstmalige Einzug in die Bürgerschaft gelingen würde. Kruse kündigte an: „Wir werden jetzt in den nächsten Ländern auch in die Landtage einziehen, angefangen bei Bremen.“ Auch der stellvertretende Bundesvorsitzende der AfD, Hans-Olaf Henkel, wertete das Ergebnis als Signal für andere Bundesländer. „Wenn wir den Einzug in die Bürgerschaft schaffen, schaffen wir es überall in Deutschland“, sagte der AfD-Europaabgeordnete und ehemalige BDI-Präsident am Sonntag im ZDF. Anhänger der Partei feierten mit „AfD, AfD“-Sprechchören die ersten Prognosen. Kruse dankte den Unterstützern für den „tollen Wahlkampf“, den die Partei trotz Gegenwinds absolviert habe.

          Weitere Themen

          Chilenen schütteln Pinochet-Ära ab Video-Seite öffnen

          Neue Verfassung : Chilenen schütteln Pinochet-Ära ab

          Chiles Verfassung aus der Zeit der Pinochet-Diktatur wird abgeschafft: In einem historischen Referendum haben die Wähler mit großer Mehrheit für eine Verfassungsänderung gestimmt.

          Topmeldungen

          Leergeräumtes Haus der Demokratie: Die Paulskirche vor der Frankfurter Skyline

          Symbolort der Demokratie : Der Paulskirche fehlt die Aura

          Die Gestaltung der Frankfurter Paulskirche ist ein erinnerungspolitisches Desaster. Damit sie als zeitgemäße nationale Gedenkstätte wirken kann, muss die anstehende Sanierung mehr als eine technische Ertüchtigung sein. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.