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FDP nach der Hamburg-Wahl : Ein kleines bisschen Hoffnung

  • -Aktualisiert am

Hamburg war der erste Sieg der FDP seit langer Zeit. Wenn es sehr gut läuft, dann bekommen die Liberalen zumindest einen Gesprächstermin beim alten neuen Bürgermeister Olaf Scholz.

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          Es ist ein Berliner Polit-Ritual: Wenn eine Landtagswahl schlecht ausgeht, so wird in den Parteizentralen in der Bundeshauptstadt darauf verwiesen, dass es sich schließlich um eine Landtagswahl handele. Botschaft: Das hat für die bundesweite Entwicklung nichts zu sagen. Geht die Wahl in einem Land gut aus, wird umgekehrt argumentiert.

          Es war zu erwarten, dass der FDP-Vorsitzende Christian Lindner schon am Sonntag nach Variante zwei vorgeht. Zwar würdigte er die Spitzenkandidatin bei der Hamburg-Wahl, Katja Suding, und dankte den Hamburger Wählern. Aber dann machte er klar, dass sich in Hamburg eine erneuerte FDP zum ersten Mal dem Wähler gestellt habe: Eine FDP, das war damit gemeint, die unter seiner Führung bundesweit neu aufgestellt worden sei, die ihre Fehler aufgearbeitet habe und sich jetzt mit inhaltlichen Vorstellungen - Stichwort: Freie Demokraten - dem Wähler stelle.

          Natürlich ist Hamburg Hamburg, ein Stadtstaat noch dazu, kein Flächenland, schon gar keines derjenigen, in denen die FDP traditionell stark war in den zurückliegenden Jahrzehnten, wie in Baden-Württemberg oder Nordrhein-Westfalen. Ebenso hat die Spitzenkandidatin Suding mit einem extrem auf sie zugeschnittenen Wahlkampf für Aufmerksamkeit gesorgt.

          Aber es ist immerhin der erste Sieg der FDP seit langer Zeit und seit einer Reihe sehr böser Niederlagen. Er fällt zusammen mit einem Rückgang des AfD-Höhenflugs. Die „Alternative für Deutschland“ ist in Hamburg zwar auch über die Fünf-Prozent-Hürde gekommen, aber eher geklettert als gesprungen. Auch wenn die Stimmen nicht in erster Linie zwischen FDP und AfD wanderten, so wird sich doch der ein oder andere Wähler aus dem bürgerlichen Spektrum, der nicht die CDU wählen wollte, zwischen den beiden kleinen Parteien entschieden haben.

          Nach Lage der Dinge wird der alte und neue Bürgermeister in Hamburg, der Sozialdemokrat Olaf Scholz, mit den Grünen eine Koalition bilden. Doch ist der Sack noch nicht zugebunden. Ein ganz kleines bisschen Hoffnung darf die FDP haben, dass es zumindest zu einem Gespräch mit Scholz kommt, sollten die Grünen sich als allzu sperrig erweisen. Immerhin ist eine Botschaft den „Freien Demokraten“ gewiss: Sie tauchen wieder auf, beim Wähler und in den Medien. Sie werden nach einer Wahl nicht mehr in der Rubrik „Andere“ eingeordnet. Sie können hoffen, mit dem Wahlergebnis dem drohenden Vergessen ein Stückchen entronnen zu sein.

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

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