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Erfolg der FDP : Katja Suding macht Liberale glücklich

  • -Aktualisiert am

Liberale, mal wieder ausgelassen: Spitzenkandidatin am Samstag bei der FDP-Wahlparty in Hamburg Bild: dpa

Ihr allein hat Parteichef Christian Lindner den ersten fröhlichen Auftritt nach einem Wahlabend zu verdanken. Die auf Spitzenkandidatin Katja Suding zugeschnittene Wahlkampagne hat sich für Hamburgs Liberale ausgezahlt. Die FDP feiert ihre Wiederauferstehung.

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          Selbstbewusst hatte sich die FDP vor der Wahl der Hamburger Bürgerschaft der SPD als Koalitionspartner angeboten. Damit der Wahlsieger Olaf Scholz bei Verlust der absoluten Mehrheit „nicht allein auf die Grünen angewiesen“ sein müsse, hatte die Spitzenkandidatin und Fraktionsvorsitzende der Hamburger FDP, Katja Suding, im Wahlkampf erklärt.

          Julian Staib

          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          Ähnlich selbstbewusst präsentieren sich die FDP-Anhänger am Wahlabend – schon vor Verkündung der ersten Prognosen. Gefeiert wird in einer Brauereigaststätte namens „Altes Mädchen“, die Stimmung ist gelöst, er sei „sehr sehr zuversichtlich“ sagt ein junger Liberaler.

          Später zieht Katja Suding in den Saal ein. Jubelschreie und „Katja“-Rufe, als sie auf die Bühne tritt. Nach den ersten Hochrechnungen zufolge erhalten die Liberalen mehr als sieben Prozent, das ist deutlich mehr als erwartet. Doch Suding bleibt vor den Anhängern erstaunlich ruhig. „Wir haben unser Ergebnis wie es aussieht verbessert“, sagt die 39 Jahre alte Fraktionsvorsitzende und PR-Managerin. Bloß keine Euphorie. Nun werde man in der Bürgerschaft die „gute Arbeit fortsetzen“.

          „Hamburg gibt die Richtung vor“, steht auf den Schildern, die einige in die Höhe recken, und das steht auch auf dem riesigen Plakat hinter Suding. Vor der Wahl wurde gefragt, ob diese Richtung der Rauswurf  aus einem westlichen Landesparlament sein könnte, oder die Stabilisierung einer darbenden Partei. Die Antwort aus Hamburg lautet nun: Stabilisierung. Und zwar deutlicher als erwartet.

          Eine Woche vor der Wahl erhielt die Hamburger FDP in einer Umfrage 5,5 Prozent, noch im Dezember waren es vier Prozent. Nun mehr als sieben Prozent - und auch für die Bundespartei ging es wieder aufwärts in den Umfragen.

          In Hamburg ist das vor allem Suding zu verdanken. Der Wahlkampf der Hamburger FDP war allein auf sie zugeschnitten, so wie schon 2011. Suding gelang es, der Partei wieder etwas Optimismus einzuhauchen. Eine „Galionsfigur“, wird sie hier von einem Mitglied der Jungen Liberalen genannt.

          „Neue Ideen willkommen heißen. Oder sie gehen woanders hin“, stand auf den großen Plakaten auf denen Katja Suding vor einem Schiff mit Hunderten Containern abgebildet war. Sudings Beine hatten in dem Wahlkampf eine Rolle gespielt, auch das Plakat, auf dem sie als „Unser Mann für Hamburg“ vorgestellt worden war. Aufsehen sollte das erregen, ebenso wie die Abbildung Sudings mit zwei weiteren FDP-Spitzenfrauen in dem Klatsch-Magazin „Gala“ mit der Überschrift:  „Drei Engel für Lindner“.

          Suding ist die Botschaft

          Die Partei- und Fraktionsvorsitzende der Hamburger FDP kommt aus der PR-Branche. Suding ist die Botschaft dieser Partei. Inhaltlich punktete die FDP kaum. Am Wahlabend im Schanzenviertel stört das keinen. Man müsse eben die Menschen da abholen, wo sie stünden, sagt ein älteres FDP-Mitglied.

          Scholz hatte den Koalitionsofferten Sudings vor der Wahl eine Absage erteilt, aber die FDP und vor allem ihre Spitzenkandidatin waren wieder im Gespräch. „Und wenn Olaf Scholz dann anruft und mit uns sprechen möchte, dann werden wir sicherlich dem nachkommen“, hatte Suding gesagt. Am Wahlabend sind die FDP-Mitglieder da eher skeptisch. Lieber eine gute Opposition als eine schlechte Regierung. Damit habe man ja Erfahrung.

          Später wird auf der FDP-Wahlparty die Musik aufgedreht. Man sieht junge Liberale im Anzug, andere in der Steppjacke, die ausgelassen tanzen. Rosa Luftballons in der Luft. Ein „super Wahlkampf“ sei das gewesen, ruft einer. Suding kommt nochmal in den Raum. Wieder „Katja“-Sprechchöre, brüllend laute Musik. Die Spitzenkandidatin dankt den Wahlkämpfern. „Wir waren festgefahren“, sagt sie „ganz lange bei zwei Prozent“. Und jetzt das. Gefeiert wird hier die Wiederauferstehung einer Partei. Jetzt, sagt Suding, brauche sie erst einmal eine Weinschorle.

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