https://www.faz.net/-gpf-834wk

Wahlforscher zerknirscht : Wie die britischen Umfragen so daneben liegen konnten

  • Aktualisiert am

Stunde der Wahrheit: Stimmenauszählung in einem Wahllokal im Südosten Englands Bild: AFP

Das Ergebnis knapp, die Regierungsbildung schwierig: Das hatten vor der Wahl in Großbritannien alle Umfragen ergeben. Nach dem Triumph der Konservativen soll die „offensichtliche Verzerrung“ unabhängig untersucht werden.

          1 Min.

          Die Experten waren sich so sicher: Es wird knapp bei der Parlamentswahl in Großbritannien, die Mehrheitsverhältnisse unklar, die Regierungsbildung schwierig. Das hatten zig Umfragen übereinstimmend ergeben. Die Ergebnisse der Wählerbefragung pünktlich zur Schließung der Wahllokale schockierten deshalb nicht nur die Wahlverlierer. Peter Kellner, der Chef des Meinungsforschungsinstituts YouGov saß bei der BBC und wollte es kaum glauben: Ein deutlicher Sieg der Konservativen zeichnete sich ab, bald gar eine absolute Mehrheit. Das hatte so niemand vorhergesagt.

          Dabei lagen YouGov, Ipsos Mori, ICM und die anderen Institute gar nicht so schlecht, wenn man nur die prozentualen Stimmanteile betrachtet. Schwer machte es ihnen das britische Wahlsystem, das nur Kandidaten ins Parlament einziehen lässt, die ihren Wahlkreis gewinnen. So gesehen gab es am Donnerstag nicht eine Wahl, sondern 650 einzelne. Die Wahlforscher bemühten sich deshalb, aus ihren Umfrage-Ergebnissen Sitz-Prognosen abzuleiten - und das ging daneben.

          „Insgesamt war das eine durchwachsene Nacht für die Meinungsforscher“, sagte Michelle Harrison vom Umfrageinstitut TNS. Zwar habe man den Erfolg der schottischen Nationalpartei im Norden und die Verluste für die Liberalen vorausgesagt. „Aber wir haben uns wohl nicht vorstellen können, dass es so deutlich wird.“

          Der Verband der Umfrageinstitute reagierte am Freitag und kündigte eine unabhängige Untersuchung an - schließlich habe es eine „offensichtliche Verzerrung“ zugunsten von Labour gegeben. ICM-Direktor Martin Boon fasste die Stimmung in der Branche knapp zusammen: „Oh shit.“, twitterte er mit Blick auf die Prognosen - „Oh Scheiße.“

          Weitere Themen

          Tod in der Kälte

          Flüchtlinge in Idlib : Tod in der Kälte

          Hunderttausende Menschen sind im Nordwesten Syriens auf der Flucht vor der Offensive des Assad-Regimes. Gefahr droht ihnen inzwischen auch von der Kälte: Die Menschen erfrieren.

          Ungewöhnliche Maßnahme zur Rettung des Klimas Video-Seite öffnen

          10 Bäume pro Neugeborenes : Ungewöhnliche Maßnahme zur Rettung des Klimas

          Ungarns Regierungschef Victor Orban hat eine ungewöhnliche Klimaschutzmaßnahme angekündigt: Der rechtskonservative Politiker sagte in seiner Rede zur Lage der Nation, künftig werde er für jedes Neugeborene in Ungarn zehn Bäume pflanzen lassen.

          Topmeldungen

          Je mehr Privatpatienten in einem Gebiet, desto mehr Ärzte lassen sich dort nieder. Aber liegt das am Geld oder am sozialen Umfeld?

          Gesundheitswesen : Abschaffung der Privatkassen soll Milliarden sparen

          Der Beitrag für jeden gesetzlich Versicherten könnte um 145 Euro im Jahr sinken, wenn die Privatkassen abgeschafft würden. Das behauptet eine Studie der Bertelsmann Stiftung. Beamte, Ärzte und Wissenschaftler halten die Berechnungen für hanebüchen.
          In verschneiter Landschaft haben Flüchtlinge in Azaz im Norden der syrischen Provinz Idlib Zelte aufgebaut.

          Flüchtlinge in Idlib : Tod in der Kälte

          Hunderttausende Menschen sind im Nordwesten Syriens auf der Flucht vor der Offensive des Assad-Regimes. Gefahr droht ihnen inzwischen auch von der Kälte: Die Menschen erfrieren.
          Jetzt wird’s ernst, und wer auf frischer Tat ertappt wird, kommt aus dem Schlamassel kaum heraus.

          So wehrt man sich : Wenn ein Bußgeld winkt

          Wie man sich am besten gegen Vorwürfe wehrt, man sei zu schnell gewesen, habe keinen Abstand gehalten oder sei bei Rot über die Ampel. Nur wer in flagranti erwischt wird, hat wenig Chancen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.