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Wahl in Großbritannien : Schlappe für May

  • Aktualisiert am

Geschlagen: Premierministerin Theresa May am Freitag beim Verlassen der Parteizentrale in London Bild: AP

Die Konservativen verlieren die absolute Mehrheit im britischen Unterhaus. Labour-Chef Jeremy Corbyn fordert Regierungschefin May zum Rücktritt auf. Auch in ihrer eigenen Partei werden Zweifel laut.

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          Die konservative Partei von Premierministerin Theresa May hat die absolute Mehrheit im britischen Parlament verloren. Die Tories hatten am Freitagmorgen rechnerisch keine Chance mehr, über die Hälfte der 650 Wahlkreise zu gewinnen.

          Die Tories kommen im künftigen britischen Parlament nur noch auf 316 Sitze. Die Labour-Party kann zulegen auf nun 265 Sitze. Auch die schottische Nationalpartei SNP verliert und verfügt noch über 34 Sitze. Die Liberalen kommen auf 13. Die übrigen Sitze gehen an Plaid (3), Grüne (1) und andere (18). Die Zahlen sind noch vorläufig.

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          May äußerte sich zuvor zurückhaltend zu den ersten Ergebnissen. Das Land brauche nun eine Phase der Stabilität, sagte sie nach der Verkündung des Wahlergebnisses in ihrem Wahlkreis Maidenhead. „Es obliegt uns, für diese Stabilität zu sorgen", sagte May.

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          Labour-Chef Jeremy Corbyn hat Premierministerin May dagegen angesichts des schwachen Ergebnisses zum Rücktritt aufgefordert. Sie habe mit ihren Konservativen Sitze, Stimmen, Unterstützung und Vertrauen verloren, sagte der er in der Nacht zum Freitag. „Das ist wirklich genug, um zu gehen und Platz zu machen für eine Regierung, die wirklich alle Menschen dieses Landes repräsentiert.“

          Die vorgezogene Neuwahl hatte die Premierministerin im April überraschend angekündigt mit dem Ziel, sich mehr Rückendeckung für die anstehenden Brexit-Verhandlungen zu holen. Zu diesem Zeitpunkt lagen ihre Konservativen in Umfragen noch deutlich vor Labour. Am 20. Mai schrieb die 60-Jährige in sozialen Netzwerken: „Wenn ich nur sechs Sitze verliere, dann verliere ich diese Wahl und Jeremy Corbyn wird mit Europa am Verhandlungstisch sitzen.“

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          Ergebnisse im Detail

          Ex-Finanzminister George Osborne, der unter May 2016 seinen Posten verloren hatte, stellte als einer der ersten Mays Zukunft in Frage. „Wenn sie ein schlechteres Ergebnis als vor zwei Jahren hat und fast keine Regierung bilden kann, dann bezweifle ich, dass sie auf lange Sicht Parteichefin der Konservativen bleiben wird.“ Die konservative Abgeordnete Anna Soubry fordert May auf, „über ihre Position nachzudenken“.

          Die Tories müssen sich nun wohl einen Koalitionspartner suchen, um weiter regieren zu können. Damit könnte sich auch der Beginn der Brexit-Verhandlungen verzögern. Aber auch der Parteivorsitz Mays bei den Konservativen könnte infrage stehen und schließlich eine zweite Unterhauswahl in diesem Jahr erforderlich machen.

          Auch könnte die sozialdemokratische Labour-Partei auf Partnersuche gehen und versuchen, eine Koalition zu schmieden. Sie könnte sich mit den schottischen Nationalisten und den Liberaldemokraten zusammentun. Die beiden haben sich gegen einen Brexit ausgesprochen. Damit wäre auch nicht ausgeschlossen, dass es ein zweites Referendum zu dieser Frage gibt. Mehrere Liberaldemokraten lehnten nach der Wahl jedoch jede Art von Koalition zunächst ab.

          CDU-Europaabgeordnete Elmar Brok erklärte, er befürchte negative Auswirkungen auf die Brexit-Verhandlungen. „Dieses Ergebnis bedeutet, dass überhaupt keiner Kompromisse machen kann“, sagte Brok im ZDF. „Das wird für die Brexit-Verhandlungen sehr große Erschwernisse mitbringen.“ Angesichts der Unsicherheit gab das britische Pfund unmittelbar nach Bekanntgabe der Prognose zum Euro und zum Dollar um jeweils mehr als ein Prozent nach.

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