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Nach Großbritannien-Wahl : Völlig verzockt

Wie geht es weiter? Theresa May und ihr Ehemann Philip betreten am Freitag den britischen Regierungssitz. Bild: AP

Die Hoffnung von Theresa May auf ein stärkeres Mandat für den geplanten Brexit ist zerstört. Nun ist sie so geschwächt, dass manche Tories schon an ihrem Stuhl sägen. Für Aufsehen sorgt vor allem ein Interview des Außenministers.

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          Am Morgen nach der Wahl blickte die Nation auf eine verschlossene Tür. Die Nummer 10 stand darauf, und niemand trat heraus. Sie war, für einige Stunden, das Symbol dieser überraschenden Nacht. Normalerweise öffnet sich die Tür zu Downing Street 10 in den Morgenstunden nach einer Wahl, und der Amtsinhaber gibt eine Stellungnahme ab. Theresa May mauerte sich ein. Sie wägte ihre Optionen ab, führte Telefongespräche, vielleicht legte sie sich auch eine Viertelstunde aufs Ohr. Aber die Entscheidung musste getroffen werden: Sollte sie wegen der schmerzhaften Verluste ihren Rücktritt ankündigen, oder sollte sie lieber im Amt bleiben?

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Erst um 5.54 Uhr, es war schon hell, stand das Ergebnis fest. Noch waren nicht alle 650 Wahlkreise ausgezählt, aber rechnerisch gab es nun keinen Zweifel mehr daran, dass die Konservativen eine absolute Mehrheit nicht erreichen konnten. Nur ein Wahlsieg ihres Herausforderers Jeremy Corbyn hätte die Premierministerin noch härter treffen können.

          Ohne Not die stabile Mehrheit verspielt

          Angetreten war sie, um die absolute Mehrheit auszubauen, die David Cameron vor zwei Jahren erreicht hatte. Wochenlang hatte es so ausgesehen, als würde sie mindestens dreißig, wenn nicht hundert Sitze mehr erringen als ihr Vorgänger. Noch am Tag vor der Wahl rechneten die meisten damit, dass sie zumindest ein bisschen dazugewinnen würde. Doch am Freitagmorgen stand fest, dass sie zwölf Sitze verloren hat und damit auf die Suche nach einem Bündnispartner angewiesen ist. Eine stabile Mehrheit war ohne Not verspielt worden. Von ihr.

          Jeremy Corbyn hatte die Premierministerin schon in der Nacht zum Rücktritt aufgefordert. Er tat das in der ihm eigenen ruhigen Art, als er im Londoner Stadtteil Islington auf die Bühne trat, um sich in seinem Wahlkreis für die Wiederwahl zu bedanken. Islington war überall, jedenfalls in London. Die ganze Hauptstadt war von der „Corbynmania“ erfasst worden. Nirgendwo fiel die Wählerwanderung von den Tories zur Labour Party so wuchtig aus wie in Britanniens größter Stadt, in der fast jeder achte Brite lebt. Aber auch in anderen Teilen des Königreichs holte die Labour Party Stimmen und Wahlkreise zurück.

          Die Konservativen konnten nur in Schottland Erfolge vermelden. Dort nahmen sie der Schottischen Nationalpartei SNP zahlreiche Sitze ab und schickten gleich zwei SNP-Schwergewichte in den vorzeitigen Ruhestand: den Chef der SNP-Fraktion im Parlament von Westminster, Angus Robertson, und den früheren schottischen Ministerpräsidenten Alex Salmond. Nicola Sturgeon, Salmonds Nachfolgerin in Edinburgh, zeigte sich zerknirscht.

          Mit Salmond, sagte sie, sei ein „Gigant der modernen schottischen Politik“ aus dem Unterhaus gewählt worden. Erwartungsgemäß sprach sie May „Autorität und Glaubwürdigkeit“ ab, kam aber nicht umhin, über die eigenen Verluste zu sprechen: 21 von 56 Sitzen waren in der Nacht verlorengegangen. So tief saß der Schock, dass Sturgeon sogar andeutete, noch einmal über das angekündigte zweite Unabhängigkeitsreferendum nachzudenken. Sie werde ihr Ergebnis „sorgfältig reflektieren“, sagte sie und gab zu, dass das Thema Unabhängigkeit ein „Faktor“ im Wahlkampf gewesen sei.

          Die Ukip ging als Splitterpartei aus der Wahl

          Nicht nur als Verlierer, sondern als Splitterpartei ging die Britische Unabhängigkeitspartei Ukip aus der Nacht. 12,6 Prozent hatten die Populisten vor zwei Jahren erzielt und waren damit – auch wenn sie wegen des Mehrheitswahlrechts nur einen Sitz geholt hatten – zur drittgrößten Partei im Land geworden. An diesem Donnerstag wählten noch 1,8 Prozent für die Ukip. Paul Nuttall, der erst vor einem halben Jahr Nigel Farage im Amt des Vorsitzenden nachgefolgt war, trat zurück und erklärte zugleich, dass seine Partei eine „große Zukunft“ vor sich habe, zumal das Land jetzt, nach der Schwächung Mays, erst recht einen „Wachhund des Brexits“ brauche.

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