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Krise der Sozialdemokratie : Warum Arbeiter für Johnson und Trump stimmen

Die Herzen frühere Labour-Wähler schlagen für ihn: Wahlgewinner Boris Johnson unter Arbeitern in Middlesbrough. Bild: Reuters

Boris Johnson und Donald Trump fischen im gleichen Wählerteich. Der Erfolg der beiden Populisten hat mit der Arbeiterklasse zu tun. Eine Analyse.

          3 Min.

          Einer der ersten, der Boris Johnson zum Wahlsieg der Konservativen gratulierte, war der amerikanische Präsident. Er rief kurz und knackig dazu auf, den britischen Premierminister zu feiern. In dem Triumph seines Bruders im Geiste sieht Donald Trump schließlich ein gutes Omen für seine eigenen Aussichten auf Wiederwahl im kommenden Jahr. Abermals, kann man hinzufügen: Im Juni 2016 hatte eine knappe Mehrheit der Wähler im Vereinigten Königreich für einen Austritt des Landes aus der EU gestimmt – die Parole, die Souveränität von Brüssel zurückzuerlangen und die Kontrolle über die nationalen Dinge wiederherzustellen, hatte den traditionellen britischen Pragmatismus geschlagen. Ein paar Monate später wurde Trump zum Präsidenten gewählt – als unorthodoxer Republikaner, der die Traditionalisten in der Partei zusammengefaltet hatte und den Wählern nationalen Wiederaufstieg versprach. Das war eine ähnliche Melodie, eine von nationaler Größe, frei von internationalen Fesseln. Eine große Welle des Populismus hatte sich Bahn gebrochen. Und jetzt also soll es wieder so werden, in der gleichen Reihenfolge, ungeachtet des nicht ganz unbedeutenden Umstands, dass Trumps Gegner, die Demokraten, ein Amtsenthebungsverfahren gegen ihn in Gang gesetzt haben.

          Klaus-Dieter Frankenberger
          Redakteur in der Politik.

          Es gibt tatsächlich einige aufschlussreiche Parallelen zwischen dem Brexit-plus-Johnson-Phänomen und Trump. Vor dreieinhalb Jahren gehörten viele Wähler aus der Arbeiterklasse – in England ist dieser Begriff weder verpönt noch alltagsweltlich überholt – zur Brexit-Koalition, Wähler also, die früher, vermutlich ihr ganzes Leben, für Labour gestimmt hatten. Und es waren die Wähler in traditionellen Labour-Wahlkreisen in der Mitte und im Nordosten Englands, die jetzt Johnson zu einem Triumph verholfen haben. Das sind Wahlkreise, die einst das industrielle Herzland bildeten, ehemalige Industrie- und Bergbauregionen, deren ökonomisches und somit auch soziales Absterben die Leute bis heute mit Bitterkeit und Resignation erfüllt. Und mit Ressentiment, das die Brexit-Befürworter erfolgreich gegen das Establishment und eben gegen „Brüssel“ (und die europäische Freizügigkeit) zu lenken imstande waren.

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