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Corbyn vs. May im Internet : Der Verlierer ist Jeremy Paxman

Not amused: Interview-Legende Jeremy Paxman Bild: Reuters

Auf Twitter ist man sich einig: Nur einer hat das Nicht-Duell der britischen Spitzenkandidaten May und Corbyn verloren – und die beiden Politiker waren es nicht. Labour-Chef Corbyn hat derweil einen ungewöhnlichen Fan.

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          Große Erwartungen lasten auf Jeremy Paxmans Schultern. Der britische TV-Moderator gilt als harte Nuss: Von Politikern wegen seiner hartnäckigen Fragetechnik gefürchtet, von Zuschauern für seine launigen Sprüche gefeiert. Zum wiederholten Mal grillt er kurz vor der Wahl die Spitzenkandidaten von Labour und Konservativen: Bereits 2015 nahm er vor der vorigen Unterhauswahl David Cameron und Ed Miliband in die Zange.

          Johanna Dürrholz

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          Jetzt also Theresa May, die eiserne Lady 2.0 und Jeremy Corbyn, der als Vertreter des linken Labour-Flügels in der eigenen Partei höchst umstritten ist. Paxman glaubt, an dieser Stelle den Schwachpunkt Corbyns identifiziert zu haben – und ist sichtlich verärgert über die souveräne Reaktion des Labour-Chefs.

          Gleich zu Beginn erklärt Paxman, er wolle Corbyn nicht ausreden lassen. Verbissen hält er sich an seine Strategie, Fragen so lange zu wiederholen, bis sie trotzdem nicht beantwortet werden:

          Paxman reitet penetrant darauf herum, dass im Parteien-Programm viele Punkte fehlen, die Corbyn wichtig sind, zum Beispiel die Abschaffung der Monarchie. Woraufhin Corbyn nur erwidert: „Nun ja, es steht nichts davon im Manifest, weil wir es nicht machen werden!“ Seine Ehrlichkeit ist entwaffnend, Corbyn hat die Lacher auf seiner Seite. Paxman wirkt hingegen verzweifelt.

          Trotz der Enttäuschung, die der Interviewer Paxman für viele Zuschauer ist, sorgt er noch für das Zitat des Abends. Er erklärt Theresa May: „Wenn ich in Brüssel sitzen würde und Sie sähe, ich würde Sie für eine Angeberin halten, die beim ersten Anzeichen eines Schusswechsels zusammenbricht.“ Harte Worte eines in die Jahre gekommenen Showmasters.

          Am Ende des Abends sind sich die Twitter-User einig: Der Verlierer des Abends ist Jeremy Paxman. Doch viele gratulieren auch Jeremy Corbyn, der sich überraschend souverän präsentieren konnte. Ein ungewöhnlicher Unterstützer Corbyns meldet sich zu Wort: Brexit-Kämpfer Nigel Farage erklärt, er teile zwar nicht die Ansichten Corbyns, doch dieser sei ihm „vollkommen aufrichtig“ erschienen. Theresa May hingegen bezeichnet er als „Wetterhahn“, der mit „sehr Wenigem“ etwas erreichen wolle.

          Ob ausgerechnet der rechtspopulistische Nigel Farage der Fan ist, den Jeremy Corbyn sich wünscht, ist fraglich. Und ein Twitter-User wirft in den Raum, ob nicht am Ende doch Hugh Grant der beste Kandidat für den Premierminister-Posten ist..

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