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Nach der Unterhauswahl : Corbyn übernimmt Verantwortung für Labour-Niederlage

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Jeremy Corbyn am Samstag in London Bild: Reuters

Der Labour-Vorsitzende Jeremy Corbyn hat erstmals anerkannt, dass er ein Teil des Problems seiner Partei bei der Unterhauswahl gewesen ist. Er besteht allerdings darauf, dass seine generelle Richtung richtig sei.

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          Drei Tage nach dem schlechtesten Wahlergebnis der Labour-Partei seit mehr als 80 Jahren hat Parteichef Jeremy Corbyn erstmals öffentlich die Verantwortung dafür übernommen. „Wir haben eine schwere Niederlage erlitten und ich übernehme die Verantwortung dafür“, schrieb Corbyn in einem Beitrag in der Sonntagszeitung „Observer“. Er beharrte allerdings darauf, dass die Partei auf die meisten drängenden Fragen die richtigen Antworten habe. Darauf sei er stolz.

          Parteigrößen ging das nicht weit genug. „Das zeigt, dass er nicht gewillt ist, zu verstehen, warum wir so eine katastrophale Niederlage erlitten haben“, twitterte die prominente Labour-Politikerin Harriet Harman. „Er sollte zurücktreten.“ Auch zahlreiche andere Labour-Politiker drängten Corbyn zu gehen. Der Parteichef will aber bis Frühjahr 2020 im Amt bleiben.

          Nach Corbyns Lesart hat die Labour-Partei den Preis für ihre Brexit-Politik bezahlt. Sie hatte versucht, sowohl Wähler, die für den Austritt Großbritanniens aus der EU sind, als auch solche, die dagegen sind, ins Boot zu holen. Viele Abgeordnete sagen dagegen, Wähler hätten absolut allergisch auf Corbyn als Person reagiert.

          Die abgewählte Labour-Abgeordnete Anna Turley hatte dem Radiosender BBC Radio 4 am Samstag gesagt, in ihrem Wahlkreis sei Corbyn das größte Problem gewesen. Leute, die ihr Leben lang Labour gewählt haben, hätten gesagt: „Ich kann einfach nicht dafür stimmen, dass der Mann Premierminister wird.“ Der frühere Labour-Innenminister David Blunkett machte in der „Daily Mail“ Corbyn und eine Clique seiner Berater für das verheerende Ergebnis verantwortlich. Er monierte: „Keine Reue, keine Entschuldigung von Jeremy Corbyn.“ Er bemühte einen alten Spruch: „Im Namen Gottes: geh! - Und geh schnell.“ Corbyns Söhne brachen dagegen auf Twitter eine Lanze für ihren Vater. Ihr Vater sei von seinen Gegnern auf gemeine Weise angefeindet worden.

          Premierminister Boris Johnson hatte sich am Samstag im Norden Englands feiern lassen. Die Konservativen hatten bei der Parlamentswahl am Donnerstag in den ehemaligen Bergarbeiter- und Industrieregionen Wahlkreise gewonnen, die seit Menschengedenken in den Händen der Arbeiterpartei Labour gewesen waren. Deren Chef Jeremy Corbyn kam unter wachsenden Druck, Verantwortung für die schwerste Niederlage seit mehr als 80 Jahren zu übernehmen und zurückzutreten.

          Johnson sprach in Sedgefield rund 400 Kilometer nördlich von London, in einem Cricketclub vor mehreren Dutzend Anhängern. Es war der einstige Wahlkreis von Labour-Premier Tony Blair, der an die Konservativen gefallen war. „Ihr habt die politische Landkarte verändert“, rief Johnson. Er versprach wie im Wahlkampf Investitionen in Infrastruktur, in Schulbildung und moderne Technologie. Er stellte Freihäfen und Freihandel in Aussicht.

          „Wir werden uns unser nationales Selbstbewusstsein zurückholen“, sagte Johnson. „Es brechen wunderbare Zeiten für unser Land an.“ Die Konservativen haben 47 Sitze dazu gewonnen und haben jetzt eine satte absolute Mehrheit im Unterhaus.

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