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Britischer Wahlkampf : Mit YouTube auf Stimmenfang

  • -Aktualisiert am

Ed Miliband im Gespräch mit Russel Brand. Bild: Youtube

Labour-Spitzenkandidat Ed Miliband setzt im Werben um Wähler auf unkonventionelle Mittel. In einem YouTube-Video stellt er sich dem linken Komiker Russell Brand – und präsentiert sich als Mann des Volkes.

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          Es ist nicht lange her, da hatte Ed Milliband, der Kandidat der britischen Labour Partei, die Schauspielerin Rosamund Pike als erste weibliche Bond-Darstellerin ins Gespräch gebracht. Mit dem Versuch, sich als Freund der Gleichberichtigung zu inszenieren, machte er auch jenseits der Insel auf sich aufmerksam. In seinem neusten Streich strafft er weiter sein sozialdemokratisches Profil. Dieses Mal unter Mithilfe des Komikers Russell Brand.

          Auf dessen YouTube-Kanal ist die Aufzeichnung eines Interviews mit Milliband zu sehen. Wenig überraschend verspricht Miliband in der Küche des Komikers seinen Einsatz für Englands hart arbeitende Bürger,  eine gerechtere Besteuerung und mehr Gleichheit vor dem Gesetz – sofern sie ihn dann am 7. Mai auch wählen. Außerdem nutzt er die Gelegenheit um gegen die konservative Tory-Regierung auszuteilen. Das Besondere an dem Gespräch ist aber, dass sich ein möglicher Premierminister einem radikalen Linken wie Brand stellt.

          Korrupte Eliten und Politikverdrossenheit

          Brand unterbricht Miliband immer wieder, um längere Einwürfe zu bringen. Dann wettert er gegen manipulative Medien, spricht von der Politikverdrossenheit in der britischen Gesellschaft und klagt über die Eliten, die die Regierungspartei der Tories fest im Griff hätten. Miliband nutzt diese Gelegenheit und bezeichnet eine weitere Tory-Regierung als eine Gefahr für England. Kürzungen im „National Health System“ (NHS), dem nationalen Gesundheitssystem, und Steuerpolitik zum Vorteil der Reichen würden die Frage aufwerfen, für wen die Regierung eigentlich regiere.

          Milibands Besuch bei Brand dürfte als Versuch gewertet werden, sich den Wählern anzunähern, aus deren Sicht die Demokratie in England zum Erliegen gekommen ist. Denn genau für die gedenkt Brand zu sprechen. Mit Stolz betonte er vor einiger Zeit in einem Interview mit BBC-Moderator Jeremy Paxham, noch nie gewählt zu haben. Es bringe ja sowieso nichts.

          Mehr als eine Millionen Abonnenten folgen Brand aktuell auf YouTube. In seiner Rubrik „The Trews“ verreißt er täglich die Berichterstattung britischer Nachrichtenseiten. Unter derselben Rubrik veröffentlicht er zur Zeit Interviews mit Politikern. Laut Brand sind für die nächste Woche weitere Gespräche mit zwei Grünen-Politikerinnen geplant.

          Noch bevor Brand das Video am Mittwoch auf seinem Kanal hochgeladen hatte, waren auf Twitter Bilder von Miliband beim Verlassen von Brands Wohnung aufgetaucht. Milibands Konkurrent, Premierminister und Tory-Parteichef David Cameron hatte daraufhin den Besuch verspottet. Wie „The Guardian“ berichtete, sagte Cameron, er habe keine Zeit, mit Brand „herzumzuhängen“.

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