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Schottische Nationalpartei : Und kräftig tönt der Dudelsack

  • -Aktualisiert am

Nicola Sturgeon bei einer Wahlparty in Glasgow nach der Verkündung der vorläufigen Ergebnisse. Bild: dpa

Mit einem pro-schottischen Wahlkampf hat die SNP die Labour-Partei in Schottland vernichtend geschlagen. In den kommenden Jahren dürften die schottischen Abgeordneten auch den Konservativen das Leben so schwer wie möglich machen.

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          Nicola Sturgeon, die Vorsitzende der Schottischen Nationalpartei (SNP) und amtierende Erste Ministerin Schottlands, hatte bis zuletzt vor zu viel Optimismus gewarnt. Doch am Morgen nach der Wahl haben sich die Vorhersagen als zutreffend erwiesen: Bis auf drei der 59 schottischen Bezirke gingen alle an Kandidaten der SNP. Für den großen Wurf reicht das aber nicht.

          Die absolute Mehrheit der Torys verhindert, dass die SNP eine besondere Rolle bei der Regierungsbildung spielen wird. In Schottland dürfte man dennoch zufrieden sein. Das vorläufige Ziel, schottische Interessen in Westminster stärker vertreten zu können, ist erreicht. Vor der Wahl waren lediglich neun Unterhaussitze in schottischer Hand. Der Rest der Sitze war 2010 mehrheitlich an Abgeordnete der Labour-Partei gegangen.

          Nicola Sturgeon hat mit ihrem moderateren Kurs Erfolg gehabt. Nachdem im September 2014 eine knappe Mehrheit der Schotten gegen ein autarkes Schottland gestimmt hatte, übernahm die ehemalige Rechtsanwältin den Parteivorsitz von Alex Salmond. Auch das Amt der schottischen Ersten Ministerin ging dadurch an die 44 Jahre alte Politikerin. Unter ihrer Führung hatte die Partei das Vorhaben in den Hintergrund gerückt, eine vollständige Unabhängigkeit Schottlands zu erreichen. Stattdessen forderte die SNP in ihrem Wahlprogramm mehr Befugnisse für das Landesparlament, etwa bei der Verteilung öffentlicher Gelder. Das soll den Schotten mehr Arbeitsplätze und eine verbesserte Infrastruktur bescheren.

          „Eine Woge des Nationalismus“

          Im Live-Interview mit der BBC bekräftigte Sturgeon ihre Haltung. Die SNP vertrete die Interessen aller Schotten, nicht nur jener, die im September für die Unabhängigkeit gestimmt hatten. Von Enttäuschung darüber, dass sie bei der Regierungsbildung außen vor bleiben wird, war bei Sturgeon nichts zu spüren. Sie weiß vielmehr um die Bedeutung ihres historischen Erfolgs.

          Besonders Labour hatte unter dem Triumph der SNP zu leiden. Wie die „BBC“ berichtet, erhielten Kandidaten der SNP in einigen Wahlkreisen doppelt so viel Stimmen wie die amtierenden Labour-Abgeordneten. Auch der Vorsitzende der schottischen Labour-Partei muss seinen Sitz abgeben. Sehr bitter dürfte dem Labour-Chef Ed Milliband das Abschneiden Douglas Alexanders schmecken. Alexander hatte den Wahlkampf Millibands geleitet – und war in seinem Wahlkreis von einer Zwanzigjährigen geschlagen worden. Dem enttäuschten und inzwischen zurückgetretenen Labour-Spitzenkandidaten blieb nichts anderes übrig als die Geschehnisse als Folge „einer Woge des Nationalismus“ zu bezeichnen.

          Der Grund für das insgesamt miserable Abschneiden Labours sind die Schotten nach Ansicht von Sturgeon aber nicht. Wie sie dem „Guardian“ sagte, liege der Grund für das miserable Ergebnis am Unvermögen Labours, die Torys in England zu schlagen. Mit einer Tory-Regierung will Nicola Sturgeon nichts zu tun haben. Vielmehr ist zu erwarten, dass die schottischen Abgeordneten der konservativen Regierungspartei und David Cameron in London das Leben so schwer wie möglich machen werden.

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