https://www.faz.net/-gpf-8vlb8

Wahlkampf in Frankreich : Hier steht er und will nicht anders

„Ich bin nicht allein“: Francois Fillon bei seiner Rede mit seinen Anhängern am Trocadero-Platz in Paris Bild: AP

François Fillon will nicht aufgeben. Auf dem Trocadéro-Platz in Paris lässt er sich von seinen Anhängern bejubeln. Seine Partei sieht das gar nicht gern – und schmiedet schon andere Pläne.

          5 Min.

          Wie viele sind gekommen? Auf dem Trocadéro-Platz mit Blick auf den Eiffelturm stehen die Leute am Sonntagnachmittag eng gedrängt und schwenken Trikolore-Fahnen. Der Regen prasselt auf sie nieder, als François Fillon auf die Bühne tritt. „Fillon Président“ rufen die Anhänger gegen den Wolkenbruch an. „Sie sagen, dass ich allein bin. Sie wollen, dass ich allein bin. Aber bin ich allein?“, sagt Fillon. „Non“, schallt es ihm entgegen. Fillon nennt sein Publikum „Frankreich“, das Frankreich, das die Mandatsträger, die Parteigranden der Republikaner vergessen hätten. Er spottet über die „Deserteure“, die aus Angst um ihre Posten, um ihren Geldbeutel ihm die Unterstützung verweigerten. Reue lässt Fillon erst aufscheinen, als er darauf zu sprechen kommt, dass er seine Frau Penelope jahrelang als parlamentarische Mitarbeiterin beschäftigte.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          „Es war ein Fehler“, sagt er. „Ich hätte ihn nicht begehen dürfen. Und ich habe einen zweiten Fehler begangen, als ich gezögert habe, darüber zu sprechen“, sagt er. „Ich muss mich zu jenen befragen, die zweifeln und das Schiff verlassen“, sagt Fillon. Die Parteigranden forderte er auf, ihr Gewissen zu prüfen. An diesem Montagabend tritt der verkleinerte Parteivorstand zusammen, um „Wege aus der Krise“ aufzuzeigen, wie verlautete. Fillon aber widerstrebt es, sein Schicksal in die Hände der Parteiführung zu legen. „Die Entscheidung steht ihnen zu und auch wieder nicht“, sagte Fillon. Er sei in den Vorwahlen bestimmt worden, „die Hoffnungen der Franzosen zu tragen“, sagte er. Als die Marseillaise, die französische Nationalhymne, angestimmt wird, scheint wieder die Sonne.

          „Wir sind 200.000“

          Aber kann Fillon seine Kandidatur mit diesem Aufgebot seiner Anhängerschaft noch retten? Unter den Demonstranten sind viele, die daran glauben. „Ich bin wütend auf alle Journalisten“, sagt eine ältere Demonstrantin im beigen Trenchcoat. „Die Presse hat es auf Fillon abgesehen“, schimpft sie. „Die Journalisten wollen uns diktieren, was wir zu denken haben. Ich bleibe Fillon treu.“ Sie äußert ihre Bewunderung für Penelope Fillon. „Sie verdient unsere Hochachtung!“, sagt sie. Im „Journal du Dimanche“ hat die gebürtige Waliserin zum ersten Mal seit den Enthüllungen im „Le Canard Enchainé“ ein Interview gegeben. „Ich habe sehr unterschiedliche Aufgaben für meinen Mann erfüllt“, sagte Penelope Fillon. „Meine Rolle war es, ihm in seiner Beziehung als Abgeordneter mit den Bürgern zu assistieren“, so die Ehefrau. „Wenn ich es nicht gemacht hätte, hätte er jemand anders entlohnt, um es zu tun.“ In der französischen Sonntagszeitung betonte sie, ihren Mann zum Durchhalten aufgefordert zu haben. Für sie sei es schrecklich, dass sie dem „Penelopegate“ ihren Namen gegeben habe. Doch für Frankreich lohne es sich, diese Anfechtungen zu überstehen, bekundete sie in dem Gespräch.

          Im Fernsehsender France 2 hat François Fillon am Sonntagabend einen Rücktritt abermals abgelehnt. „Die Antwort ist nein“, sagte er auf die Frage, ob er sich zurückziehen werde. „Ich glaube fest, dass ein Rückzug dieser Kandidatur meine politische Familie in eine Sackgasse bringen würde.“ Er sei überzeugt, dass sein Programm das einzige sei, das es tatsächlich ermögliche, sich der Rechtspopulistin Marine Le Pen entgegenzustellen.

          „Wir sind 200.000“, vermeldete Bruno Retailleau, der Fraktionsvorsitzende der Republikaner im Senat, auf dem Trocadéro-Platz. Retailleau ist einer der letzten Parteigranden, die Fillon zum Weitermachen anstacheln. Niemand weiß, wer die Teilnehmerzahl ermittelt hat. Fachleute bezweifeln, dass so viele Leute auf den Platz passen. Doch den Demonstranten reicht es, sich als Teil einer großen Menge zu fühlen. Ein jüngerer Mann mit einer Schirmmütze im Blau-Weiß-Rot der Nationalfarben sagt: „Fillon ist in freien Vorwahlen bestimmt worden. Die Richter dürfen dieses demokratische Ergebnis nicht aushebeln.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Donald Trump gab bekannt, den G-7-Gipfel doch nicht im familieneigenen Hotel in Miami auszurichten.

          Twitter : G7-Gipfel im nächsten Jahr doch nicht in Trump-Hotel

          Dies gab Donald Trump auf seinem Twitter-Account bekannt. Der Präsident der Vereinigten Staaten musste zuvor heftige Kritik für seine Entscheidung einstecken, den G-7-Gipfel in seinem Hotel in Miami ausrichten zu wollen.

          „Super Saturday“ : Britische Regierung beantragt Brexit-Verschiebung

          Das britische Parlament hat eine Entscheidung über den Brexit-Deal verschoben. Premierminister Boris Johnson kündigt an, er werde „weiterhin alles tun, damit wir am 31. Oktober die EU verlassen.“ Trotzdem muss er Brüssel um einen Aufschub bitten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.