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Wahl in Frankreich : Das Duell der Gegensätze

Emmanuel Macron will mehr Europa: In der zweiten Runde der französischen Präsidentenwahl kämpft er gegen die Europa-Gegnerin Marine Le Pen. Bild: AFP

Emmanuel Macron und Marine Le Pen treffen am 7. Mai in der zweiten Runde der französischen Präsidentenwahl aufeinander. Ihre Positionen könnten kaum unterschiedlicher sein.

          In der Stichwahl zur Bestimmung des französischen Präsidenten treffen am 7. Mai zwei Kandidaten aufeinander, die unterschiedlicher kaum sein könnten. An keinem Thema zeigt sich das deutlicher als an Europa: Emmanuel Macron ist der pro-europäischste aller elf Präsidentschaftskandidaten gewesen und Marine Le Pen die heftigste Euro-Gegnerin.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Die Konfrontationslinie beschreibt der Front National gerne so: Hier der ehemalige Investmentbänker Macron, Anhänger einer entfesselten Globalisierung und unbegrenzten Deregulierung, da Le Pen, der Muttertyp, der seine schützende Hand über die Nation legen will. Macron weiß sich jedoch zu wehren: Ein Frankreich, das sich einigeln und den Rest der Welt auf Distanz halten will, sei verloren, plädiert er und hat dafür die Stimmen vieler Franzosen erhalten. „Wir müssen jetzt den Wiederaufbau Europas in Angriff nehmen“, rief Macron am Sonntagabend seinen Anhängern zu.


          Le Pen hingegen will raus aus dem Europa, wie wir es heute kennen, während Macron besonders den Euroraum weiterentwickeln, das heißt vertiefen will. Welcher Anteil davon nur Willensbekundungen sind, bleibt im Fall von Macrons Wahlsieg offen, denn schon manche hehren Europapläne aus Paris scheiterten daran, dass auch die Franzosen nicht zur Aufgabe von Souveränität bereit waren, zumal mit einem Front National bei mehr als 20 Prozent und potentiell bei knapp 40 Prozent im zweiten Wahlgang.

          Macron hat viele seiner Europaideen schon in den vergangenen Jahren entwickelt. Er will dem Euroraum einen eigenen Haushalt geben, über den ein Parlament der Euromitglieder abstimmt und das von einem Finanzminister des Euroraums verwaltet wird. Nicht gleich im ersten Schritt, aber zu einem späteren Zeitpunkt, soll diese europäische „Wirtschaftsregierung“ auch die Emission von Eurobonds veranlassen können.

          An Deutschland will Macron mit mehr als einer ehrgeizigen Forderung herantreten: Nicht nur soll der Nachbar östlich des Rheins die Eurobonds garantieren, Macron will auch darauf drängen, dass Deutschland seine hohen Exportüberschüsse abbaut, indem die Deutschen zugunsten anderer Länder – nicht zuletzt Frankreich – mehr importieren. Solche Forderungen aus Paris sind nicht neu, sie scheiterten in der jüngeren Vergangenheit jedoch immer am Widerstand in Berlin.

          Macrons europäische Vertiefung

          Macron will auch in Verteidigungsfragen die europäische Zusammenarbeit intensivieren. Ein gemeinsamer europäischer Verteidigungsfonds soll neue Ausrüstungen wie etwa Drohnen finanzieren; eine europäische Befehlszentrale soll Operationen in Abstimmung mit der Nato ausführen.

          Macron stellt sich Europa wirtschaftlich als ein „schützendes“ Gebilde vor – ein reiner Freihändler, als den ihn Le Pen porträtiert, ist er nicht. Die Antidumping-Regeln, die heute etwa bei chinesischen Stahlimporten greifen, will Macron verschärfen. Zudem soll Europa über Handelsabkommen auf seine Wirtschaftspartner Druck machen, damit das Steuer-, Sozial- und Umweltdumping ein Ende findet. Innerhalb von Europa will er Mindeststandards für Gesundheitsschutz, die Arbeitslosenversicherung, den Mindestlohn und die Ausbildung einführen. Die europäischen Staaten sollen ihre Nationen vor feindlichen Übernahmen schützen dürfen, wenn sie strategische Interessen bedroht sehen. Öffentliche Aufträge durch europäische Auftraggeber sollen im Rahmen eines „Buy European Act“ nur jene Unternehmen erhalten, welche die Hälfte ihrer Produktion in Europa ansiedeln.

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