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Nach der ersten Wahlrunde : Le Pen auf Stimmenfang

Für einen Moment ruht der Wahlkampf: Emmanuel Macron und Marine Le Pen gedenken des getöteten Polizisten. Bild: Getty

Marine Le Pen lässt den alten Geist des Front National aus der Flasche. Vor allem die Unterstützer eines ausgeschiedenen Kandidaten hat sie nun im Blick.

          3 Min.

          Kaum war Marine Le Pen in der Obsthalle angekommen, begann am Dienstagmorgen ein Pfeifkonzert. Auf dem Pariser Großmarkt Rungis konnte sich die Rechtspopulistin nicht als Kandidatin der Franzosen gerieren, die früh aufstehen und hart arbeiten. Sie wurde von den Markt-Angestellten kräftig ausgebuht, anders als am Vortag bei einem Marktbummel im deindustrialisierten Norden, einer ihrer Wahlhochburgen. Die 48 Jahre alte Präsidentschaftskandidatin hat angekündigt, ihren Posten als Front-National-Vorsitzende in den nächsten Tagen ruhen zu lassen, um sich „völlig“ ihrer Kandidatur für die zweite Runde der Präsidentenwahl zu widmen. Sie will dies als Zeichen ihrer Volksnähe interpretiert sehen.

          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Le Pen griff den unabhängigen Kandidaten Emmanuel Macron als Kandidaten „der Banken und der Salons“ an: „Es gibt nicht den geringsten Beweis dafür, dass er Frankreich liebt... Man spürt nicht, dass er Frankreich und die Franzosen mag.“ Weiter behauptete sie, dass Macron für ein Programm von „großer sozialer Gewalt“ stehe. „Er ist für eine Liberalisierung des Arbeitsrechts, für Masseneinwanderung und eine wilde Globalisierung“, sagte Le Pen. Sie umwarb offensiv die Wähler des Linkspopulisten Jean-Luc Mélenchon („Das unbeugsame Frankreich“), der keine Wahlempfehlung abgegeben hat. Le Pen sagte, in der Kapitalismus- und Globalisierungskritik stimme sie mit Mélenchon überein.


          Mélenchon äußert sich nicht zu Aktionen des Front National

          Der Front National hat Flugblätter drucken lassen, die sich eigens an die Mélenchon-Wähler richten. „Die gemeinsame Zukunft ist mit Marine“, steht darauf geschrieben. Auf dem Flugblatt sind sieben Wahlversprechen Mélenchons aufgelistet, die Le Pen erfüllen will, darunter die Rente mit 60, ein Ausstieg aus der Nato, eine Rücknahme der Arbeitsrechtsreform der sozialistischen Arbeitsministerin El Khomri sowie ein Leiharbeiter-Verbot. Für Mélenchon ist dieser Gleichsetzungsversuch peinlich, er war 2012 im Wahlkreis gegen Le Pen angetreten und hat sich immer gegen die Kritik von Journalisten zur Wehr gesetzt, wonach seine Forderungen genauso populistisch seien wie die des Front National. Mélenchon hat sich bislang nicht zu dem Vereinnahmungsversuch geäußert.

          Le Pens vorübergehender Rückzug vom Parteivorsitz wurde am Dienstag in Paris als rein symbolischer Schritt gewertet. Mehr als es der Präsidentschaftskandidatin recht sein konnte, rückte die Persönlichkeit ihres Stellvertreters Jean-François Jalkh in den Vordergrund, der die Partei interimistisch leiten wird. Der 59 Jahre alte Europa-Abgeordnete Jalkh gehörte schon der alten FN-Garde um Le Pens Vater an und hat sich immer diskret im Hintergrund gehalten. Er muss sich wegen seiner Verwicklung in zwei FN-Parteifinanzierungsaffären vor der Justiz verantworten.

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