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Präsidentenwahl in Frankreich : Nichts ist unmöglich für das Wunderkind

Emmanuel Macron, parteiunabhängiger Kandidat, ist der Gewinner des ersten Wahlabends Bild: EPA

Jünger als John F. Kennedy, liberaler als Tony Blair, europäischer als Gerhard Schröder: Emmanuel Macron scheint an diesem Abend alle zu überstrahlen. Doch im Lager von Marine Le Pen jubeln deren Anhänger genauso siegesgewiss.

          Der Jubel will nicht abebben. In der Halle 5 des Pariser Messegeländes an der Porte de Versailles liegen sich die Anhänger Emmanuel Macrons in den Armen, hüpfen vor Freude. Es sind viele junge Leute dabei, sie tragen blaue, gelbe oder rosafarbene T-Shirts mit der Aufschrift „Emmanuel Macron Président!“, die am Eingang verteilt worden waren. „Macron Président“, schallt es immer wieder, der Saal scheint nur noch einen Gewinner zu kennen. „Als wir ,En marche‘ gegründet haben, sagten alle, das ist unmöglich. Wir haben gezeigt, dass nichts unmöglich ist“, sagt Gérard Collomb, der Bürgermeister von Lyon und politische Mentor Macrons im Fernsehen. Der Saal jubelt. An diesem Abend scheint es tatsächlich, dass nichts unmöglich ist.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Vor nur einem Jahr, am 6. April 2016, gründete Macron seine Bewegung „En marche“, jetzt trennt ihn nur noch eine Stichwahlrunde vom Einzug in den Elysée-Palast. Im Saal ist niemand, der Macron nicht zutraut, sich gegen die Rechtspopulistin Marine Le Pen durchzusetzen. „Wir werden gewinnen“, „on va gagner“, heißt der Sprechchor, mit dem sich das Publikum die Zeit vertreibt, bevor Emmanuel Macron auf die Bühne kommt.

          Zunächst wird der Sozialist Benoit Hamon eingeblendet, der für die Regierungspartei ein historisch schlechtes Ergebnis einfuhr: 6,2 Prozent. Es wird nicht gepfiffen oder gebuht, es herrscht Grabesstille, als Hamon spricht. „Die Linke ist nicht tot“, sagt Hamon, aber es klingt, als würde ein Totengräber reden. Die Macron-Anhänger regen sich erst wieder, als Hamon den Namen Emmanuel Macron ausspricht und dazu aufruft, für ihn im zweiten Wahlgang zu stimmen: „Wir haben gewonnen“, singt der Saal. „Wir haben gewonnen!“ Mehrere hundert französische und europäische Fahnen sind verteilt worden, sie werden wie wild geschwenkt. Die Begeisterung in der Menge wirkt ansteckend. Auch der Republikaner Jean-Pierre Raffarin, ein früherer Premierminister, ruft die Fillon-Anhänger auf, im zweiten Wahlgang für Macron zu stimmen. „Wir werden gewinnen“, ruft der Saal.


          Wahl in Frankreich

          Die „Helpers“, freiwillige Helfer der Bewegung „En marche“, stehen an den Absperrgittern bereit, um den nicht abreißenden Strom der Besucher in die Halle zu geleiten. Die Sicherheitsvorkehrungen sind schärfer denn je: Vier Mal hintereinander werden die Taschen durchsucht, zwei Mal jeder Besucher abgetastet, bevor er eingelassen wird. Spürhunde stehen für den Verdachtsfall bereit. „Ich bin bereit, die Franzosen vor dem Terrorismus zu schützen“, hatte Macron nach dem jüngsten Anschlag auf den Champs-Elysées versprochen. Er muss überzeugend geklungen haben, der 39 Jahre junge Präsidentschaftsanwärter. Jünger als John F. Kennedy, liberaler als Tony Blair, europäischer als Gerhard Schröder: Mit Macron strebt ein Franzose an die Macht, der die gesamte politische Führungsschicht seines Landes alt und europäisch verzagt aussehen lässt. Als politisches Wunderkind war er von Nicolas Sarkozy entdeckt worden, der ihn in seine Beratungskommission „für die Befreiung des französischen Wachstums“ holte. Aber letztendlich war es der Sozialist François Hollande, dem Macron sein Talent zur Verfügung stellte: zunächst als Berater und Mit-Autor von dessen Wirtschaftsprogramm im Elysée-Palast, später als Wirtschaftsminister.

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