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Wer wird Präsident? : Stichwahl läuft schleppend an

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Der nächste französische Präsident? Favorit Emmanuel Macron lässt sich von seinen Anhängern nach seiner Stimmabgabe feiern. Bild: dpa

Unter hohen Sicherheitsvorkehrungen wählen die Franzosen einen neuen Präsidenten. In Umfragen liegt Macron klar vor seiner Konkurrentin Le Pen. Doch die bislang geringe Wahlbeteiligung könnte ihm gefährlich werden.

          Unter hohen Sicherheitsvorkehrungen entscheiden die Franzosen am Sonntag darüber, ob sie mit dem 39 Jahre alten Emmanuel Macron den europäischen Integrationsprozess fortsetzen oder mit der 48 Jahre alten Marine Le Pen auf nationalen Abschottungskurs gehen wollen.

          Der gemäßigte Kandidat Macron hat einen Vorsprung von 22 Prozentpunkten vor Le Pen, wie Umfrageinstitute in ihren letzten Erhebungen vor der Wahl ermittelten. In Paris hieß es, je besser Macron abschneide, umso stärker werde seine Legitimität sein.

          Zweiter Wahlgang läuft schleppend an

          47 Millionen Franzosen sind zur Wahl aufgerufen, doch zeichnet sich bislang eine geringere Beteiligung ab als in der Stichwahl vor fünf Jahren. Die Wahlbeteiligung habe um 17 Uhr bei 65,3 Prozent gelegen, teilte das Innenministerium in Paris mit. Das waren etwa vier Punkte weniger als bei der ersten Wahlrunde vor zwei Wochen zu diesem Zeitpunkt. In der Regel nimmt bei Präsidentenwahlen in Frankreich die Beteiligung zwischen dem ersten und zweiten Wahlgang zu.

          Könnte von einer geringen Wahlbeteiligung profitieren: Marine Le Pen beim Verlassen der Wahlkabine

          Meinungsforschern zufolge könnte ein Viertel der Wähler den Urnen fernbleiben. Das würde Le Pen in die Hände spielen. Während sie auf sichere Stimmen einer breiten Stammwählerschaft setzen könne, ist Senkrechtstarter Macron auf jede Stimme angewiesen – vor allem auf die Stimmen der Unentschlossenen. Außerdem könnten viele Wähler einen leeren Stimmzettel abgeben, weil sie mit keinem der beiden Finalisten einverstanden sind.

          Verdächtiger Fund am Pariser Louvre

          Ein Bereich am Pariser Louvre-Museum, in dem Macron im Fall eines Wahlsiegs mit Anhängern am Sonntagabend feiern will, wurde indes für eine Sicherheitskontrolle geräumt . Nach Angaben einer Polizeisprecherin geht es dabei um eine Überprüfung, wie sie etwa beim Fund eines verdächtigen Gepäckstücks in der französischen Hauptstadt Routine ist. Was in diesem Fall konkret der Anlass war, sagte sie am Nachmittag allerdings nicht. Es gebe aber erst einmal nichts Alarmierendes.

          Bombenalarm: Ein Wagen des Entschärfungskommandos steht an der Einfahrt zum Louvre in Paris in Frankreich.

          50.000 Polizisten und Soldaten sind wegen der hohen Terroranschlagsgefahr im ganzen Land mobilisiert, um die Wahllokale abzusichern. Die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) verbreitete am Samstag Drohungen gegen Macron über das Medienzentrum An-Nur. Frankreich war in den vergangenen Jahren mehrfach Ziel islamistischer Anschläge. Erst Mitte April wurde bei einer Attacke auf dem Pariser Boulevard Champs-Élysées ein Polizist getötet.


          Die Wahllokale sind bis 19 Uhr geöffnet, in großen Städten bis 20 Uhr. Dann gibt es auch die ersten Prognosen. Bis zur Schließung der letzten Wahlbüros gilt in Frankreich eine Nachrichtensperre für Prognosen und erste Auszählungen. Allerdings hatten belgische Medien beim ersten Wahlgang vor zwei Wochen schon am späten Nachmittag Umfrageergebnisse verbreitet. Auch dieses Mal wurde die Sperrfrist wieder gebrochen: Die belgischen Zeitung „Le Soir“ berichtete am Sonntagnachmittag, Macron liege mit mehr als 60 Prozent der Stimmen klar vor seiner Konkurrentin. Die Zeitung berief sich auf vier nicht benannte Umfrageinstitute.

          Die beiden Finalisten stehen für gegensätzliche Weltbilder und hatten sich im Wahlkampf scharf attackiert. Le Pen ist die Kandidatin der rechtsextremen Partei Front National, die sie 2011 von ihrem Vater Jean-Marie Le Pen übernommen hatte. Die 48-Jährige will im Fall eines Wahlsiegs den Euro als gängiges Zahlungsmittel abschaffen und ein Referendum über die EU-Mitgliedschaft Frankreichs ansetzen. Nach dem Brexit-Votum und der Wahl Donald Trumps zum amerikanischen Präsidenten würde ein Erfolg Le Pens populistischen Kräften neuen Auftrieb verschaffen.

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