https://www.faz.net/-gpf-8vv9q

Mögliche Folgen für den Euro : „Angst vor Wilders? Le Pen ist das größte Risiko“

Marine Le Pen: Europas größtes Risiko? Bild: dpa

Der Chefökonom der niederländischen Fondsgesellschaft Robeco sieht die Wahlen in seiner Heimat am Mittwoch gelassen. Viel mehr Sorgen macht ihm ein anderes Land.

          3 Min.

          Die Welt ist im Umbruch. Ob es nun der Austritt Großbritanniens aus der EU ist oder die neuen Unwägbarkeiten der amerikanischen Politik sind, die Finanzmärkte haben viel zu verarbeiten. Einige Beobachter hat diese Entwicklung überrascht und sie mutmaßen, die Akteure seien mit den bevorstehenden Veränderungen überfordert.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Léon Cornelissen, Chefökonom der niederländischen Fondsgesellschaft Robeco, hat eine andere Interpretation: „Es ist noch nichts passiert. Großbritannien hat den Austritt nach Artikel 50 noch nicht eingeleitet. Und auch von Trump haben wir noch nicht wirklich etwas gesehen: Viel Lärm, aber wenig Substanz.“ Zudem habe sich der Brexit in der deutlichen Abwertung des Pfundes durchaus niedergeschlagen.

          „Nexit wäre Selbstmord“

          Nicht, dass Cornelissen entspannt wäre. Obwohl er den nächsten Prüfstein, die am Mittwoch bevorstehenden Wahlen in seinem Heimatland vergleichsweise nicht als solchen betrachtet. Schon gar nicht sieht er einen „Nexit“, also ein Austritt der Niederlande aus dem Euro, im Bereich des Möglichen. „Nur 25 Prozent der Niederländer sind gegen den Euro. Wir sind eine kleine Handelsnation – da wäre so ein ‚Nexit‘ Selbstmord.“

          Mit einem vor kurzem erfolgten Parlamentsbeschluss, eine Kommission die Vor- und Nachteile des Euro für die Niederlande auflisten zu lassen, hätten die Christdemokraten viel mehr der Freiheitspartei PVV des Populisten Wilders das Wasser abgraben wollen. Sicher werde die Regierungsbildung länger dauern. Aber das habe in den Niederlanden durchaus Tradition.

          Wilders werde an der Regierung nicht beteiligt sein, da ist sich Cornelissen ziemlich sicher. Selbst im Falle eines Wahlerfolgs sei die PVV in der Länderkammer weiter schwach vertreten, deren Zusammensetzung sich erst 2019 wieder ändern werde. „Und selbst wenn der Euroraum auseinanderfallen sollte, werden wir auf der Währungsseite wieder Deutschland folgen – so wie wir das schon immer gemacht haben.“

          „Frexit führt zu Finanzkrise“

          Mit Blick auf Europa hat der Niederländer ganz andere Sorgen. Diese haben einen Namen: Marine Le Pen. „Der Front National hat dezidierte Pläne zur Einführung eines neuen Franc und einer Umschuldung. Ein Frexit aber ist eine ganz andere Sache als ein Brexit oder Grexit. Und ein Euro-Austritt Frankreichs würde eine Finanzkrise auslösen, die vermutlich Jahre anhält.“

          Der Ökonom geht davon aus, dass dann eine massive Flucht aus dem Euro in den Dollar einsetzt. Auch innerhalb des Euroraums würden sich die Gewichte verschieben. Besonders französische Anleihen würden verkauft, während deutsche, niederländische oder finnische Wertpapiere gesucht wären.

          Tatsächlich werde es schon genügen, wenn Le Pen im ersten Wahlgang die meisten Stimmen erhalte. „Die Märkte werden dann sofort in den Risk-Management-Modus gehen und in erster Linie von Frankreich und in zweiter Linie von Euroraum Abstand nehmen.“ Wenn Le Pen dann doch nicht gewählt würde, könnte sich das alles wieder beruhigen. „Im Gegenteil: Unter einem Gespann aus Fillon oder Macron und Merkel oder Schulz könnte sich die Lage des Euroraums und das Ansehen des Euro sogar verbessern. Aber: Wir wissen einfach nicht, was passieren wird.“

          Weitere Themen

          Ein Ire statt einer Spanierin

          Neuer Chef der Eurogruppe : Ein Ire statt einer Spanierin

          Alle vier großen EU-Staaten wollten die spanische Wirtschaftsministerin an der Spitze der Eurogruppe sehen. Gewählt wurde der Ire Paschal Donohoe. Der Bundesfinanzminister reagiert angesäuert.

          Topmeldungen

          Eines der großen Anliegen unserer Zeit: Nach der Demo bleibt das durchweichte Schild.

          Kampf um Meinungsfreiheit : Das große Unbehagen

          Mehr als 150 Intellektuelle protestieren gegen ein erstickendes Meinungsklima und Repressalien gegen Andersdenkende. Dabei werfen sie vor allem dem Journalismus, den Wissenschaften und Künsten Intoleranz und Moralisieren vor.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.