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Hochrechnung zur Parlamentswahl in Frankreich : Macrons Partei gewinnt erste Runde mit rund 32 Prozent

  • Aktualisiert am

Neuer Liebling der Franzosen: Präsident Emmanuel Macron. Bild: TESSON/POOL/REX/Shutterstock

Es geht weiter mit der politischen Umwälzung in Frankreich. Bei der ersten Runde der Parlamentswahl wird die neue Partei von Präsident Macron aus dem Stand stärkste Kraft. Nach ersten Hochrechnungen kommt sie auf rund 32 Prozent.

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          Das Lager des neuen französischen Präsidenten Emmanuel Macron liegt bei der ersten Runde der Parlamentswahl nach einer ersten Hochrechnung des Instituts Kantar Public-onepoint klar vorne. Danach kommt Macrons Partei La République en Marche und die mit ihr verbündete Zentrumspartei der moderaten Demokraten auf etwa 32,9 Prozent. Berechnungen zufolge kann der sozialliberale Präsident bei der zweiten Wahlrunde am kommenden Sonntag mit einer klaren absoluten Mehrheit der Mandate in der Nationalversammlung rechnen.

          Für die beiden traditionellen französischen Regierungsparteien ist
          das Ergebnis jedoch eine weitere herbe Schlappe. Die Konservativen kamen mit 21 bis 21,5 Prozent auf Platz zwei. Die Sozialisten von Macrons Amtsvorgänger François Hollande, die bislang in der Nationalversammlung den Ton angaben, stürzten auf ein Ergebnis von neun bis zehn Prozent ab. Der rechtsextreme Front National von Marine Le Pen kommt ebenfalls auf ein im Vergleich zu den Umfragen und der Präsidentschaftswahl mehr als enttäuschendes Ergebnis von 13,5 bis 14 Prozent, genauso viel wie die linksradikale Partei La France insoumise.

          Endergebnis 1. Wahlgang 2017
          Ergebnisse im Detail

          Macron hat seine erst vor gut einem Jahr gegründete Partei „weder rechts noch links“ positioniert und eine Regierung mit Politikern aus mehreren Lagern ernannt.

          In großen französischen Städten schlossen die Wahllokale um 20 Uhr, auf dem Land schon eine Stunde früher. Bei der Wahl in zwei Wahlgängen innerhalb von sieben Tagen werden die 577 Sitze der Nationalversammlung neu vergeben. Der neue Staatschef Macron erhofft sich von der Abstimmung ein Signal für einen Aufbruch und eine klare Mehrheit im Parlament für seine Reformvorhaben. Das endgültige Ergebnis wird erst nach dem zweiten Wahlgang am kommenden Sonntag feststehen.

          Frankreich steuerte beim ersten Wahlgang jedoch trotz der hohen Beliebtheitswerte für den neuen französischen Präsidenten auf eine historisch schwache Wahlbeteiligung zu. Bis zum späten Sonntagnachmittag gaben 40,75 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab, wie das Innenministerium bekanntgab. Das war deutlich weniger als vor fünf Jahren. Das Meinungsforschungsinstitut Elabe erwartete bis zum Ende des Tages eine Wahlbeteiligung von 49 Prozent - damit wäre jeder zweite Wahlberechtigte zuhause geblieben. Es wäre der niedrigste Wert bei einer Parlamentswahl seit Gründung der Fünften Republik 1958.

          Umfragen vor der Wahl hatten es für möglich gehalten, dass Macrons Partei die Marke von 400 Abgeordnetensitzen übertrifft und somit eine klare absolute Mehrheit erringt. Die Parlamentswahl wäre damit die Fortsetzung einer beispiellosen politischen Umwälzung in Frankreich. Denn Macrons erst vor gut einem Jahr gegründete Partei tritt zum ersten Mal überhaupt bei einer Wahl an. Über ein halbes Jahrhundert hinweg hatten Sozialisten und bürgerliche Rechte die Geschicke des Landes bestimmt.

          Front National in untergeordneter Rolle

          Die Front National der Rechtspopulistin Marine Le Pen ist bislang nur mit zwei Abgeordneten vertreten und könnte ihre Position nach der ersten Prognose ausbauen. Im Vergleich zur Präsidentenwahl, wo Le Pen es in die Stichwahl gegen Macron geschafft hatte, dürfte die Partei aber nur eine untergeordnete Rolle spielen. Das Mehrheitswahlrecht macht es kleinen Parteien ohne gewichtige Bündnispartner schwer, Sitze zu erobern.

          Um bereits im ersten Wahlgang gewählt zu werden, brauchen Kandidaten eine absolute Mehrheit in ihrem Wahlkreis. Das schaffen nur die wenigsten.

          Mit einer absoluten Mehrheit in der Nationalversammlung hätte Macron großen Spielraum für seine Gesetzespläne, um Frankreichs Wirtschaft in Schwung zu bringen. Eines seiner ersten Vorhaben ist eine umstrittene Lockerung des Arbeitsrechts, die er bereits in den kommenden Monaten durchsetzen will.

          Wegen der Terrorgefahr in Frankreich wurde die Abstimmung von rund 50 000 Polizisten geschützt. Am vergangenen Dienstag hatte ein Ordnungshüter vor der Pariser Kathedrale Notre-Dame nach einem Hammerangriff auf einen Terrorverdächtigen geschossen. Der 40-Jährige Angreifer wurde inzwischen in Untersuchungshaft genommen.

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