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Porträt : Der unergründliche Monsieur Macron

Le Pen nutzte Macrons Siegesfeier

In ihrem Buch klärt Fulda darüber auf, warum Macron seinen Erfolg im ersten Wahlgang mit 24 Prozent der Wählerstimmen zu später Stunde mit engen Mitarbeitern und einigen prominenten Freunden in der Brasserie „La Rotonde“ feierte. Marine Le Pen hat die Feier genutzt, um Macron in die Nähe Sarkozys zu rücken, der 2007 seine Wahl zum Präsidenten in dem Nobelrestaurant „Le Fouquet’s“ auf den Champs-Elysées zelebrierte. Die Fernsehbilder der Party der selbstverliebten Pariser High Society schockierten damals nachhaltig die meisten Wähler. Le Pen versuchte die Vorstellung einer von den Sorgen der gewöhnlichen Franzosen weit entfernten Pariser Polit-Schickeria wiederzubeleben. Sie hielt Macron vor, in einem „teuren Restaurant“ mit seinen hochgestellten Freunden aus der Finanzwelt und dem Showbusiness noch vor der Zeit seinen Sieg gefeiert zu haben.

Bisher liegt Macron in den Umfragen deutlich vorne. Am Sonntag könnte er der neue französische Präsident werden.

Fulda sieht das ganz anders. „La Rotonde ist ein Restaurant, in dem Macron oft in seinen jungen Jahren war, als er in dem Viertel wohnte. Später als Investmentbanker bei Rothschild, als er während der sozialistischen Vorwahlen den Kandidaten François Hollande beriet, hat er sich dort regelmäßig mit einer Gruppe von Ökonomen getroffen, um das Programm Hollandes auszuarbeiten. Das ist also ein Ort, dem er sehr verbunden ist“, sagt die Autorin. „Viele Leute haben La Rotonde mit Le Fouquet’s verglichen, aber das ist überhaupt nicht zu vergleichen. Es handelt sich um eine Brasserie im Montparnasse-Viertel, nicht um ein Luxusrestaurant. Hier haben sich immer viele Leute aus dem Geistesleben getroffen, Schriftsteller, Intellektuelle und Verleger.“

Offener Mensch mit wenigen Vertrauten

„Emmanuel Macron? Er wirkt ein wenig wie ein Mutant“, sagte der Schriftsteller Michel Houllebecq im Januar in einem Fernsehgespräch im staatlichen Sender France 2. Fulda zitiert den Autor des prophetischen Romans „Unterwerfung“, um ihre eigene Schwierigkeit zu betonen, Macron nach wochenlangen Recherchen und Gesprächen mit ihm genau zu erfassen. „Er ist bizarr, man weiß nicht, woher er kommt“, sagte Houllebecq. Und weiter: „Ich habe versucht, ihn zu interviewen. Er spricht sehr gut, aber ihm eine Wahrheit zu entreißen, das ist wirklich sehr schwer.“

Fulda nennt Macron „unergründlich“. Niemand kenne ihn wirklich. Er habe ganz wenige Freunde, der wichtigste sei der Ökonomieprofessor Marc Ferraci, sein Trauzeuge. Dabei kenne er wirklich sehr viele Leute, sei ein Kontaktmensch, der jedem den Eindruck gebe, er widme ihm seine volle Aufmerksamkeit. Alle seien fasziniert von seinem Charisma, von seiner Überzeugungskunst. Fulda bezeichnet ihn als „asexuellen Don Juan“. Zugleich wisse aber niemand, was er wirklich denke. Darin ähnele er Präsident Hollande. „Mehrere Leute, die Hollande und Macron gut kennen, haben mich auf ihre Gemeinsamkeiten aufmerksam gemacht. Dieser Gegensatz zwischen einer liebenswerten, entgegenkommenden, sympathischen, ja beinahe freudigen Fassade und einer Persönlichkeit, die in Wahrheit messerscharf sein kann, von einer eisigen Entschlossenheit und Undurchdringlichkeit“, beobachtete Fulda und fügte hinzu: „Seine Frau Brigitte hat mir anvertraut: Er braucht niemand. Er lässt niemand in seinen Sperrbereich ein.“

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