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Marine Le Pen : Brutal und nicht herzlich

Die Rechtspopulistin Marine Le Pen am Tag nach der TV-Debatte Bild: Reuters

Die Kandidatin des Front National bestätigt mit ihren Auftritten all jene, die ihre Präsidentschaft mit einer Katastrophe gleichsetzen. Das Verhalten von Marine Le Pen ist einer Präsidentin schlicht unwürdig.

          Die Umfragen sehen den sozialliberalen Unabhängigen Emmanuel Macron schon geraume Zeit deutlich vorn; und die Zuschauer der Fernsehdebatte mit Marine Le Pen fanden ihn auch weit überzeugender als die Rivalin vom rechten Rand. Ist der Kampf um das Amt des französischen Präsidenten faktisch entschieden? Die Anführerin des Front National hat jedenfalls eine in Teilen offenkundig bei Donald Trump abgeschaute Darbietung geboten, die all denjenigen recht gibt, die eine Präsidentin Le Pen für eine Katastrophe halten: für Frankreich, Deutschland, für Europa.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

          Es ist nicht leicht zu sagen, was stärker ins Gewicht fällt: Le Pens Aggressivität, ihre Dauerbeleidigungen oder ihre Halb- und Unwahrheiten. Alles ist einer Präsidentin unwürdig, mag sie sich auch als Patronin des Volkes gerieren, die Macron als wilden Globalisierer und Adjutanten Merkels denunzierte. Ihre Ausführungen zum Euro und zur Wirtschaftspolitik verrieten eine Ahnungslosigkeit, die noch unentschiedenen Wählern gewiss aufgefallen sein dürfte.

          Märchen und Unsinn

          Ihren Anhängern wiederum wird es gefallen haben, dass sie – wie Rechts- und Linkspopulisten in anderen Ländern auch – vehement für höhere Sozialleistungen aller Art eintrat; ihnen wird es auch gleichgültig sein, ob das zwangsläufig die Staatsverschuldung erhöht. Man muss ja nur aus dem Euro austreten und die Mauern des Protektionismus hochziehen – und Frankreich wird ein Wirtschafts- und Sozialstaatswunderland. Le Pen scheint dieses Märchen, diesen Unsinn tatsächlich zu glauben.

          Es ist schon oft gesagt worden, und es ist wahr: Die französischen Wähler stehen vor einer historischen Richtungsentscheidung. Die Kandidaten könnten gegensätzlicher kaum sein, ihre Vorstellungen von einer gedeihlichen Zukunft auch nicht. Le Pens antideutsche Ausfälle – man muss schon sagen: ihre Hetze gegen Deutschland und die Bundesregierung – machen hierzulande sprachlos. Mit Macron, der seinen Teil dazu beitrug, dass es in dieser sogenannten Debatte so brutal zuging, dürfte Deutschland zwar auch manchen europapolitischen Strauß ausfechten. Aber das wäre vermutlich wenig im Vergleich zu dem, was uns unter Le Pen drohte. Chirac hatte 2002 Le Pens Vater ein TV-Duell verwehrt; die große Bühne wollte er ihm nicht geben. Macron trat gegen die Tochter an. Ob das ein Fehler war oder nicht – die Brutalität des Zusammenpralls wird ihre Wirkung am Sonntag zeigen.

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