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Brigitte Macron : Wer ist die neue Première Dame?

Emmanuel Macron und seine Frau Brigitte am Sonntag vor dem Louvre Bild: Reuters

In Paris, wo sonst gern Politiker ihre Frauen für jüngere Geliebte verlassen, zieht mit Brigitte Macron nun eine Frau in den Elysée-Palast, die es andersherum gemacht hat.

          Die First Lady heißt in Frankreich „Première Dame“ – und manchmal zerschlägt sie Porzellan im Elysée-Palast. Kostbare Vasen aus der berühmten Kristallmanufaktur Sèvres sollen beim theatralischen Abschied Valérie Trierweilers zu Bruch gegangen sein, so lautet ein Gerücht, das sich in Paris hartnäckig hält. Sicher ist, dass die betrogene Lebensgefährtin François Hollandes ins Krankenhaus Pitié-Salpêtrière verbracht werden musste, um sich vom Trennungsschock zu erholen.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Kaum war sie genesen, rechnete sie in dem Buch „Merci pour ce moment“ mit ihrem untreuen Gefährten ab. Seit diesem Skandal sind die Franzosen ohne Première Dame – mehr als drei Jahre schon. Deshalb blicken sie jetzt mit einer Mischung aus Neugier und Argwohn auf die neue Frau, die Frankreich an der Seite des gewählten Präsidenten repräsentieren soll.

          Die Generation der feministisch inspirierten Pionierfrauen

          Brigitte Macron wurde 1953 geboren, im gleichen Jahr wie Ségolène Royal, die 2007 beinahe in den Elysée-Palast eingezogen wäre, allerdings als Präsidentin. Wie Royal gehört sie einer Generation von feministisch inspirierten Pionierfrauen an, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, von Gleichberechtigung und Weiblichkeit vorführten. Für ihre Kinder wurden sie damit zu ziemlich anstrengenden Superfrauen, weil sie alle Herausforderungen mit scheinbarer Leichtigkeit meisterten.

          Brigitte Macrons Lachfältchen zeugen davon, dass in ihrem Leben mehr glatt als schief lief. Ähnlich wie bei Royal ging ihre Beziehung zum Vater ihrer Kinder in die Brüche, als die Kinder aus dem Gröbsten heraus waren. Nur war der Grund ein ganz anderer, und das macht die Geschichte der Brigitte Macron zu einer Art nationalem Erbauungsroman, Happy End inklusive. Denn die flotte Blondine, jüngster Spross einer angesehenen Chocolatier-Dynastie in Amiens, wurde – anders als Royal – nicht verlassen, sie verließ. Royal hatte in einem medialen Kraftakt zwar auch versucht, sich als handelndes Element in ihrem Trennungsdrama darzustellen. „Ich habe ihn vor die Tür gesetzt“, bekundete sie. Aber ganz Frankreich wusste, dass François Hollande da längst schon in den Armen der jüngeren Trierweiler lag.

          Die neue Première Dame in Paris: Brigitte Macron, hier bei der Abgabe ihres Stimmzettels am Sonntag

          Brigitte Macron hat das Vermögen, eine ganze Generation von erfolgreichen Feministinnen zu rächen, deren Ideale irgendwann von männlicher Untreue verraten wurden. Sie ist das lachende Gegenmodell zu Sylvie Brunel, die ein „Handbuch der Guerrilla zu Diensten der Frauen“ verfasste, nachdem ihr Ministergatte sie für eine Jüngere verlassen hatte.

          Kurz vor ihrem 40. Geburtstag brach „Bibi“, wie ihre Freunde sie nennen, aus ihrem bürgerlichen Leben mit einem Bankier, drei Kindern und Landhaus im vornehmen Badeort Le Touquet aus. Brigitte Auzière, wie sie damals hieß, musste nicht arbeiten, sie unterrichtete mit der Leidenschaft einer Frau, die ihren Beruf aus freien Stücken gewählt hatte. Ihre ungewöhnliche Liebesgeschichte ist schon oft erzählt worden: Am Jesuitengymnasium in Amiens leitete sie als Französischlehrerin die Theatergruppe. Macron war damals 15 Jahre alt und schrieb sich ein. Im folgenden Schuljahr überarbeiten sie gemeinsam ein Theaterstück für eine Aufführung. „Die Theaterarbeit hat uns jeden Freitag zusammengebracht und eine unglaubliche Nähe ausgelöst“, beschrieb Brigitte Macron die Anfänge ihrer Beziehung in „Paris Match“. „Ich spürte, dass ich ins Wanken geriet, und er auch.“

          Seit zehn Jahren verheiratet: Brigitte und Emmanuel Macron während des Wahlkampfs in Paris

          Macrons Eltern waren damals alles andere als begeistert. Sie hatten zunächst geglaubt, ihr Sohn habe sich in Laurence, die Tochter der Lehrerin, verliebt, die in seine Klasse ging. In der Biographie „Emmanuel Macron, un homme si parfait“ dementieren Macrons Eltern jedoch die Legende, sie hätten ihren Sohn kurz vor dem Abitur nach Paris „verbannt“, damit er die Verbindung löse. Es sei vielmehr seit langem geplant gewesen, dass er auf einer der besten Gymnasien der Hauptstadt sein Baccalauréat ablege, sagte der Vater, ein Arzt. Auch die beiden jüngeren Geschwister seien für ihr letztes Schuljahr vor dem Abitur nach Paris geschickt worden. Macron versprach kurz vor seinem Umzug nach Paris seiner Lehrerin: „Egal, was Sie tun: Ich werde Sie heiraten.“

          Macron: „Die wahre Tapferkeit lag bei ihr“

          Im Jahr 2007 gaben sich die beiden in Le Touquet das Ja-Wort, 33 Jahre nach Brigittes erster Eheschließung. Der frühere Premierminister Michel Rocard und seine Frau zählten zu den Hochzeitsgästen. Denn längst hatte der junge Macron seinen kometenhaften Aufstieg in der Welt der Politik begonnen. In seinem Buch „Révolution“ zollte Macron rückblickend seiner Frau Respekt: „Die wahre Tapferkeit lag bei ihr. Sie hatte drei Kinder und einen Mann. Ich war nur Schüler und nichts weiter. Sie hat mich nicht dafür geliebt, was ich hatte, für meinen Status, oder den Komfort und die Sicherheit. Sie hat auf all das für mich verzichtet.“

          Bevor er als Investmentbanker bei Rothschild viel Geld verdiente, war es Brigitte, die für den Lebensunterhalt in Paris aufkam. Sie unterrichtete an „Franklin“ (eigentlich: Saint-Louis-de-Gonzague), einer katholischen Privatschule im vornehmen 16. Arrondissement, auf das die gute Pariser Gesellschaft ihren Nachwuchs schickt. Erst als ihr Mann Wirtschaftsminister wurde, hört sie auf, als Lehrerin zu arbeiten. Ihre herzliche, stets hilfsbereite Art hat sie sich bewahrt.

          Den großen Altersunterschied kommentierte sie kürzlich mit Humor. „Es wäre besser, wenn Emmanuel jetzt in den Elysée-Palast einzieht“, sagte sie. „Stellen Sie sich vor, wie ich in fünf Jahren aussehen werde!“ Ihre Imagepflege hat sie inzwischen der Pariser Star-Agentin Mimi Marchand anvertraut. Ihre Garderobe stellt das Luxusunternehmen LVMH als freundliche Leihgabe. Emmanuel und Brigitte Macron sind befreundet mit Delphine Arnault, der Tochter des LVMH-Gründers und deren Gefährten Xavier Niel, dem Telekom-Zar. Macron hat versprochen, dass er die Rolle der Première Dame gesetzlich festlegen lassen wolle, damit sie nicht Vorwürfen ausgesetzt werde. Für seinen Wahlsieg dankte er seiner Frau, „ohne die ich nicht ich wäre“.

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