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Macrons Sieg für Europa : In Paris sitzt ein Partner mit Schneid

  • -Aktualisiert am

Am Fuße des Eiffelturms: Präsident Macron dankt seinen Anhängern. Bild: Reuters

Macron hat sich den Verbitterten nicht angebiedert, sondern seine Überzeugung vertreten: Europa ist die Lösung. Damit das stimmt, muss sich auch Berlin anstrengen.

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          Auch für Deutschland ist Emmanuel Macrons Wahlsieg in diesem düsteren Jahr die beste Nachricht seit langem. Mit einer Präsidentin Le Pen wäre keine gedeihliche Partnerschaft in Europa möglich gewesen, schon gar nicht eine Front gegen den Angriffskrieg ihres Förderers und langjährigen Vorbilds Wladimir Putin. Dennoch dürfte das Pariser Ergebnis die Berliner Erleichterten noch fordern.

          In der Konfrontation gegen eine erschütternd große Gruppe verhärteter Rechtsradikaler und eine noch größere Gruppe von Unzufriedenen in deren Windschatten hat Macron sein Heil nicht in taktischer Europaskepsis gesucht, wie es so viele europäische Politiker in ähnlicher Bedrängnis taten. Vielmehr hat er den Schneid besessen, für die EU als Lösung der Globalisierungsprobleme zu werben, sowohl der materiellen als auch der identitätspolitischen.

          Von Scholz' Zeitenwende hängt auch für Macron viel ab

          Nun muss er „liefern“. Also muss die EU liefern, und das geht nicht ohne Bundeskanzler Olaf Scholz. Darum hängt auch für Macron viel von der Berliner „Zeitenwende“ ab. Wenn Scholz es schaffen sollte, dass sich Deutschland militärisch und politisch zu einer Säule europäischer Souveränität entwickelt, dann gewönne der deutsch-französische Motor einige Zugkraft.

          Andererseits stellt sich für Paris die Frage, welche fiskalpolitischen Schlüsse Berlin aus der schuldenfinanzierten Aufrüstung zieht: Bleiben die in der Pandemie geöffneten Schleusen offen, oder kehrt die deutsche Strenge zurück nach Europa?

          Macron ist der erste französische Präsident seit 2002, dem die Franzosen eine zweite Amtszeit zugebilligt haben. Die Kehrseite seines Triumphs ist seine Schmach: Nach fünf Jahren unter seiner Führung hielten zwei von fünf Franzosen Marine Le Pen für die bessere Wahl. Macron wäre aber nicht Macron, wenn er sich davon bremsen ließe. Seine Lektion lautet, dass man sich den Verbitterten nicht anbiedert, sondern dass man für seine Werte kämpft. Berlin findet in Paris einen Partner mit fünf Jahren Erfahrung, aber so viel Energie wie nach dem ersten Sieg.

          Andreas Ross
          Verantwortlicher Redakteur für Nachrichten und Politik Online.

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