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Lencke Steiner im Porträt : Die Verpackungskünstlerin der FDP

Dafür wird drinnen, im engen Büro, jetzt die Zukunft der FDP geplant. Schon allein, weil die außerparlamentarische Partei in Bremen kaum über eine eigene Infrastruktur verfügt. Aus Berlin angereist ist Christian Renatus, Kommunikationsberater der Bundes-FDP, gebürtig aus dem Erzgebirge und mit sächsischem Akzent. Der Mann, zu DDR-Zeiten im Bezirk Karl-Marx-Stadt Vorsitzender der Blockpartei LDPD, ist ein Vollprofi. Er hat im erfolgreichen Bundestagswahlkampf 2009, als die FDP ihr historisch bestes Ergebnis einfuhr, die Werbemaßnahmen koordiniert. Auch er hat allerdings 2013 nicht verhindern können, dass die Partei zum ersten Mal nicht in den Bundestag kam.

„Puschy“ ist sich für kaum einen Spaß zu schade

Renatus findet nichts anrüchig daran, mit einer attraktiven Frau zu werben. „Da gefallen mir auch manche Reaktionen aus der eigenen Partei nicht“, sagt er. Am nächsten Tag ist das Fotoshooting für die Wahlplakate angesetzt. Sie sollen ausnahmslos Lencke Steiner zeigen. In Hamburg hat jeder vierte FDP-Wähler allein wegen der Spitzenkandidatin für die Partei gestimmt. Das soll jetzt auch in Bremen klappen. Für die Optik ist die Berliner Agentur „Heimat“ zuständig, der Werber Andreas Mengele bemüht sich an diesem Vormittag eigens aus dem Kreuzberger Loft auf den Bremer Gewerbehof. Er war es, der den „Freien Demokraten“ die neue Farbe Magenta verpasste.

Am Tisch sitzt auch der FDP-Landesvorsitzende Hauke Hilz, ein 37-jähriger Professor für Lebensmittelchemie an der Hochschule Bremerhaven. Er trägt die konsequente Personalisierung mit. „Sonst hätt ich ja selbst kandidieren können“, witzelt er, als Kommunikationschef Renatus sein Lob auf die attraktive Kandidatin anstimmt. Mit Jeans und Polohemd wirkt Hilz eher jungenhaft als professoral, zu unauffällig jedenfalls für eine Partei, die um jeden Preis wahrgenommen werden will.

Das ist eine Gratwanderung, gerade auch für eine extrovertierte Frau wie Steiner (Spitzname „Puschy“), die sich für kaum einen Spaß zu schade ist. Zum Auftakt will Steiner am kommenden Donnerstag gemeinsam mit der Hamburger Wahlsiegerin Katja Suding und der FDP-Generalsekretärin Nicola Beer auftreten, in einem Lokal in Schwachhausen, einem besseren Wohnviertel der Stadt. 60 bis 80 Leute werden erwartet, so sind die Verhältnisse bei der Bremer FDP.

Als arrogante Erbin beschimpft

Steiner schlägt in der Wahlkampfrunde vor, das Bild aus der Zeitschrift „Gala“ nachzustellen: Dort posierten die drei Politikerinnen zu Jahresanfang unter der Überschrift „Drei Engel für Lindner“. Kommunikationsprofi Renatus rät von einer Wiederholung strikt ab: Auf keinen Fall dürfe man Erinnerungen an die „Spaßpartei“ wecken, die einst mit „Guidomobil“ durch die Lande zog.

Die Spitzenkandidatin schaut verständnislos. Als sich Guido Westerwelle die „18“ an die Schuhsohle klebte, war Lencke Steiner gerade 16 Jahre alt und interessierte sich noch nicht sonderlich für Politik. Jedenfalls tut sie heute so. „Spaßpartei?“, fragt sie. „Ist ja witzig. Das hat der wirklich gemacht?“ Vielleicht muss man so unbefangen sein, um sich nach allem, was passiert ist, auf das Projekt FDP noch einzulassen.

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