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Jens Böhrnsen : Der Brückenbauer

  • -Aktualisiert am

Wahlkampf auf Gröpelingens Straßen: Seit 65 Jahren regiert in Bremen die SPD. Diese Tradition will Böhrnsen fortsetzen Bild: F.A.Z.-Daniel Pilar

Bürgermeister Jens Böhrnsen ist wie Bremen: hanseatisch, unaufdringlich, sozialdemokratisch. Doch die Bremer SPD leidet unter Mitgliederschwund. Böhrnsen mag der rechte Mann sein - eine Kehrtwende traut ihm keiner zu.

          Er kommt nicht nur her, wenn Wahl ist: Zumindest im Bremer Stadtteil Gröpelingen, aus dem Böhrnsen stammt, stimmt dieser Satz. Viele grüßen den Bürgermeister auf der Straße unbefangen. Er kennt Namen und Lebensgeschichten nicht weniger seiner Gesprächspartner. Bei einem Wahlkampf-„Spaziergang“ durch Gröpelingen wird er von einer Moscheegemeinde zum Tee eingeladen, besucht den Sporttreff eines türkischen Fußballvereins, fragt beim Plausch mit Senioren in einem Straßencafé, was sich seit seinem letzten Besuch getan habe oder wie die Einstellung der Jungen zu Religion und traditionellem Leben sei. Wahlkampf mache ihm Spaß, sagt der bremische Bürgermeister, der sich an diesem Sonntag wieder zur Wahl stellt.

          Im kleinen Kreis fühlt sich der Spitzenkandidat der SPD wohler als vor großen Scharen, auch wenn er da gegenüber dem November 2005, als er das Amt des Senatspräsidenten von Henning Scherf (SPD) übernahm, an Gelassenheit gewonnen hat. Seit der Gründung des Bundeslandes stand stets ein SPD-Politiker an seiner Spitze. Dass aus den bisher 65 Jahren SPD-Herrschaft nun 69 Jahre werden, gilt als sicher: weil Bremen stets „links“ war; weil die Bremer gar keine andere Regierungspartei kennen und sich auch keine andere vorstellen wollen; weil die Grünen fest zur SPD stehen und weil die bürgerliche Opposition durch Spaltungen geschwächt ist.

          Nicht vom inneren Zwist verschont geblieben

          Umfragen kurz vor der Wahl sehen die SPD mit 36 bis 37 Prozent vorne; mit den Grünen zusammen dürfte die SPD mindestens drei Fünftel der Sitze in der Bürgerschaft erringen. Dabei wäre dies Ergebnis für Bremer Verhältnisse alles andere als glänzend – nur einmal, 1995, lag es mit 33,4 Prozent darunter. Vor vier Jahren erreichte die SPD 36,7 Prozent. Mehr als 50 Prozent der Stimmen errang die SPD zuletzt 1987. Die Krise der Volksparteien ist auch in Bremen sichtbar: Überalterung, Austritte, eine Halbierung der Mitgliederzahl in den letzten 15 Jahren, was unter allen SPD-Landesverbänden der stärkste Mitgliederschwund ist. Böhrnsen mag der rechte Mann sein, diese Aushöhlung zu stoppen, eine Kehrtwende jedoch traut ihm keiner zu.

          Die Bremer SPD ist nicht von innerem Zwist verschont geblieben. Kaum einer der von der SPD gestellten Senatoren glänzt in seinem Ressort. Tatkraft zeigt vor allem der wohl scheidende Innensenator Ulrich Mäurer im Kampf gegen einen sich anbahnenden Rockerkrieg in Bremen. Nach interner Kritik wurde erst vor kurzem der Bundestagsabgeordnete Uwe Beckmeyer als Landesvorsitzender von dem Juristen Andreas Bovenschulte abgelöst. Öffentlich sichtbar wurden Zerwürfnisse auch, als im Januar der langjährige Bürgerschaftsabgeordnete und Haushaltspolitiker Detlef Griesche nach 35 Jahren die SPD mit dem Vorwurf verließ, sie führe eine „ideologisch verblendete wirtschaftsfeindliche Politik“. Auch Bürgerschaftspräsident Christian Weber bekam Flügelkämpfe zu spüren – seine Partei setzte ihn auf ihrer Kandidatenliste weit nach hinten, offenbar will ein Teil der SPD ihn aus dem Amt drängen. Die SPD ist gespalten in einen pragmatischen wirtschaftsnahen und einen linken Flügel. Für den ersten stand der frühere Bundestagsabgeordnete Volker Kröning, für letzteren sein Nachfolger Carsten Sieling, der aus seiner Zeit als Fraktionsvorsitzender in der Bürgerschaft genug Kontakte behalten haben dürfte, um beim Rückzug Böhrnsens stärkster Bewerber für dessen Nachfolge zu sein.

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