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Wahl in Brandenburg : Verlorene Hoffnungen und zehntausende Jungwähler

  • -Aktualisiert am

Die Wahlbeteiligung ist „eher verhalten“ Bild: dpa

Die SPD spielt ihre Favoritenrolle herunter, und die Grünen müssen zittern. Die FDP dürfte sich keine Hoffnung mehr machen, die AfD umso mehr. Die größte Innovation der Landtagswahl in Brandenburg sind die 38.000 neuen Jungwähler.

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          „Eher verhalten“, meldet die Deutsche Presseagentur am Sonntag, sei bis mittags die Beteiligung an der Landtagswahl in Brandenburg gewesen. Dafür wird es eine Erklärung geben: Denn dass die SPD, die seit 1990 im Land als stärkste Kraft regiert, abermals als zweifelsfreie Favoritin ins Rennen geht, wird den Menschen nicht das Gefühl vermitteln, hier sei eine Richtungsentscheidung zu treffen.

          Zwar hat Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) im August geäußert, die rot-rote Koalition habe gut zusammengearbeitet, zwar hat er behauptet, seinen Herausforderer von der CDU, Michael Schierack, nicht näher zu kennen, doch hat die SPD ausdrücklich keinerlei Koalitionsaussage getroffen. Und so, wie Woidke, der vor fünf Jahren gegen Rot-Rot war, nun ein gutes Wort für den Koalitionspartner gefunden hat, könnte er nach der Wahl die Reize der märkischen Union schätzen lernen, wenn es gut für die Regierungspartei SPD wäre.

          Ministerpräsident Dietmer Woidke (SPD) mit seiner Frau bei der Stimmabgabe
          Ministerpräsident Dietmer Woidke (SPD) mit seiner Frau bei der Stimmabgabe : Bild: dpa

          Die Favoritenrolle wird also heruntergespielt. SPD-Generalsekretärin Klara Geywitz nannte die repräsentative Umfrage des ZDF-„Politbarometers“ eine „sehr schöne Momentaufnahme“. Der Schnappschuss zeigte 32,5 Prozent für die SPD. Bei der vergangenen Wahl im Jahr 2009 hatte sie 33 Prozent bekommen.

          Alles über zwanzig Prozent werden Schierack und die CDU als Erfolg feiern dürfen. Die 24 Prozent aus der vergangenen Woche sehen blendend aus, wenn man sie mit den 19,8 Prozent von 2009 vergleicht. Und auch die 19,4 Prozent aus der Landtagswahl von 2004 können kaum Trost spenden. Die Bundestagswahl von 2013 aber und die Kommunalwahlen in diesem Mai gaben zu den allerschönsten Hoffnungen Anlass: Allein Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) konnte sein Direktmandat verteidigen; alle anderen gingen an Kandidaten der Brandenburger CDU.

          Alles unter 25 Prozent würde die regierende Linkspartei kränken. Ihr Spitzenkandidat Christian Görke hat immer wieder das Wahlziel 25 Prozent plus ausgegeben, und selbst als der Trend auf 20 Prozent (wie im „Politbarometer“) zulief, noch munter gesagt, da seien noch einige Prozentpunkte Luft. Doch da sie vor fünf Jahren mit 27,2 Prozent abschnitt, und da sie – ebenso wie die SPD – auf recht erfreuliche Wirtschaftsdaten verweisen kann, würde ein allzu starker Wählerschwund in der Bundespartei das alte Thema „Regieren – Fluch oder Segen“ wiederbeleben.

          38.000 neue Jungwähler

          Die Brandenburger FDP darf sich keine Hoffnung aufs Überleben im Potsdamer Landtag machen, obwohl man gerade im Wahlkampf abermals Spaß an ihr gewinnen konnte. Nicht gerade an dem krampfig-originellen Plakat „Keine Sau braucht die FDP“, aber doch an den wackeren Auftritten ihres Fraktionsvorsitzenden Andreas Büttner. Doch die AfD hat allerbeste Aktien, auf Anhieb in den Landtag einziehen zu können: Stattliche 9,5 Prozent billigte ihr das „Politbarometer“ zu, obwohl weder die Partei noch ihr Spitzenkandidat Alexander Gauland ausgewiesene landespolitische Interessen haben.

          Die Grünen müssen bibbern. In den letzten Umfragen gelangten sie auf 5,5 bis sechs Prozent Zustimmung; das könnte ein spannender Abend werden. 2009 erhielten die Grünen 5,7 Prozent bei der Landtagswahl; und dass sie mit ihrer parlamentarischen Arbeit ihren Wählern Grund zur Unzufriedenheit gegeben hätten, ist von außen nicht festzustellen. Der Fraktionsvorsitzende Axel Vogel bekam Ursula Nonnemacher als Spitzenkandidatin an die Seite gestellt, die in den faden Wahlkampf-Runden Temperament und Sachkunde zeigte.

          Die größte Innovation in dieser Landtagswahl sind die 38.000 neuen Wähler. In Brandenburg wurde das Wahlalter auf 16 Jahre heruntergesetzt, so dass Jugendliche – wenn sie sich einig wären – unter den 2,1 Millionen Wahlberechtigten durchaus einen Unterschied machen könnten.

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