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AfD-Erfolge : Alternative aus dem Bauch

  • -Aktualisiert am

Freude auf der AfD-Wahlparty Bild: dpa

Die AfD jubelt: In Thüringen bekommt sie 10, in Brandenburg fast 12 Prozent. Ausgerechnet einer als Professorenvereinigung gescholtenen Partei gelingt es, die Gefühlslage einer Protestklientel zu treffen.

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          Mit dem dritten Wahlerfolg der AfD in einem Bundesland ist das Viszerale in die deutsche Parteienlandschaft zurückgekehrt. Dass es ausgerechnet einer als Professorenvereinigung gescholtenen Partei gelingt, die Gefühlslage einer bestimmten Klientel zu treffen, mag als Paradoxon der besonderen Art in die Geschichte eingehen. Treffend ist der Verweis auf die Bauchregion der AfD-Wähler aber, wenn es darum geht, den Erfolg ihrer Lieblingspartei zu erklären.

          Wieder sind am Wahlabend bunte Pfeile auf den Fernsehbildschirmen zu sehen, die nachweisen, aus welcher Vielzahl von Quellen die AfD ihren Erfolg speist. Doch erklären diese Wählerwanderungen nur, dass die AfD keine Nachfolgeorganisation einer anderen Partei ist. Erhellender ist eine Feststellung ganz anderer Art – nämlich, dass die AfD eine emotionale Partei ist. Ihr Protest speist sich aus Szenarien konkreter Bedrohung.

          Seien es Flüchtlingsboote auf dem Mittelmeer, Bürokraten in Brüssel, Kriminelle an Deutschlands Ostgrenzen, marode Banken, Rettungspakete oder ein auf die Gleichstellung Homosexueller angelegter Zeitgeist. Schon wer in der Gründungszeit der AfD auf Parteiveranstaltungen die nüchterne Atmosphäre eines Proseminars in Volkswirtschaftslehre erwartete, wurde überrascht: Wut lag in der Luft. Dass die AfD in diesem Sinne eine zornige Partei ist, offenbaren nicht nur Parteitagsfehden und Leserbriefe. Wie es um die Zähigkeit der AfD-Wähler bestellt ist, werden auch die anderen Parteien noch erleben.

          Der AfD verschaffen die drei Landtagswahlen eine bequeme Position. Die vielbeschworene „Etablierung“ ist dabei mehr als eine Phrase. Sie ist ein strategischer Vorteil – und eine Zwickmühle für die politische Konkurrenz. Sollten diese die AfD vereinnahmen wollen und deren Positionen für sich reklamieren, wird der Wähler sich nach aller Erfahrung dem Original zuwenden. Sollten sie die AfD umso heftiger kritisieren, würde das die in Widerspenstigkeit geübten AfD-Anhänger nur noch stärker motivieren. Legt man die wahrscheinliche Annahme zugrunde, dass die AfD ihr Klientel stärker mobilisiert als andere Parteien, kann auch der Versuch des Totschweigens als gescheitert bezeichnet werden. So bliebe den Parteien nur, der Mobilisierung der AfD-Anhänger ein Aufgebot eigener Anhänger entgegenzustellen.

          Justus Bender

          Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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