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Wahl in Berlin : Flüchtlinge…und was sonst noch?

Marzahn-Hellersdorf Bild: dpa

Die AfD will die „etablierten“ Parteien bei der heutigen Wahl das Fürchten lehren. Aber reicht es dafür aus, auf Merkels Flüchtlingspolitik zu schimpfen? Ein Besuch in zwei sehr unterschiedlichen Berliner Bezirken, in denen die AfD erfolgreich sein könnte.

          8 Min.

          Berlin-Steglitz, Bezirk Steglitz-Zehlendorf, ein Tag vor der Wahl

          Martin Benninghoff
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die ersten zaghaften Sonnenstrahlen nach dem heftigen herbstlichen Regenguss lässt Cerstin Richter-Kotowski nicht ungenutzt: Die 54 Jahre Bezirksstadträtin im Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf blinzelt unter der Plastikplane des kleinen abgedeckten Wahlkampfstandes an der Steglitzer Schloßstraße gen Himmel, nimmt Blumen und Flyer in die Hand und eilt zurück auf den Bürgersteig zwischen die Menschen, die mit ihren Einkaufstaschen vorbeihuschen. Schnell noch mit ein paar Leuten sprechen, bevor es zum nächsten Stand nach Lichterfelde geht.

          Es ist Samstag, der letzte Tag vor der Berliner Abgeordnetenhauswahl. Die meisten Passanten erledigen ihre Einkäufe, Richter-Kotowski hat dafür im Moment keine Zeit. Sie kämpft um jede Stimme im Endspurt, will die CDU abermals zur stärksten Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung machen und die Menschen auf der Straße überzeugen, dass es der Regierende SPD-Bürgermeister Michael Müller nicht kann. „Wir geben alles“, sagt sie, auch wenn sie weiß, dass es auf Landesebene nach einem klaren Sieg der SPD aussieht. Auf Bezirksebene hier in Steglitz-Zehlendorf ist die CDU Platzhirsch. Aber in Stein gemeißelt ist selbst hier nichts mehr.

          Von den Piraten spricht keiner mehr

          Die Sozialdemokraten sind ohnehin nicht mehr der alleinige Gegner der CDU-Politikerin. Schon vor fünf Jahren, bei der letzten Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus und zur Bezirksverordnetenversammlung, mischte eine damals noch frische politische Partei die Politik in Berlin und am westlichen Rand der Stadt kräftig auf: Die Piraten, Shootingstars der verkrusteten Hauptstadt-Politszene, konnten auf Anhieb Mandate erringen, auf Landesebene, aber auch drei in der Bezirksverordnetenversammlung. Doch von den Piraten spricht heute keiner mehr.

          An die Stelle der Piraten – wenn auch von anderer politischer Richtung – ist die AfD gerückt, die nach allen Umfragen ziemlich sicher im nächsten Bezirksparlament und im Abgeordnetenhaus sitzen dürfte.

          Steglitz-Zehlendorf ist ihre Hochburg im Westen Berlins, wie gemacht für das Profil der rechten Jungpartei: Die Einkommen sind zwar sehr unterschiedlich verteilt, unter dem Strich gehören die knapp 300.000 Einwohner aber zu den reichsten in Berlin. Sie haben etwas zu verlieren, sind ansprechbar für Themen wie Einbruchskriminalität und innere Sicherheit. Die Bewohner sind das, was man am ehesten als „gutbürgerlich“ bezeichnen könnte, interessiert an Sicherheit, Wohlstand und Ordnung, mehr als die Jungen und Kreativen, die es eher in die mittleren Kieze in Kreuzberg, Neukölln, Friedrichshain oder, wenn sie genügend Geld haben, nach Prenzlauer Berg zieht, wo die Stadt kosmopolitischer und weniger arriviert ist. Nicht das schlechteste Terrain also für die AfD, die sich Hoffnung auf einen Stadtratsposten macht.  

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          Berlin-Lichterfelde, Bezirk Steglitz-Zehlendorf

          Am Kranoldplatz, nur wenige Fußsekunden vom belebten S-Bahnhof Lichterfelde-Ost entfernt, schieben sich wie jeden Samstag die Bewohner über den Wochenmarkt. Auf dem engen Fußweg zwischen Straße und Geschäften reihen sich die Wahlkampfstände von CDU, SPD, Grüne aneinander, es werden Rosen verteilt und Aufkleber, Flyer und Infobroschüren. Die AfD hingegen muss man suchen: Ihr Stand steht an der gegenüberliegenden Seite des Platzes, abseits und direkt an einer vielbefahrenen Straße.

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