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Wahl in Berlin : Es ist die Hauptstadt, Dummkopf!

Sonnige Stimmung in Tegel: Immerhin ein Flughafen, der funktioniert, würde der Berliner wohl sagen. Bild: dpa

Die Wahl an diesem Sonntag in Berlin sei auf keinen Fall so spannend wie die in Mecklenburg-Vorpommern, sagen manche Leute – aber das Gegenteil trifft zu. Warum das Ergebnis in der Drei-Millionen-Stadt Wirkung auf ganz Deutschland hat.

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          Die Wahl zum Abgeordnetenhaus am Sonntag in Berlin? Abgehakt, langweilig, heißt es mitunter – wie die Menschen in der Hauptstadt stimmen werden, sei doch erwartbar.

          Oliver Georgi

          Redakteur in der Politik.

          Thomas Holl

          Redakteur in der Politik.

          Dabei ist die Wahl spannender als viele denken. Denn wie die Wähler in Berlin abstimmen, sagt viel aus über das politische Kräfteverhältnis – nicht nur im Roten Rathaus, sondern auch im Rest der Republik.

          Wer muss den Urnengang fürchten, wer kann hoffen? Und was sind die wichtigsten Implikationen der Wahl? Sechs Gründe, warum man die Wahl in Berlin nicht unterschätzen sollte.

          1. Die Hauptstadt ist nicht Schwerin

          Die Landtagswahl vor zwei Wochen in Mecklenburg-Vorpommern hat für viel Aufsehen gesorgt – vor allem, weil die AfD an der CDU vorbeizog und zur zweitstärksten Kraft im Schweriner Landtag wurde. Ein Fanal für den Niedergang der CDU, hieß es danach. Dabei hatte es sich schon vorher abgezeichnet, dass die AfD im randständigen Mecklenburg-Vorpommern gut, womöglich auch sehr gut abschneiden würde. In dem dünn besiedelten Land an der Ostsee, das unter Bevölkerungsschwund und hoher Arbeitslosigkeit leidet, gibt es schon lange eine große strukturelle Unzufriedenheit, die die Wähler für die Parolen der AfD und der rechtsextremen NPD empfänglich macht.

          Insofern ist der Wahlausgang im Nordosten nur bedingt aussagekräftig für den Rest der Republik, was auch die Kommunalwahlen in Niedersachsen am vergangenen Sonntag gezeigt haben, bei denen die AfD ihren Erfolg aus Schwerin nicht wiederholen konnte.

          Die Wahl in der kosmopolitischen Hauptstadt Berlin hat hingegen eine weitaus größere Strahlkraft. Sollte die AfD auch in der Metropole starke Zuwächse verzeichnen, hätte sie wohl endgültig den Beweis erbracht, dass sie sich nicht nur in der Unzufriedenheit der Peripherie, sondern nach den Landtagswahlerfolgen in Stuttgart oder Mannheim auch in einer Millionenstadt etablieren kann, die für ihre gelebte Offenheit bekannt ist („Ich bin schwul, und das ist auch gut so“.) Wenn wir hier stark sein können, dann auch überall sonst in der Republik: Diese Botschaft dürfte die AfD nach einem Wahlerfolg in Berlin noch mehr als nach jenem in Schwerin auskosten. In der Tat: Die Diagnose, dass die AfD vor allem eine Partei der frustrierten Landbevölkerung sei, wäre nach einem deutlichen Erfolg in der Hauptstadt endgültig nicht mehr zu halten. (oge.)

          2. Merkel und der CDU droht das nächste Debakel

          Längst Geschichte sind die goldenen Zeiten der Berliner CDU. Mit Richard von Weizsäcker und seinem Nachfolger Eberhard Diepgen regierte die CDU von 1981 an erst West-Berlin und dann nach einem kurzen SPD-Intermezzo mit Walter Momper auch die wiedervereinigte Hauptstadt. Satte Wahlergebnisse zwischen 37 und mehr als 40 Prozent in den neunziger Jahren verleiteten die CDU zu einer Selbstüberschätzung und auch Verfilzung, der ein harter Absturz in der Wählergunst nach der Jahrtausendwende folgte. In der Ära Diepgen und seines Weggefährten Klaus Landowsky war die Erinnerung vieler Berliner an die vier Jahrzehnte sozialdemokratischer Dominanz in der eingemauerten Frontstadt des Kalten Krieges verblasst.

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