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Wahl in Berlin : Es ist die Hauptstadt, Dummkopf!

Sollte die Linkspartei ihren prognostizierten vierten Platz bei dieser Wahl doch noch an die AfD verlieren, droht ihr selbst erklärter Status als ostdeutscher Volkspartei auch in Berlin immer deutlicher zu erodieren – ironischer Weise selbst dann, wenn die Linkspartei wie erwartet ein besseres Ergebnis als 2011 erreichen sollte. Immerhin bleibt den Verantwortlichen im Karl-Liebknecht-Haus der Trost, dass die Linke in einem wahrscheinlichen Dreier-Bündnis für die SPD neben den Grünen wieder als Partner zum Regieren gebraucht wird. Wenn es gut läuft mit Rot-Grün-Rot, wäre dies auch gute Werbung für eine entsprechende Koalition nach der Bundestagswahl 2017.

Am derzeitigen strukturellen Defizit der Partei, das in den vergangenen Monaten mit den Erfolgen der AfD und dem Schlingerkurs der Linken in der Flüchtlingspolitik immer deutlicher wurde, dürfte aber selbst eine Regierungsbeteiligung in der Hauptstadt nichts ändern. (oge.)

5. Die Grünen sind wieder auf Regierungskurs 

Wie die Linkspartei könnten auch die Hauptstadt-Grünen dank des möglichen Niedergangs der CDU und ihres Ausscheidens aus dem Senat wieder in Berlin mitregieren. Und so auch ihre herbe Wahlschlappe vor zwei Wochen vergessen machen, als die Partei mit knapp unter fünf Prozentpunkten aus dem Landtag in Schwerin flog. In Berlin haben die Grünen mit ihrer Spitzenkandidatin Ramona Pop hingegen die Chance, ihr bisher bestes Wahlergebnis von 2011 mit 17,6 Prozent zu halten und vielleicht sogar zu steigern. Ein besonderer Triumph wäre es für die Pop-Truppe, wenn sie damit die CDU auf Platz drei verweisen könnte. Der in Berlin traditionell links stehende Landesverband würde in einer nicht unwahrscheinlichen Koalition mit SPD und Linkspartei versuchen, in der Partei ein funktionierendes Gegenmodell für das von Winfried Kretschmann favorisierte Bündnis mit der CDU nach der Bundestagswahl zu installieren. (holl.)

6. Bescheidenes Comeback für FDP ist drin 

Für die FDP gleichen Wahlen in Berlin seit mehr als zwei Jahrzehnten einer Achterbahnfahrt zwischen Himmel und Hölle. Nach schönen Regierungsjahren an der Seite der West-Berliner CDU folgten dem kurzzeitigen Absturz zur APO-Partei 1989 bei den ersten Wahlen in der wiedervereinigten Stadt ein Jahr später der Wiederaufstieg. Zumindest der in die parlamentarische Opposition. Doch dem Wahlerfolg mit 7,1 Prozentpunkten folgten Intrigen und Zerwürfnisse. Im Zuge der von rechten Parteifreunden genutzten „Figaro-Affäre“ um mit Fraktionsgeldern bezahlte Friseurrechnungen stürzte erst die linksliberale Fraktions- und Landesvorsitzende Carola von Braun und bei den Wahlen 1995 dann die FDP ins Bodenlose. Nur 2,5 Prozent holte die in verfeindete Flügel gespaltene Partei.

Wieder gut drauf in der Hauptstadt: der FDP-Vorsitzende Christian Lindner mit dem Spitzenkandidaten Sebastian Czaja (l.) am Donnerstag in Berlin

Auch der politische Streit um die Ausrichtung auf einen nationalliberalen Kurs, wie ihn die AfD zwanzig Jahre später zum Teil einschlägt,  machte die Hauptstadt-FDP nicht attraktiver. Der Versuch des rechten Flügels um den früheren Generalbundesanwalt Alexander von Stahl, die Parteispitze zu übernehmen, schlug jedoch fehl. Erst die Neuwahlen 2001 beendeten für ein Jahrzehnt das Dasein der FDP als Splitterpartei, aber nicht das Schicksal der ewigen kleinsten Oppositionspartei im ehemaligen Preußischen Landtag. Die Chance, das desaströse Berliner FDP-Ergebnis von 1,8 Prozent vor fünf Jahren deutlich zu verbessern, hat nun der liberale Spitzenkandidat Sebastian Czaja. Sollte die FDP, wie in der jüngsten Umfrage vorausgesagt, die Fünf-Prozent-Hürde knacken, wäre dies ein schöner Erfolg – auch für den Bundesvorsitzenden Christian Lindner auf seiner Mission Wiedereinzug in den Bundestag. (holl.)       

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